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Wahl in Iran : Im Tal der Enttäuschten

Bild: dpa

In Iran hat am Freitagmorgen eine Richtungswahl begonnen: Wie weit wird sich das System dem Westen öffnen? Im Volk überwiegt vorsichtiger Optimismus, auch wenn es viele kritische Stimmen gibt.

          Wer nicht wählt, begeht eine Sünde, sagt die Schuhmacherin, die in ihrem schwarzen Tschador im Hinterzimmer eines kleinen Ladens an der Werkbank steht und Fußbetten schneidet. Sie sagt, es sei ihre islamische Pflicht, an diesem Freitag bei der Parlamentswahl und der Wahl des Expertenrats ihre Stimme abzugeben. Es sei das einzig Nützliche, was sie für Iran tun könne.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Für wen sie stimmen wird, weiß Fatimeh aber noch nicht. „Ich arbeite von morgens bis abends und habe keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen“, sagt die Mutter von drei Kindern. Ihr Ehemann ist opiumsüchtig, hat den gesamten Hausstand verkauft, um an Stoff zu kommen. Fatimeh verdient umgerechnet rund 250 Euro im Monat und muss damit die Familie ernähren. Sie werde sich am Wahltag die Poster anschauen und sich dann entscheiden, sagt sie.

          Viele Iraner, das haben frühere Wahlen gezeigt, entscheiden erst kurz vor der Wahl, wem sie ihre Stimme geben. Fatimeh ist eine Anhängerin des früheren Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, eines konservativen Hardliners, der sich als Mann der kleinen Leute präsentierte, Subventionen und Kleinkredite verteilte. „Er hat viel für uns arme Leute getan und für die Leute auf dem Land.“ Ihre Eltern, erzählt die Frau, hätten dank eines Darlehens Land kaufen können. Die Familie stammt aus Qom, der heiligsten Stadt des schiitischen Islams.

          Den amtierenden moderaten Präsidenten Hassan Rohani findet Fatimeh „ganz in Ordnung“. Rohani habe es geschafft, dass die internationalen Sanktionen aufgehoben wurden. Sie hoffe, dass deshalb bald die Preise von Importwaren sinken werden. Noch allerdings ist von einer wirtschaftlichen Erholung nichts zu spüren. Im Gegenteil. Wegen des niedrigen Ölpreises hat sich die Lage seit dem Amtsantritt Rohanis vor zwei Jahren sogar noch verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, das Leben teuer.

          „Sie haben dafür gesorgt, dass ich meine Religion verachte“

          Das trifft vor allem die Leute im armen Süden der iranischen Hauptstadt. Hier, im Teheraner Stadtteil Shapour sind die Gassen eng. Die Frauen tragen den schwarzen Tschador. Ein Schuhgeschäft reiht sich an das nächste. Auf der gesamten Straße gibt es nur Schuhe zu kaufen. Doch obwohl bald das persische Neujahr beginnt, zu dem sich die Iraner traditionell neu einkleiden, sind kaum Kunden unterwegs. Anders als im reichen Norden Teherans fahren die Leute hier Moped statt Auto. Für Teheraner Verhältnisse gelten die Südstädter als besonders fromm und religiös. Viele hier wählen die sogenannten Prinzipalisten, die Konservativen, die sich als Wächter der Islamischen Revolution verstehen.

          Was vom Aufwind übrig blieb: Iranerinnen schwenken die Fähnchen der zur Parlamentswahl zugelassenen Reformer in Teheran. Bilderstrecke

          Nicht so allerdings der Schuhmacher Mahmud. Vor zwei Tagen, erzählt der ergraute Mann mit dem Schnauzbart, war das Staatsfernsehen da. Sie haben wissen wollen, was die Leute über die Wahlen denken. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht wählen werde. Da haben sie das Interview abgebrochen.“ Er wedelt verächtlich mit den Händen, bevor er wieder zum Pinsel greift und in kleinen ruckartigen Bewegungen die vor ihm liegenden Sohlen mit Leim bestreicht. Ein paar neugierige Nachbarn haben sich vor dem Eingang seines kleinen Ladens versammelt, so wie vor zwei Tagen, als das Fernsehen da war.

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