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Revolution in Ägypten : Israels Angst vor einer weiteren Front

Der israelische MInisterpräsident Netanjahu warnt vor einem „zweiten Iran” in Ägypten Bild: dapd

Mit großer Sorge und wachsendem Pessimismus verfolgen Politiker und Militärs in Israel die Entwicklungen in Ägypten, mit dem Israel 1979 Frieden schloss. Sie fürchten, Ägypten könnte zu einem „zweiten Iran“ werden, und Amerika sich - wie von Mubarak - abwenden.

          Auch in Israel droht ein „Tag des Zorns“. Wie in den arabischen Nachbarländern steigen die Preise für Benzin und Lebensmittel unaufhörlich. Gewerkschaftsführer drohen schon mit einem Generalstreik. Spätestens hier enden jedoch die Gemeinsamkeiten mit den arabischen Nachbarn, die in Amman, Kairo und Tunis auch wegen dramatischer Preissteigerungen auf die Straße gehen. Trotz ihrer Kritik an zu hohen Steuern sind die meisten Israelis ähnlich beunruhigt wie ihr Ministerpräsident, wenn es um die Demonstrationen in Ägypten geht: Benjamin Netanjahu warnt vor einem „zweiten Iran“, sollten in Kairo die Islamisten die Macht übernehmen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Mit großer Sorge und wachsendem Pessimismus verfolgen Politiker und Militärs die Entwicklungen in dem ersten arabischen Land, mit dem Israel 1979 Frieden schloss. Der ägyptischen Opposition trauen sie nicht über den Weg. „Die arabische Welt ist kein Ort für wirkliche Demokratie. Wenn es einen demokratischen Prozess gibt, wird er Diktaturen bringen und die Region in eine Hölle verwandeln. Damit Israel überleben kann, ziehe ich stabile Länder vor, die Terroristen bekämpfen“, sagt etwa mit entwaffnender Offenheit Amos Gilad, der Chef der politischen Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums.

          Nicht nur er fürchtet, dass mehr Pluralismus und Mitbestimmung zum Aufstieg der Muslimbrüder beitragen werden. Als verlässliche Partner erwiesen sich für Israel dagegen autokratische Herrscher und nicht Demokraten. „Es ist traurig aber wahr. Israel unterzeichnete seine beiden einzigen Friedensverträge (mit Ägypten und Jordanien) mit Diktatoren: Anwar Sadat und König Hussein“, gestand der frühere Verteidigungsminister Mosche Arens in der Zeitung „Haaretz“ ein.

          Bis 1979 war Teheran wichtigster Verbündeter Israels

          Die große israelische Skepsis gegenüber Volksaufständen und Wahlen in der islamischen Welt geht auf zwei traumatische Erfahrungen zurück. Bis zur Revolution im Jahr 1979 war Teheran wichtigster Verbündeter des Landes in der Region. Dem Schah folgte dann das Mullah-Regime, das gegen Israel nuklear aufrüstet, Hizbullah, Hamas und vielleicht eines Tages auch die ägyptischen Muslimbrüder unterstützt. Gegen den starken Widerstand Israels hatten später die amerikanische Regierung und die EU durchgesetzt, dass die Hamas bei den palästinensischen Wahlen im Jahr 2006 antreten durfte: Die Islamisten gewannen damals die Mehrheit und eroberten in Gaza später gewaltsam die Macht, von wo aus sie Israel mit Raketen angreifen.

          „Ist das Demokratie, wenn man politische Gegner von den Dächern Gazas in den Tod stürzt, ihnen in die Knie schießt und Frauen hinrichtet? Nein, das ist das Ergebnis eines amerikanischen Missverständnisses, das Wahlen heiligt und die Risiken ihrer Resultate ignoriert“, kritisiert Dov Weissglas, Bürochef und Unterhändler des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon.

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