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Syrien-Krieg : Assad-Truppen starten Bodenoffensive mit Russlands Hilfe

  • Aktualisiert am

Russland unterstützt Syrien nicht nur mit Kampfflugzeugen, sondern auch mit Kampfhubschraubern vom Typ Mi-24. Bild: Reuters

Die Armee des Machthabers Baschar al Assad hat im Nordwesten Syriens laut Beobachtern eine Bodenoffensive gegen Rebellen begonnen. Unterstützt werden die Streitkräfte dabei massiv von der russischen Luftwaffe.

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          Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben mit russischer Luftunterstützung im Nordwesten des Landes eine Bodenoperation gegen Rebellen begonnen. Die Kämpfe nördlich der Stadt Hama seien die heftigsten seit Monaten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Russische Kampfflugzeuge hätten das Kampfgebiet bombardiert.

          Der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdelrahman, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Angriff sei ein Test für eine größer angelegte Bodenoffensive. Aus Kreisen nahe dem syrischen Militär hieß es, Russland wolle die Fähigkeiten seiner Verbündeten prüfen und sehen, wie die Rebellen auf einen Angriff reagieren.

          Das angegriffene Gebiet steht unter Kontrolle verschiedener moderater und radikaler Gruppen. Gegner und Verbündete des Regimes hatten in den vergangenen Tagen berichtet, dass Tausende Kämpfer aus dem Iran und der libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah für eine Bodenoffensive der Armee gegen Rebellen nach Syrien verlegt worden seien.

          Die russischen Kampfflugzeuge haben in den vergangenen Tagen mehrmals bei Einsätzen den türkischen Luftraum verletzt. Dazu sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nun, das Land werde seine Grenzen schützen. Bei der Sicherung der Grenzen und des Luftraums werde es „keine Zugeständnisse“ geben, so Davutoglu. Russland müsse auf die Sicherheitsinteressen der Türkei Rücksicht nehmen. Zugleich betonte er aber die Bedeutung der türkisch-russischen Beziehungen. Russland sei ein befreundetes Land, mit dem die Türkei keinen Streit wünsche.

          Keine Konflikte mit Russland

          Russische Kampfflugzeuge hatten während Einsätzen in Syrien in den vergangenen Tagen zweimal den türkischen Luftraum verletzt. Davutoglu sagte, Militärvertreter und Diplomaten beider Länder führten Gespräche über dieses Thema. Es gebe keine Interessenkonflikte mit Russland, sagte er. Die Türkei ist in hohem Maße von russischen Erdgaslieferungen abhängig.

          Nach Nato-Informationen hat Russland bereits rund 2000 Soldaten, Berater und technisches Personal in Syrien stationiert. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“. Auf Satellitenfotos sei zu erkennen, wie sie besonders an den Stützpunkten Latakia und Tartus Landebahnen, Hallen und Wohncontainer errichteten.

          Die Zahl der Russen sei aber noch nicht hoch genug, dass sie in eine Bodenoffensive eingreifen könnten, zitiert die Zeitung hohe Nato-Diplomatenkreise. Vermutlich unterstützten sie derzeit vor allem die syrische Armee sowie die Durchführung der russischen Luftschläge.

          Russland hilft Iran und Assad

          Die Luftangriffe zeigen nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Moskau deutlich Wirkung. Aufständische hätten bereits Waffen und Panzerfahrzeuge in die Nähe von Moscheen verlegt, um sie dort zu schützen, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Zugleich veröffentlichte es ein Foto, das einen Panzer unweit eines islamischen Gotteshauses zeigen soll. Zum Ort gab es keine Angaben. Russland flog nach eigenen Angaben am Dienstag 20 Luftangriffe auf zwölf Ziele der Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS). Mehrere Standorte sollen demnach zerstört worden sein.

          Russland steht zusammen mit Iran auf der Seite des syrischen Machthabers Baschar al Assad. Der Westen vermutet, dass die russischen Luftangriffe hauptsächlich gemäßigten syrischen Rebellen gelten, die gegen Assad kämpfen. Auch Ahmet Davutoglu erneuerte seinen Vorwurf, dass sich die vergangene Woche begonnenen russischen Luftangriffe in Syrien vor allem gegen Rebellen richteten, die gegen den mit Russland verbündeten Präsidenten Baschar al-Assad kämpfen. Der IS, der von Moskau als eigentliches Ziel genannt wird, sei dagegen nur selten das Ziel russischer Angriffe. Von bisher 57 Luftangriffen hätten 55 der gemäßigten Opposition gegolten. Nur zwei hätten sich gegen IS-Stellungen gerichtet, sagte Davutoglu.

          Russisches Militär „zur Abstimmung bereit“

          Am Mittwoch erklärte sich das russische Militär schließlich bereit, mit den Vereinigten Staaten über eine engere Abstimmung bei Luftangriffen in Syrien zu sprechen. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau. Die Äußerungen ließen aber offen, wie weit die Absprachen gehen sollen. Bislang gibt es zwischen Russen und Amerikanern nur Kontakte auf unterer Ebene, um Zwischenfälle bei den Einsätzen in Syrien zu vermeiden.

          Diese Szene aus einem Video des russischen Verteidigungsministeriums soll einen Bombenabwurf über Syrien zeigen
          Diese Szene aus einem Video des russischen Verteidigungsministeriums soll einen Bombenabwurf über Syrien zeigen : Bild: AP/Russisches Verteidigungsministerium

          Die Strategie beider Seiten ist unterschiedlich. Die Luftangriffe der Amerikaner und ihrer Verbündeten sollen den IS treffen. Russland will mit seinen Angriffen Assad stützen. Die russische Luftwaffe fliegt seit dem 30. September Angriffe in Syrien. „Im russischen Verteidigungsministerium hat man auf die Bitte des Pentagons reagiert und rasch die Vorschläge der Amerikaner für eine Koordination des Vorgehens im Rahmen des Kampfes gegen die Terrorgruppe IS geprüft“, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow nach Angaben russischer Agenturen. „Insgesamt könnten diese Vorschläge akzeptiert werden.“ Technische Details sollten noch am Mittwoch auf Fachebene geklärt werden.

          Sowohl die Vereinigten Staaten als auch Russland bombardieren Ziele in Syrien. In der vergangenen Woche hatten beide Seiten auf Wunsch Moskaus erstmals darüber beraten, wie bei den Einsätzen mögliche Zwischenfälle im syrischen Luftraum verhindert werden können.

          Der türkische Regierungschef äußerte die Sorge, russische Angriffe auf zivile Ziele und gemäßigte Rebellengruppen in Syrien könnten eine weitere Fluchtwelle in die Türkei auslösen. Das sei ein „sehr ernstes Problem“, über das gesprochen werden müsse, sagte Davutoglu nach einer Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur Anadolu. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus hatte am Dienstag gesagt, sein Land rechne mit einer Million weiterer Flüchtlinge aus Syrien. In der Türkei leben bereits zwei Millionen Syrer.

          Syrien : Opposition meldet Bodenoffensive gegen Rebellen in Syrien

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