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Rebellion gegen Gaddafi : Kampf um die Macht in Libyen

  • Aktualisiert am

Ein Werbeplakat mit Gaddafi als Zielscheibe Bild: dpa

Die Lage in Libyen ist unübersichtlich. Angeblich haben Regierungsgegner die Städte Zawija und Ras Lanuf eingenommen. Gaddafis Miliz versucht mit aller Macht, die Städte zurückzugewinnen. Dutzende Menschen starben. Auf der griechischen Insel Kreta sammeln sich unterdessen Spezialeinheiten der Vereinigten Staaten und anderer Nato-Länder.

          In Libyen haben sich Regierungstruppen und Gegner von Machthaber Muammar al Gaddafi wieder schwere Kämpfe geliefert. Dabei starben mindestens 40 Menschen. Allein in Zawija, 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, sprachen Einwohner am Freitagabend von 30 toten Zivilisten. Soldaten hätten sich in die Stadt vorgekämpft. Zudem hätten Scharfschützen von einem Hoteldach nach den Freitagsgebeten auf Demonstranten geschossen.

          Widersprüchliche Angaben gibt es darüber, wer in der Stadt derzeit die Oberhand hat. Der Armee gelang es nach Augenzeugenberichten am Samstag, die Stellungen von Regierungsgegnern zu überwinden. Die Gaddafi-treuen Kämpfer hätten den Widerstand der Aufständischen mit Mörserbeschuss und Maschinengewehrfeuer überwunden. Den Berichten zufolge wüteten am Samstag mehrere Brände in Zawija.

          Andere Augenzeugen berichteten dem Fernsehsender Al Dschazira hingegen, dass sich die Truppen Gaddafis zurückgezogen hätten und die Regierungsgegner auf dem zentralen Märtyrerplatz ihren Erfolg feierten. Die Regimetruppen zogen sich in die Außenbezirke zurück, um sich möglicherweise für einen neuen Angriff zu sammeln, sagte der Augenzeuge weiter. Die Kämpfe in den Morgenstunden seien äußerst blutig gewesen. Angaben über Todesopfer lagen zunächst nicht vor. Krankenhausärzte sprachen von 150 bis 250 Verletzten. Heckenschützen der Regimetruppen hätten auch auf Zivilisten geschossen.

          Kämpfe um die Ölstadt Ras Lanuf: Angeblich ist die Stadt in Hand der Rebellen

          In der Hauptstadt Tripolis gingen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition und Tränengas gegen hunderte Demonstranten vor, wie Augenzeugen berichteten. Die Rebellen im Osten Libyens dringen nach eigenen Angaben weiter nach Westen vor. Im Osten des Landes nahmen die Rebellen nach eigenen Angaben am Freitag die Stadt Ras Lanuf mit ihrem wichtigen Ölhafen ein. Die Truppen Gaddafis hätten die Stadt verlassen, sagte ein Kämpfer der Aufständischen. Die Regierung bestritt die Angaben. Vize-Außenminister Chaled Kaaim erklärte, Ras Lanuf sei weiter unter Kontrolle der Regierungstruppen.

          Auch Brega unter Kontrolle der Rebellen?

          Die Gegner von Gaddafi haben am Samstag auch die Kontrolle über die 60 Kilometer von Ras Lanuf entfernte Stadt Bin Dschawad übernommen, teilten Kämpfer der Aufständischen mit. Augenzeugen zufolge sollen einige Rebelleneinheiten sogar noch weiter auf dem Vormarsch sein. Bin Dschawad liegt rund 525 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis. Der Osten des Landes ist das Zentrum des seit zwei Wochen anhaltenden Volksaufstands gegen Gaddafi.

          Zur Stadt Brega, die zwischen Ras Lanuf und Benghasi liegt, machte die libysche Regierung widersprüchliche Angaben. Zunächst räumte ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, den Verlust der Stadt an die Rebellen ein. Etwas später widersprach ein anderer Regierungsvertreter den Angaben, dass Brega in Rebellenhand sei. Nach eigenen Angaben halten die Rebellen Brega seit Mittwoch.

          Nahe der von Regierungsgegnern gehaltenen Stadt Benghasi kamen bei der Explosion eines Munitionsdepots nach Krankenhausangaben mindestens 17 Menschen ums Leben. Ein Mediziner erklärte, offenbar sei das Lager explodiert, als sich Menschen dort Waffen besorgten. Andere machten Saboteure Gaddafis verantwortlich.

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