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Reaktionen in Israel : „Eine gute Rede“

Netanjahu erhofft sich von seinen Reden in Amerika neuen Schwung für seinen Wahlkampf in Israel Bild: Reuters

Das Lob, das Benjamin Netanjahu in Israel für seinen Auftritt im Kongress erhielt, hat er dringend nötig. Im israelischen Wahlkampf ist die Partei des Ministerpräsidenten ins Hintertreffen geraten.

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          Der Applaus, der Benjamin Netanjahu im Kongress mehr als zwanzig Mal unterbrach, tat auch vielen Israelis wohl, die besorgt darüber sind, dass die internationale Unterstützung für ihr Land zuletzt abgenommen hatte. Selbst Oppositionsführer Jitzhak Herzog gestand Netanjahu zu, er habe eine „gute Rede“ gehalten, auch wenn sie am Ende das Atomabkommen mit Iran nicht aufhalten werde.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Herzog würde als israelischer Regierungschef „exakt dieselbe Rede halten“, sagte die frühere Vorsitzende der Arbeiterpartei Shelly Jacimovitch: Der Unterschied würde nur darin bestehen, dass dafür der amerikanische Präsident und der Vizepräsident in den Kongress kommen würden. Jacimovitch spielte damit auf die Verärgerung im Weißen Haus an, dass die Republikaner nicht über Netanjahus Auftritt informiert hatten.

          Michael Oren, früher israelischer Botschafter in Washington, lobte die Rede als „stark“. Sie enthalte aber keine neuen Ideen und hätte auch an jedem anderen Ort gehalten werden können, sagte Oren, der für die Partei „Kulanu“ bei der Parlamentswahl am 17. März antritt. Der Washington-Korrespondent der Zeitung „Haaretz“ Chemi Shalev war weniger angetan. „Die meisten Israelis haben das alles schon gehört und sind zu Tränen gelangweilt“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Doch wirkliche Überraschungen erwartete man in Israel auch nicht von Ministerpräsident Netanjahu, der aussprach, was die meisten Bürger über die iranische Bedrohung denken.

          In Israel ist man eher darauf gespannt, welche Wirkung die deutlichen Worte Netanjahu im Wahlkampf entfalten werden. Am Dienstag hatte seine Likud-Partei in einer Umfrage drei Sitze weniger als Herzogs Wahlbündnis „Zionistisches Lager“. Netanjahu und seine Wahlstrategen hoffen nun, dass die 48 Stunden in Washington für einen Vorsprung und genug Rückenwind für einen vierten Wahlsieg sorgen.

          Doch bei der Wahl geht es nicht nur um Iran: Nachdem der Regierungschef am Sonntag nach Amerika aufgebrochen war, schlugen Demonstranten auf dem Rothschild-Boulevard im Zentrum von Tel Aviv wieder Zelte auf; zuletzt hatten sie das während der Sozialproteste im Sommer 2011 getan. Sie demonstrieren damit gegen das Versagen der Regierung Netanjahu im Kampf gegen Wohnungsnot und hohe Lebenshaltungskosten. Diese Themen bereiten vielen Israelis noch größere Sorgen als die Gefahren, die aus dem fernen Iran drohen.

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