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Reaktionen auf Gaza-Angriffe : Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zu Gaza

  • Aktualisiert am

Rauch über Gaza: nach einem israelischen Luftangriff im Norden des Küstenstreifens. Bild: REUTERS

Vereinte Nationen warnen vor „katastrophalen Folgen“ durch israelische Angriffe im Gaza-Streifen. Obama sicherte Israel seine Unterstützung zu, Ägyptens Präsident Mursi versichert Palästinenser seiner Solidarität.

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          Nach der Eskalation im Nahen Osten haben die Vereinten Nationen vor „möglicherweise katastrophalen Folgen“ gewarnt. Am späten Mittwochabend traf sich der UN-Sicherheitsrat in New York zu einer Sondersitzung, die aufgrund der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen von Ägypten, Marokko und den Palästinensern beantragt worden war. Der palästinensische UN-Botschafter Rijad Mansur wies in der Sitzung auf die Frauen und Kinder hin, die bei den israelischen Angriffen getötet worden seien. „Die internationale Gemeinschaft muss handeln, um Israels illegaler Politik und seinen Handlungen gegen das palästinensische Volk ein Ende zu setzen“, sagte er. Zudem brachte er den Einsatz in Zusammenhang mit der palästinensischen Bewerbung für einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen, über den Ende November abgestimmt werden soll. Israels UN-Botschafter Ron Prosor wiederum rechtfertigte das Vorgehen seines Landes und bezeichnete den beim Angriff getöteten Hamas-Militärchef Ahmed al Dschabari als Massenmörder. Die Palästinenser hatten das Gremium zum Handeln aufgefordert, um die Militäraktionen zu stoppen. Israel wiederum verlangte eine Verurteilung der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

          Diplomaten der Vereinten Nationen berichten, dass große Einigkeit im Rat geherrscht habe und die Lage als höchst bedrohlich eingeschätzt wurde. Palästinenser und Israelis wurden zur Zurückhaltung aufgefordert. Beschlüsse standen nicht zur Debatte. Der indische Sicherheitsratspräsident Hardeep Singh Puri sagte nach dem Treffen lediglich, das Gremium sei zu weiteren Beratungen bereit, sollte es notwendig werden.

          Obama unterstützt Israel, Mursi solidarisiert sich mit Palästinensern

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte noch in der Nacht zum Donnerstag mit dem  dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu telefoniert und ihm seine Unterstützung zugesichert. Obama habe in dem Telefonat bekräftigt, dass Israel ein Recht auf
          Selbstverteidigung habe, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Netanjahu solle alles dafür tun, um Todesopfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

           Auch China zeigte sich „ernsthaft besorgt“ über die israelischen Angriffe im Gaza-Streifen und rief Israel zu „äußerster Zurückhaltung“ auf.

          Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat den Palästinensern im Gaza-Streifen seine Solidarität versichert. „Wir stehen an der Seite der Palästinenser, um die israelische Aggression in Gaza zu stoppen“, sagte er am Donnerstag. Israel müsse begreifen, dass „diese Aggression inakzeptabel ist und nur zu Instabilität in der Region führt.“ Zugleich kündigte Mursi eine Krisensitzung des ägyptischen Kabinetts einschließlich des Verteidigungsministers an. Ägypten berief aus Protest gegen Israels Angriffe seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück. Zudem wurde der Botschaft Israels einbestellt.

          Netanjahu: Aktion kann ausgeweitet werden

          Die israelische Militäroperation gegen militante Palästinenser im Gazastreifen kann nach Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Bedarfsfall sogar noch ausgeweitet werden. Das israelische Militär erklärte am späten Mittwochabend, alle Optionen lägen auf dem Tisch. Die Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.

          Zum Auftakt einer neuen Offensive namens „Säule der Verteidigung“ tötete die israelische Luftwaffe gezielt den Militärchef der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas, Ahmed al Dschabari, und seinen Assistenten. Bei mehr als 20 Luftangriffen starben mehr als zehn Menschen in dem Gebiet am Mittelmeer. Militante Palästinenser feuerten israelischen Medienberichten zufolge Dutzende Raketen Richtung Israel ab. Dort suchten Hunderttausende Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Autos in Beerscheva gingen in Flammen auf, mehrere Gebäude wurden getroffen.

          Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung al Dschabaris eine „Kriegserklärung“ und kündigte massive Rache an. Die israelische Armee bezeichnete al Dschabari als „Terroristen Nummer eins“ im Gazastreifen. Er sei auch an der Entführung des vor gut einem Jahr freigelassenen israelischen Soldaten Gilad Schalit in den Gazastreifen beteiligt gewesen. Auch andere Hamas-Führer seien nun vogelfrei.

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