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Reaktion auf IS-Tötungsvideo : Vater des getöteten Piloten will Rache

Der Vater des getöteten Piloten Moaz Kasasbeh, Saif Kasasbeh, am Mittwoch in Kerak. Bild: Reuters

Die Hinrichtung zweier Al-Qaida-Terroristen reicht dem Vater des von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ getöteten Piloten nicht. Er ruft seine Regierung dazu auf, scharfe Rache an den Islamisten zu üben.

          Der Wunsch nach Rache ist noch nicht gestillt. Der Vater des von der Terrormiliz getöteten jordanischen Piloten Moaz Kasasbeh hat seine Regierung zu „scharfer Rache“ aufgefordert. Der IS sei eine „Verbrecherorganisation“ und weit vom Islam entfernt, sagte Safi Kasasbeh dem TV-Kanal Al-Arabija.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Tagelang hatte Jordanien um den Piloten gebangt. Am Ende war die Regierung sogar bereit, ihn gegen eine Terroristin auszutauschen. Am Dienstagabend stellte sich dann heraus, weshalb die Terrormiliz „Islamischer Staat“ nicht in der Lage war, das geforderte Lebenszeichen des 26 Jahre alten Soldaten zu liefern: Er wurde offenbar schon am 3. Januar bei lebendigem Leib verbrannt, wie ein vom IS verbreitetes Video nahelegt. Als in den Tagen zuvor die Hoffnung sank, war in Jordanien schon die Forderung zu hören, man solle die 46 Jahre alte Irakerin Sadschida al Ridschawi hinrichten, wenn der Pilot nicht lebend nach Hause zurückkehrt.

          Am Mittwoch um vier Uhr morgens wurde nicht nur die Irakerin hingerichtet. Auch Ziad Karbuli, ein Führungsmitglied von Al Qaida wurde im Swaka-Gefängnis südlich von Amman gehängt, wie die Nachrichtenagentur Petra meldete. „Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein“, sagte hatte ein Armeesprecher am Dienstagabend gesagt, nachdem klar war, dass der Pilot tot war: „Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde.“

          Sadschida al Ridschawi hatte zu einer Gruppe von Selbstmordattentätern gehört, die im November 2005 in der jordanischen Hauptstadt Amman ein Blutbad in mehreren Hotels mit mehr als 50 Toten anrichteten. Sie überlebte damals, weil ihr Sprengstoffgürtel nicht funktionierte. Sie wurde zum Tode verurteilt, aber das Urteil wurde bisher nicht vollstreckt. Das lag auch daran, dass Jordanien wegen einer Überarbeitung des Strafrechts acht Jahre lang niemanden hinrichtete. Im vergangenen Dezember begann man jedoch wieder damit, Verurteilte zu hängen.

          Auch der 2008 zum Tode verurteilte Ziad Karbuli stammte aus dem Irak. Er war ein Vertrauter des aus Jordanien stammenden Al-Qaida-Führers Abu Musab al Zarqawi. Ihm wurde vorgeworfen, die Anschlagsserie auf die Hotels in Amman geplant zu haben. Später soll er zudem gestanden haben, im Irak mehrere Menschen getötet zu haben, darunter einen Jordanier.

          Noch am Dienstagabend hatte es in jordanischen Sicherheitskreisen geheißen, Ridschawis Todesstrafe werde „vor dem Morgengrauen“ vollstreckt. In jordanischen Gefängnissen sitzen angeblich noch gut 60 Islamisten, die wegen Verbindungen zum „Islamischen Staat“ und „Al Qaida“ inhaftiert sind.

          Die jordanische Reaktion fiel auch deshalb so harsch aus, weil Moaz Kasasbeh einem einflussreichen Stamm aus der Gegend von Kerak angehörte. Sein Vater war Generalmajor in der Armee, in der die jordanischen Stämme traditionell eine wichtige Rolle spielen. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, welche Auswirkungen Kasasbehs Tod haben wird, den viele Jordanier fast wie einen Märtyrer verehren. Bisher hatten Terrorgruppen wie der IS und die Nusra-Front auch Unterstützer in Jordanien, die auch in ihren Reihen kämpften. Zugleich konnten sich viele Jordanier nur schwer für die Beteiligung ihres Landes an dem Kampf gegen die Terrormiliz begeistern, in dem Moaz Kasasbeh jetzt als erster Jordanier ums Leben kam.

          Israels Außenminister Avigdor Lieberman hat den jordanischen König Abdullah II. für die Hinrichtung der Terroristen gelobt. „Terror kann nicht mit Worten und Erklärungen bekämpft werden, sondern nur mit harten Maßnahmen“, schrieb Lieberman am Mittwoch in einer Mitteilung. Er würdigte Abdullahs „schnelle und kraftvolle“ Antwort auf die Verbrechen des IS. Terroristen müssten „vernichtet und ausgerottet werden, so wie der König von Jordanien es getan hat“. Nach der Veröffentlichung eines IS-Videos, das die Ermordung eines jordanischen Piloten zeigt, hatte Jordanien zwei zum Tode verurteilte Terroristen hingerichtet.

          Der Iran hat den Mord an dem Piloten derweil aufs Schärfste verurteilt. „Dieser brutale Mord hat weder etwas mit dem Islam noch mit Menschlichkeit zu tun“, sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Mittwoch. Diese Tat mache die Zusammenarbeit aller Staaten im Kampf gegen den IS mehr denn je notwendig, fügte Afcham hinzu.

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