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Nahost-Konflikt : Einziges Kraftwerk in Gaza nach Beschuss außer Betrieb

  • Aktualisiert am

Palästinensische Feuerwehrleute versuchen, die brennenden Tanks des einzigen Kraftwerks in Gaza zu löschen Bild: REUTERS

Die israelische Armee hat ihre Offensive in Gaza massiv ausgeweitet. Etwa 150 Ziele wurden mit Artillerie, von Kriegsschiffen und aus der Luft angegriffen. Das einzige Kraftwerk des Gazastreifens steht in Flammen.

          Drei Wochen nach Beginn der israelischen Militäroperation werden die Kämpfe im Gazastreifen mit immer größerer Härte geführt. Augenzeugen berichteten, die israelischen Bombenangriffe während der Nacht zu Dienstag seien die schlimmsten seit Beginn Militäroffensive gewesen. Mindestens 43 Palästinenser wurden getötet.

          Am Vormittag wurde das einzige Elektrizitätswerk des abgeriegelten Mittelmeer-Küstenstreifens von Granaten getroffen. Ein Großfeuer brach aus und das Kraftwerk fiel komplett aus. Ein Repräsentant des Kraftwerks sagte der Nachrichtenagentur „Maan“, eine israelische Granate habe einen Treibstofftank  getroffen und damit den Großbrand ausgelöst. Eine andere Granate habe eine Turbine getroffen. Bislang sei es den Feuerwehrleuten nicht gelungen, den Brand zu löschen. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv teilte mit, man prüfe den Bericht.

          Das Kraftwerk erzeugt Strom für Haushalte, Betriebe, Krankenhäuser und Abwasserpumpen im Gazastreifen. Die 1,8 Millionen Einwohner des Küstenstreifens am Mittelmeer haben schon seit Jahren mit Stromsperren zu kämpfen. Seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen wurden die täglichen Stromabschaltungen noch länger.

          Schon in der Vergangenheit musste das Kraftwerk wegen Treibstoffmangels immer wieder auch ganz abgestellt werden. Seit Ägypten den Schmuggel von Treibstoff in den Gazastreifen unterbunden hat, ist das Gebiet ganz von teureren Lieferungen
          aus Israel abhängig. Sie werden von der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland finanziert.

          In Tel Aviv gab es am frühen Dienstagmorgen erstmals seit Freitag Luftalarm. In der Region Tel Aviv seien mehrere Explosionen zu hören gewesen, berichteten israelische Medien. Über Schäden war zunächst nichts bekannt. Auch in anderen Orten in Israel heulten die Sirenen.

          Bei einer der Attacken auf Gaza wurde nach palästinensischen Angaben auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija getroffen. Hanija wurde 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, als das Haus von Raketen zerstört wurde, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa.

          Im zentralen und südlichen Gazastreifen wurden am frühen Dienstag nach palästinensischen Angaben 16 Menschen getötet. 50 seien verletzt worden, berichteten Sanitäter und Augenzeugen. Der Sprecher des palästinensischen Rettungsdienstes, Aschraf al-Kidra, sagte, bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen seien neun Palästinenser getötet und 40 verletzt worden. In Rafah im Süden seien sieben Mitglieder einer Familie ums Leben gekommen. Zehn seien verletzt worden. Laut Sanitätern wurden mindestens 15 Palästinenser bei Luftangriffen im Westen von Gaza-Stadt verletzt.

          Zivilisten sollen ihre Häuser räumen

          Die israelische Armee hatte die Einwohner in Teilen des Gazastreifens zur sofortigen Räumung ihrer Häuser aufgerufen. Die Warnungen seien an Palästinenser in Sadschaija, Saitun und dem östlichen Teil von Dschebalia sowie in Beit Lahia und Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen geschickt worden, teilte die Armee mit.

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