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Präsidentschaftswahl in Ägypten : Muslimbruderschaft nominiert doch eigenen Kandidaten

  • Aktualisiert am

Chairat al Schater bei der Stimmabgabe für die Parlamentswahlen im vergangenen November. Bild: dpa

Die ägyptischen Muslimbrüder gehen auf Konfrontation mit dem Militärrat: Sie haben entgegen ursprünglicher Ankündigungen doch einen eigenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl Ende Mai benannt. Es handelt sich um den Geschäftsmann Chairat al Schater.

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          Die ägyptische Muslimbruderschaft schickt nun doch einen eigenen Kandidaten ins Rennen um die Präsidentschaft. Der Chefstratege und stellvertretende Vorsitzende der mächtigsten politischen Kraft des Landes, Chairat al Schater, wird für die Islamisten antreten, wie ranghohe Vertreter der Gruppe am Samstag ankündigten.

          Die Muslimbruderschaft machte damit ein früheres Versprechen rückgängig, sich nicht um die Präsidentschaft zu bewerben. Damit verschärft sich auf der Konflikt mit dem herrschenden Militärrat. Liberale Kräfte in Ägypten und auch mehrere westliche Länder befürchten, dass die Machtkonzentration in Händen der Muslimbruderschaft - ihr politischer Arm hält bereits fast die Hälfte der Sitze im Parlament - zu einer starken Islamisierung des Landes führen könnte. Auch die Verfassunggebende Versammlung wurde kürzlich mit einer Mehrheit an Islamisten besetzt.

          Sieben Jahre im Gefängnis verbracht

          Der Schritt dürfte auch das zunehmend angespannte Verhältnis der Gruppe zum regierenden Militärrat weiter belasten, der fürchtet, dass die Islamisten die Macht der ägyptischen Streitkräfte beschneiden könnten, sollten sie auch noch das Präsidentenamt übernehmen. Angesichts der breiten Verankerung der Gruppe in der ägyptischen Gesellschaft gilt al Schater als Favorit für die Wahl am 23. und 24. Mai. Aber auch der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, wird als aussichtsreicher Kandidat gehandelt.

          Al Schater, ein Geschäftsmann und Multimillionär, spielte während der Übergangszeit nach dem Sturz des früheren Präsidenten Husni Mubarak in der Muslimbruderschaft eine Schlüsselrolle. In der Vergangenheit saß er viermal wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft in der jahrelang verbotenen Muslimbruderschaft in Haft. Insgesamt verbrachte er sieben Jahre im Gefängnis.

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