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Kampf gegen den IS : Teheran: Amerika fehlt der Wille

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Auf diesem Foto kämpfen sie: Irakische Soldaten verteidigen ihre Stellung in der Provinz Anbar gegen Kämpfer des Islamischen Staates. Bild: AFP

Der amerikanische Verteidigungsminister Carter wirft der irakischen Armee mangelnden Kampfeswillen im Krieg mit dem Islamischen Staat vor. Darauf reagieren Bagdad und Teheran mit Kritik an Amerika.

          Der Kommandeur einer Eliteeinheit der mächtigen iranischen Revolutionsgarden hat den Vereinigten Staaten vorgeworfen, die Provinzhauptstadt Ramadi im Westirak bewusst den Kämpfern des „Islamischen Staats“ (IS) überlassen zu haben. Amerika fehle es „am Willen“, gegen die sunnitische Terrorgruppe zu kämpfen, sagte der Chef der Al-Quds-Einheiten, Qassem Soleimani, am Montag der iranischen Tageszeitung „Javan“. Im Irak stationierte Soldaten der Vereinigten Staaten hätten „nichts getan“, um sich dem Vormarsch der Dschihadisten entgegenzustellen. Die einzigen Kräfte, die die Terrormiliz wirksam bekämpfen könnten, seien Iran und seine Verbündeten, sagte Soleimani.

          Damit reagierte er auf Äußerungen des amerikanischen Verteidigungsministers Ashton Carter, der irakische Regierungseinheiten für den Fall der Hauptstadt der größten Provinz des Landes, Anbar, verantwortlich gemacht hatte. Ihnen habe es „am Willen zu kämpfen“ gefehlt, sagte Carter am Wochenende, wenige Tage nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama die Einnahme Ramadis durch den IS lediglich als „taktischen Rückschlag“ bezeichnet hatte. Der irakische Ministerpräsident, Haider al Abadi, äußerte sich am Montag „überrascht“ über die Aussagen Carters. „Ich bin mir sicher, dass ihm die falschen Informationen vorgelegt wurden.“

          „Komplizen der Verschwörung“

          Amerika ist seit dem Rückzug seiner Soldaten aus dem Irak Ende 2011 gegenüber Iran strategisch ins Hintertreffen geraten. Obama hat seit der Eroberung der nordirakischen Provinzhauptstadt Mossul durch den IS vor einem Jahr Hunderte Militärberater nach Bagdad entsandt, um die Regierung Abadis beim Kampf gegen den IS zu unterstützen. Doch anders als Iran, das mit Offizieren der Revolutionsgarden direkt in die Kämpfe am Boden involviert ist, hat sich Amerika bislang nur mit Luftangriffen an dem Krieg gegen den IS beteiligt. Der republikanische Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, John McCain, hatte Obama vergangene Woche für den Fall Ramadis verantwortlich gemacht. Es sei eine „Schande“, dass die Regierung nun die Folgen des IS-Vormarschs kleinrede.

          Soleimani, der als wichtigster militärischer Verbindungsmann Teherans zur Regierung in Bagdad gilt, kritisierte die Äußerungen Obamas und Carters: „Was soll es anderes bedeuten, als dass sie Komplizen der Verschwörung sind?“ Die Auffassung, dass Amerika und sein wichtigster sunnitischer Verbündeter in der Region, Saudi-Arabien, den „Islamischen Staat“ aufgebaut haben, um das schiitische Iran zu schwächen, ist auch in der arabischen Welt bis hoch in Regierungskreise weit verbreitet.

          Ramadi ist bereits die dritte irakische Provinzhauptstadt, die die Einheiten von IS-Führer Abu Bakr al Bagdadi seit vergangenem Sommer einnehmen konnten. Die Rückeroberung Tikrits nördlich von Bagdad im März gelang nur durch eine Allianz irakischer Schiitenmilizen, die vom iranischen Al-Quds-Kommandeur Soleimani angeführt wurden. Auch bei der Gegenoffensive zur Wiedereinnahme Ramadis, die am Wochenende begann, spielen von Iran ausgebildete und finanzierte schiitische Paramilitärs eine Schlüsselrolle.

          „Die Menschheit selbst ist bedroht“

          In Syrien wiederum kämpft die libanesische Schiitenmiliz Hizbullah, die 1982 von den iranischen Revolutionsgarden gegründet wurde, in vielen Landesteilen gegen sunnitische Milizen wie den IS, aber auch gegen den örtlichen Ableger Al Qaidas, die Nusra-Front. Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah forderte am Wochenende verstärkte internationale Anstrengungen, um das syrische Regime von Präsident Baschar al Assad in seinem Kampf gegen den IS zu unterstützen. „Heute stehen wir einer Gefahr gegenüber, die in der Geschichte beispiellos ist, die die Menschheit selbst bedroht“, sagte Nasrallah, dessen Einheiten seit drei Jahren auf Seiten Assads an der Niederschlagung eines mehrheitlich von sunnitischen Kämpfern getragenen Aufstandes gegen das Regime in Damaskus beteiligt sind. Vergangene Woche nahmen IS-Kämpfer die antike Wüstenstadt Palmyra in Syrien und einen strategisch wichtigen Grenzübergang zum Irak ein. Damit erweiterten sie ihre Kontrolle auf mehr als fünfzig Prozent des syrischen Territoriums.

          Unterdessen sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu, dass die amerikanische Regierung „grundsätzlich“ zugestimmt habe, syrische Oppositionsmilizen in ihrem Kampf gegen das Assad-Regime mit Luftschlägen zu unterstützen. Bislang hat die amerikanische Luftwaffe lediglich Angriffe gegen IS-Stellungen vorgenommen. Nicht nur der IS, auch das Regime in Damaskus müsse „gestoppt“ werden, sagte Cavusoglu am Montag in Seoul.

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