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Palästinenser in Jerusalem ermordet : Rache für tote Teenager?

Spurensicherung nahe des mutmaßlichen Tatorts in einem Waldstück in Jerusalem, nachdem dort die Leiche eines Jugendlichen entdeckt wurde Bild: AP

Nach antiarabischen Protesten ist in Jerusalem die Leiche eines siebzehnjährigen Palästinensers gefunden worden. Die Polizei untersucht, ob rechtsextreme Israelis für die Tat verantwortlich sind.

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          Israelische Polizisten haben am Mittwochmorgen die Leiche eines jungen Palästinensers gefunden, der offenbar ermordet worden ist. Zuvor war der Polizei berichtet worden, dass im Ostjerusalemer Stadtteil Beit Hanina ein junger Mann in ein Auto gezerrt worden sei. Auch die Familie hatte den später aufgefundenen Siebzehnjährigen als vermisst gemeldet. Die Polizei untersuche derzeit, ob der gewaltsame Tod einen kriminellen oder einen „nationalistischen“ Hintergrund habe, sagte ein Polizeisprecher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Nationalistische“ Motive würden bedeuten, dass rechtsextreme Israelis für die Tat verantwortlich sein könnten.

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          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Seit am Montag die Leichen der drei im Westjordanland entführten jüdischen Religionsstudenten gefunden worden waren, ist in Israel die Sorge vor Vergeltungsakten extremistischer Israelis gewachsen. Die Eltern des ermordeten Mannes bestritten laut israelischen Presseberichten, dass es sich um Familienstreitigkeiten oder eine Art „Ehrenmord“ handelte. Am Mittwochmorgen versammelten sich Hunderte vor dem Haus der Familie. Einige bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Polizei riegelte die Zufahrt in den Stadtteil ab und stoppte die Straßenbahn. Der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barakat verurteilte den Mord als „barbarisch“ und rief die Bevölkerung zur Zurückhaltung auf. Die Polizei sei in der Lage, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte er am Morgen.

          Schon am Dienstagabend war es in Jerusalem zu antiarabischen Ausschreitungen gekommen. Während die drei ermordeten Israelis in Modiin beigesetzt wurden, zogen mehrere hundert rechtsextremistische israelische Jugendliche durch die Stadt und riefen anti-arabische Slogans wie „Tod den Arabern“ und „Wir wollen Rache“. Nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ wurde die unangemeldete Demonstration von den beiden früheren Parlamentsabgeordneten Michael Ben Ari and Itamar Ben Gvir organisiert; unter den Teilnehmern sollen auch Mitglieder der „Hügeljugend“ aus den Siedlungen im Westjordanland gewesen sein. Zunächst blockierten sie eine der Hauptstraßen, dann machten sich einige gezielt auf die Suche nach Arabern. Fünf wurden angriffen, zwei mussten ärztlich versorgt werden. Die Polizei griff ein und nahm nach eigenen Angaben im Lauf des Abends 47 Personen fest.

          Die palästinensische Nachrichtenagentur Safa meldete indes unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass der junge Palästinenser auf dem Weg zum Morgengebet vor einer Moschee von „drei Siedlern“ verschleppt und später verbrannt worden sei.

          Laut Safa kam es zu Ausschreitungen, als in Beit Hanina und im benachbarten Viertel Schuafat die Todesnachricht bekannt wurde. Die Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Jugendlichen und der Polizei dauerten längere Zeit an. Die Polizei habe die Zufahrt in die Stadtviertel abgeriegelt und den Betrieb der Straßenbahn eingestellt, berichtete die israelische Presse.

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