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Palästina-Reportage : Gaza kocht

1500 Palästinenser aus Syrien

Ihr Dessert holen sich in letzter Zeit immer mehr Menschen unten am Meer. An der Strandpromenade, die der Emir von Qatar wiederherrichten ließ, sind durch die Schaufenster von „Nabulsi“ Sandstrand und Brandung zu sehen. Der Name der Konditorei verrät, was drinnen auf den großen Blechen auf die Kunden wartet. In der Stadt Nablus im Westjordanland gibt es angeblich das beste Knafe. Das ist eine Süßigkeit aus Ziegenkäse unter einer safranroten Grießkruste, die mit warmem Zuckersirup serviert wird. Gegen Abend stehen die Kunden Schlange, und Nadir abu Turki und Hamuda Salah müssen mithelfen. Die beiden Männer leben erst seit eineinhalb Jahren in Gaza. Eigentlich kommen sie aus Nablus und Hebron. Doch dorthin dürfen sie nicht zurück.

Arabische Köstlichkeiten zum Dessert

Die beiden Palästinenser wurden von Israel nach Gaza verbannt, nachdem sie 2011 im Gefangenenaustausch mit dem israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren. „Wir haben Erfahrung. Jahrelang haben wir im Gefängnis Knafe gemacht“, sagt Nadir abu Turki, der seinen schwarzen Bart ganz kurz geschnitten hat. Er hat 13 Jahre in israelischer Haft zugebracht, sein Geschäftspartner 12 Jahre - laut offiziellen israelischen Angaben unter anderem wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in der Hamas-Organisation. Das stört ihre Kunden aber nicht. „Früher ließen sich die Flüchtlinge aus dem Westjordanland das Knafe nach Gaza mitbringen. Jetzt bekommen sie es bei uns“, sagt Nadir abu Turki. In Gaza, wo die einheimische Variante des Gebäcks noch süßer ist und mit Käse aus Kuhmilch hergestellt wird, können sie oft die Nachfrage kaum befriedigen. Die beiden früheren Häftlinge haben 20 Angestellte. Bald soll eine zweite Filiale folgen.

Zu den jüngsten Neuzugängen Gazas gehören mehr als 1500 Palästinenser, die bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges in Flüchtlingslagern in Syrien lebten. Fünf von ihnen haben Arbeit in der Bäckerei „Dimaschqi“ an der Nasser-Straße gefunden. Der Name lässt sich mit „der Typ aus Damaskus“ übersetzen. In der syrischen Hauptstadt ist auch Muhannad Hamuda aufgewachsen. Von dort hat er die Rezepte für die dreizehn Varianten des Gebäcks mit Käse oder Fleisch mitgebracht, die er mit einer langen Stange in den Holzofen schiebt. Um seine Stirn hat er ein Tuch gebunden, das orange ist wie die Plastikstühle in dem Lokal. „Die syrische Küche ist nicht so scharf wie die in Gaza, aber noch viel raffinierter“, sagt der Bäcker. Den Menschen in der Nasser-Straße scheint es zu schmecken. Sie diskutieren darüber, was der Umsturz in Ägypten für Gaza bedeutet, und warten geduldig, bis Muhannad Hamuda die fertigen Teigtaschen aus dem Ofen holt.

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