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Palästina-Reportage : Gaza kocht

Im April mussten die Bauern tonnenweise frische Minze und Basilikum verbrennen, weil die israelische Armee den einzigen Grenzübergang für Waren geschlossen hatte

Der Markt wird dort oft mit Obst und Gemüse überschwemmt, wenn es in Israel zu viel davon gibt und die Hersteller verhindern wollen, dass die Preise sinken. Gegen diese Importe haben die einheimischen Bauern keine Chance. Im Unterschied zu den israelischen Konkurrenten dürfen sie zudem ihre Erdbeeren und Gewürze seit Jahren nicht exportieren - bis auf wenige Ausnahmen. Im April stiegen trotzdem duftende Wolken über Gaza auf. Die Bauern mussten tonnenweise frische Minze und Basilikum verbrennen. Sie sollten gerade nach Europa geschickt werden. Aber die israelische Armee schloss für mehrere Tage den einzigen Grenzübergang für Waren, nachdem Terroristen aus Gaza mehrere Raketen abgefeuert hatten. Die Ware war verderblich und am Ende für den Export unbrauchbar.

Durch die Schmugglertunnel

Mit ihrer Ernte halten die Bauern aus Gaza schon lange nicht mehr mit der schnell wachsenden Bevölkerung Schritt. Mehr als ein Drittel Felder und Plantagen liegen unmittelbar an der israelischen Grenze. In der fruchtbarsten Gegend Gazas hat die israelische Armee einen 300 Meter breiten Streifen zur „Sicherheitszone“ erklärt: Wer ihn betritt, muss damit rechnen, dass die Soldaten auf ihn schießen. Trotz der Lockerung der Blockade hat die Armee ein Wort darüber mitzureden, was in Gaza in den Kochtopf kommt.

Das gilt auch für die Fischgerichte im Kochbuch wie „Sardinen in scharfer Tomatensoße“ und „Garnelen im Tontopf“. „Früher war Gaza berühmt für seinen Fisch. Die Fischer verkauften ihren Fang nach Israel“, erinnert sich Laila el Haddad. Seit dem Beginn der Blockade bleiben ihre Netze oft leer. Die Abriegelung umfasst auch die Küste. Bis vor kurzem ließ das israelische Militär die Fischer nur drei nautische Meilen weit ins Meer hinausfahren; jetzt sind es sechs. Aber die ergiebigen Fanggründe beginnen erst nach neun Meilen. „Mein Geschäft ist seit dem Beginn der Blockade um achtzig Prozent zurückgegangen“, sagt Monir abu Hassira. Sein Fischladen, zu dem auch ein Restaurant gehört, liegt nicht weit vom Strand entfernt. Abends kommen die Leute zum Essen vorbei, mittags lassen sie sich die Meeresfrüchte nach Hause liefern.

In der Küche im Keller brodelt auf dem Herd eine seiner berühmten Fischsuppen. Das Geheimnis ist der Ingwer, den sein Koch Nabil am Schluss hinzufügt. Zuvor hat er kleingehackte Zwiebeln zwei Stunden lang im Fischsud kochen lassen, bis von ihnen nichts mehr übrig blieb. Der Koch, der früher selbst Fischer war, hat sein Handwerk in Jaffa in Israel in einem französischen Restaurant gelernt. Aus Israel kommen auch die Fische, die in Abu Hassiras Fischgeschäft besonders gefragt sind: Denis, eine Goldbrasse, von der er jeden Monat zwei Tonnen im Kühllastwagen aus Israel importiert. Mittlerweile gibt es auch billigeren Denis-Fisch aus Ägypten - er kommt durch die Schmugglertunnel nach Gaza.

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