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Palästina-Reportage : Gaza kocht

Noch keine neue Knappheit

Bis heute würde ohne Mehl, Zucker und Speiseöl, die die Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen in den Lagern verteilen, die Versorgung zusammenbrechen. In Gaza hatte der Nahost-Konflikt zur Folge, dass selbst das Essen zu einer politischen Angelegenheit wurde. Als die islamistische Hamas im Jahr 2006 den israelischen Soldaten Gilad Schalit nach Gaza verschleppte und später die Macht an sich riss, ließ die israelische Armee nur noch das Allernötigste in den abgeriegelten Gazastreifen. Man wolle den Palästinensern „eine Diät verordnen, ohne dass sie an Hunger sterben“, erläuterte damals ein Berater des damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Die Armee legte fest, dass 2279 Kalorien pro Person und Tag reichen müssen. Israel hat die Blockade mittlerweile wieder gelockert, die dazu beitragen sollte, die regierende Hamas unpopulär zu machen und von der Regierung zu vertreiben.

Die Auslagen in den Läden und an den Marktständen sind seitdem wieder voll. Dazu trugen auch die Lieferungen durch die Schmuggeltunnel bei, von denen die ägyptische Armee immer mal wieder welche zerstört. Trotz des Militärcoups im Nachbarland gibt es in Gaza noch keine neue Knappheit. Doch immer mehr Menschen können sich nicht leisten, was es zu kaufen gibt. Die Preise für Nahrungsmittel sind fast so hoch wie in Israel, aber die Einwohner Gazas verdienen nur ein Bruchteil von dem, was ein Israeli im Monat erhält - wenn sie überhaupt ein Einkommen haben. Mehr als ein Drittel aller Einwohner hat keine Arbeit. Zwischen 2011 und 2012 nahm die „Ernährungsunsicherheit“ in Gaza von 44 auf 57 Prozent zu. Mit diesem Fachbegriff beschreiben UN-Fachleute den Alltag in Familien, in denen es nicht genug zu essen für alle gibt. „Niemand verhungert, aber es kommt vor, dass die Leute hungrig zu Bett gehen und die Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen“, sagt ein UN-Mitarbeiter.

Ohne Mehl, Zucker und Speiseöl von den Vereinten Nationen würde die Versorgung zusammenbrechen

An diesem Morgen kochen Um Aiman und Um Issam nicht zu Hause für ihre Familien, sondern in der Küche der „Oliven-Wurzeln“, einer Selbsthilfeorganisation für Frauen im Zeitun-Viertel. Sie gehören zu den zwölf Frauen, die dort Essen auf Bestellung zubereiten. Sie erhalten Aufträge für Hochzeiten, Empfänge und für das festliche Fastenbrechen während des Ramadans; der Fastenmonat hat am Mittwoch begonnen. Die Frauen verdienen sich etwas Geld dazu und verteilen die Reste an Bedürftige. Bei ihnen gibt es alles, was die Küche Gazas zu bieten hat: gefüllte Weinblätter, rote Sesampaste oder Sumaghija, den Eintopf mit dem leicht säuerlich schmeckenden Sumak.

Das erste englische Kochbuch aus Gaza

Dschamila Dalal geht es um noch mehr. „Die Leute in Gaza essen immer mehr Fastfood. Aber gutes Essen braucht seine Zeit. Ich will etwas tun, damit unsere Tradition nicht verlorengeht“, sagt die ganz in Schwarz gekleidete Gründerin der Frauen-Kooperative, die davon träumt, ein Restaurant zu eröffnen. Sie ist schon zufrieden, wenn wohlhabende Familien sich an ihre Küche wenden, statt in ein Restaurant zu gehen. „Sie bestellen bei uns, weil sie wieder einmal so essen wollen, wie sie es von ihren Müttern und Großmüttern kennen, aber es selbst nicht mehr kochen können“, sagt Dschamila Dalal.

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