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Pakistan : Einig nur in der Empörung

Kindersolidarität: Kundgebung für Malala Yousafzai in Karachi Bild: AFP

Das Attentat auf die 14-jährige Malala Yousafzai eint Pakistan in seiner Empörung über islamistische Gewalt. Die Taliban hatten versucht, das Mädchen für ihr „Eintreten für den Säkularismus“ zu töten.

          Selten herrschte in Pakistan mehr Einmütigkeit bei der Verurteilung islamistischer Gewalt: Seit Tagen empören sich die Menschen über das Attentat auf die 14 Jahre alte Malala Yousafzai. Auf den Straßen und in Internetforen, in den großen Zeitungen und auf der politischen Bühne ventilieren sich Wut, Befremden und Sorgen über den Zustand des Landes. Armeechef Ashfaq Kayani und Innenminister Rehman Malik besuchten das bewusstlose Mädchen, das am Dienstag niedergeschossen wurde, im Krankenhaus und versicherten, Pakistan werde sich dem Terror nicht beugen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Spätestens seit sich der amerikanische Präsident Barack Obama und UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon persönlich berührt gezeigt und das Verbrechen schärfstens verurteilt haben, ist der Fall Malala zu einer Staatsaffäre geworden. Innenminister Malik gab bekannt, dass die Gruppe der Täter „identifiziert“ worden sei und zur Rechenschaft gezogen werde. Am Mittwoch hatte die Regierung der Nordwestgrenzprovinz ein Kopfgeld von mehr als 80.000 Euro ausgesetzt. Die „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP) hatten sich nicht nur zu dem Mordanschlag bekannt, sondern dem Mädchen mit einem weiteren Angriff gedroht, sollte sie ihre Kopfverletzung überleben. Ein behandelnder Arzt gab ihre Überlebenschancen am Donnerstag mit siebzig Prozent an.

          Die junge Aktivistin Malala wird als „Wunderkind“ bezeichnet

          Sie wurde in ein Krankenhaus in die Garnisonsstadt Rawalpindi verlegt. Dort sollen die Ärzte in Verbindung zu Spezialisten in den Vereinigten Staaten und Großbritannien stehen, die bei Bedarf eingeflogen würden, hieß es. Malala Yousafzai, die mit ihrer Familie im Swat-Tal lebt, war vor vier Jahren bekannt geworden, als sie im Internet ein Tagebuch über die Zeit unter den pakistanischen Taliban veröffentlichte. Nach dem Einmarsch der Armee im Swat engagierte sie sich gegen religiösen Extremismus und wurde von Kinderorganisationen, aber auch vom pakistanischen Staat für ihre Arbeit ausgezeichnet. In der pakistanischen Presse wird die junge Aktivistin manchmal als „Wunderkind“ bezeichnet. Die TTP, die inzwischen wieder im Swat-Tal aktiv ist, begründete ihre Todesdrohungen mit Malalas „Eintreten für den Säkularismus“.

          In einer Debatte des pakistanischen Oberhauses verurteilten die Senatoren der großen Parteien das Attentat einhellig, stritten sich jedoch über die Rolle des Islam in der Politik und das Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen die Extremisten. Vertreter der regierenden PPP führten die extremistische Gewalt auf mangelnde Entschlossenheit der Sicherheitskräfte bei der Bekämpfung der Islamisten zurück. Senatoren der Awami National Party forderten, zur Trennung von Staat und Religion zurückzukehren.

          Die kleinen religiösen Parteien, aber auch die oppositionelle Muslimliga wiesen dies empört zurück. Senator Mushahidullah Khan von der Muslimliga sagte, der „Krieg gegen den Terror“ sei Pakistan von den Vereinigten Staaten aufgenötigt worden und nicht im Interesse des Landes. Der unabhängige Senator Saled Shah bedauerte, dass alle den Fall Malala Yousafzais beklagten, aber nicht die zivilen Todesopfer der amerikanischen Drohnenangriffe in den Stammesgebieten.

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