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Ostern in Jerusalem : Passierschein für den Gottesdienst

Flagge und Palmwedel: Traditioneller Umzug durch die Altstadt von Jerusalem am Palmsonntag. Bild: UPI/laif

Für Palästinensische Christen ist es schwierig, zu Ostern nach Jerusalem zu gelangen, um Gottesdienst zu feiern. Oft wissen sie bis zur letzten Minute nicht, ob sie an der Via Dolorosa und in der Grabeskirche werden beten dürfen.

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          Die Stadt ist dem Ansturm kaum gewachsen. Zu Ostern, das in diesem Jahr mit dem Pessach-Fest zusammenfällt, ist Jerusalem voll von ausländischen Pilgern und einheimischen Besuchern. Nur für die Menschen aus dem nahen Westjordanland liegt die Stadt in weiter Ferne: Palästinensische Christen dürfen nur mit einer Genehmigung der israelischen Armee hinein. Oft wissen die gut 40.000 Christen aus dem Westjordanland und aus Gaza bis zur letzten Minute nicht, ob sie an der Via Dolorosa und in der Grabeskirche werden beten dürfen.

          Viele Familien verzichten auf den Besuch der Stadt

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Für Ausländer ist das relativ einfach. So zogen am Palmsonntag Hunderte Koreaner und Philippiner mit Palmwedeln in Jerusalem ein. Dagegen schlossen sich nur wenige palästinensische Christen unter den Fahnen ihrer Heimatorte der Prozession an. „In diesem Jahr erhielt oft nur ein Teil der Familienmitglieder eine israelische Genehmigung für Jerusalem. Die anderen mussten zuhause bleiben“, berichtet Jusuf Daher vom christlichen Dachverband „Jerusalem Inter Church Center“. Viele Familien verzichteten deshalb auf einen Besuch der Stadt. Und während die Israelis allen Anträgen der christlichen Gemeinde in Nablus stattgegeben hätten, habe es für Dschenin keinen einzigen Passierschein gegeben, sagt Jusuf Daher - die Verteilung ist für ihn nicht nachvollziehbar.

          Die Zivilverwaltung der israelischen Armee weist palästinensische Vorwürfe zurück: Zu Ostern stünden rund 20.000 Genehmigungen bereit. Dieses Kontingent hätten die Christen noch gar nicht ganz ausgeschöpft. Nur ein Prozent der Antragssteller sei „aus Sicherheitsgründen“ abgewiesen worden, sagt eine Armeesprecherin dieser Zeitung. Die 20.000 Genehmigungen zu Ostern bedeuteten, dass nur jeder zweite der mindestens 40.000 palästinensischen Christen aus den besetzten Gebieten nach Jerusalem kommen dürfe, sagt dagegen Daher. Er bestreitet, dass dieses Jahr so viele Passierscheine ausgegeben wurden, wie die Armee es angibt. „Oft gehen sie in der israelischen Verwaltung verloren, in einigen Fällen wurden sie für Verstorbene ausgestellt“, sagt er.

          Auch Muslime brauchen einen Passierschein

          In Bethlehems Nachbarort Beit Jala herrschte noch kurz vor Ostern Ungewissheit. Dort hatte man 1400 Genehmigungen beantragt, aber erst 400 erhalten. „Letztes Jahr gab es deutlich mehr. Aber Zahlen sind nicht entscheidend: Wir fordern als Christen ungehinderten Zugang“, verlangt der katholische Gemeindepfarrer Ibrahim Schomali. Schon die Anträge bedeuten für die Gemeinden jedes Jahr viel Arbeit. „Manchmal brauchen wir die Hälfte unserer Zeit dafür. Ich bin doch kein Büroangestellter“, sagt Munib Younan, der evangelisch-lutherische Bischof für Jordanien und das Heilige Land und Vorsitzender des Lutherischen Weltbundes. Ihm geht es aber weniger um das Verfahren: „Wir lehnen die Idee ab, dass Christen und Muslime sich genehmigen lassen müssen, wenn sie in Jerusalem beten wollen.“ Auch Muslime aus dem Westjordanland brauchen einen Passierschein, wenn sie die Al-Aqsa-Moschee aufsuchen wollen. Europäische und amerikanische Diplomaten kritisieren seit Jahren die israelische Praxis, die Juden und ausländische Christen bevorzuge und Palästinenser benachteilige.

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