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Orthodoxe Juden in Jerusalem : Angriff auf Frauen an der Klagemauer

Keine Störung der Betenden: ultraorthodoxe Gläubige werden von der Polizei aufgehalten Bild: dpa

Eine Gruppe Frauen fordert Gleichberechtigung an der Klagemauer, jeden Monat kommen sie zum Gebet. Den orthodoxen Gläubigen ist das nicht recht – sie beschimpften die Frauen und griffen sie mit Steinen und Wasserflaschen an.

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          An der Jerusalemer Klagemauer haben am Freitag mehrere tausend ultraorthodoxe Juden eine Gruppe betender Frauen beschimpft und tätlich angegriffen. Die Polizei musste eingreifen, als sie die etwa 30 Mitglieder der Gruppe „Frauen an der Klagemauer“, mit Steinen, Plastikstühlen und Wasserflaschen bewarfen und sie als „Nazis“ beschimpften. Zwei Polizisten wurden verletzt, drei Demonstranten festgenommen. Führende ultraorthodoxe Rabbiner hatten dazu aufgerufen, eine Gruppe Frauen zu stoppen, die sich für Gleichberechtigung an der Klagemauer einsetzt. Wie zu Beginn eines jeden neuen jüdischen Monats waren sie am Morgen gekommen, um dort zu beten, wie es auch die Männer tun. Das Jerusalemer Bezirksgericht hatte zuvor geurteilt, dass Frauen genauso das Recht haben, an dem für sie vorgesehenen Teil der Klagemauer mit Gebetsschals und -riemen laut zu beten, wie es auch die Männer tun.

          Gläubige vergeblich zu Einheit aufgerufen

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vor einem Monat hatte die Polizei an der Klagemauer fünf Frauen deshalb wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ für wenige Stunden festgenommen und ihre Verbannung von dem Ort gefordert. Dieses Mal schützte die Polizei die Mitglieder der Frauengruppe, die von mehreren Parlamentsabgeordneten begleitet wurden. Schmuel Rabinowitz, der für die Klagemauer zuständige orthodoxe Rabbiner, rief vergeblich zu „Einheit“ unter den Gläubigen auf. Im israelischen Rundfunk zeigte er sich aber nicht dazu bereit, den „Status quo“ an dem den Juden heiligen Ort zu ändern.

          Lautstarker Protest: ein ultra-orthodoxer Gläubiger versucht das Gebet der Frauen zu stören. Bilderstrecke

          Vertreter des konservativen und des Reformjudentums wollen die israelische Generalstaatsanwaltschaft auffordern zu überprüfen, welche Rolle strenggläubige Rabbiner, die aus Steuergeldern bezahlt werden, bei der Organisation der Proteste spielten. Die israelische Regierung bemüht sich seit Monaten, den innerjüdischen Konflikt zu entschärfen. Dafür hat der Vorsitzende der halbstaatlichen Einwandererorganisation „Jewish Agency“, Nathan Scharanski, bereits einen Kompromissvorschlag vorgelegt: In dem archäologischen Park, der sich weiter südlich an den bisherigen Frauenteil anschließt, soll demnach Platz für die nichtorthodoxen Frauen und Männer geschaffen werden, die dort gemeinsam gemäß ihren Traditionen beten wollen. Doch zu diesem Plan gehören auch größere Umbauten, die sich auch wegen möglicher Widerstände der Muslime, als schwierig erweisen könnten.

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