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Opposition in Syrien : Gefangen im Zweifrontenkrieg

  • -Aktualisiert am

Mit einfachsten Mitteln: Kämpfer der Freien Syrischen Armee in Aleppo schützen sich mit einem Tuch vor Heckenschützen Bild: REUTERS

Die Abspaltung islamistischer Rebellen von der Freien Syrischen Armee schwächt die säkularen Kräfte in der Opposition. Ihre Chance auf westliche Hilfe sinkt weiter.

          Es wird immer einsamer um den Generalstabschef der Freien Syrischen Armee (FSA), Salim Idriss. Mehrere schlagkräftige Milizen, die bislang seinem Hohen Militärrat in Istanbul unterstellt waren, haben angekündigt, sich einer Allianz islamistischer Verbände anzuschließen. Damit wird die Kampfkraft der ohnehin zersplitterten Rebellenarmee erheblich geschwächt. Die Botschaft der stärksten Kräfte in den Reihen der Gegner von Präsident Baschar al Assad ist eindeutig: In einem „islamistischen Rahmen“ werde man künftig in Syrien für die Einführung der Scharia-Gesetzgebung kämpfen, teilte das von der Al-Nusra-Front, den Tawhid-Brigaden und Ahrar Al Scham geführte Bündnis aus 13 Milizen am Dienstagabend mit. Die Exilopposition sei kein Ansprechpartner mehr für sie; ihr fehle es an Legitimität.

          Für Idriss und den Präsidenten der Nationalen Koalition, Ahmad Dscharba, kommt die Entscheidung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. „Es zeichnet ein Bild der Zerstrittenheit, obwohl die Opposition gerade dabei ist, internationale Unterstützung zu erlangen“, sagte Anas al Abdah vom politischen Komitee der Koalition dieser Zeitung. Zum ersten Mal seit Beginn des Konflikts vor zweieinhalb Jahren scheint eine UN-Resolution denkbar, die den Druck auf Assad erhöhen könnte. Eine von Dscharba geleitete Delegation führt in New York zudem Gespräche auf höchster Ebene, um die Einberufung einer Friedenskonferenz zu erreichen. Es brauche „amerikanische Führung“, sagte Dscharba nach einem Treffen mit Außenminister John Kerry, „um diesen Krieg zu beenden“.

          Doch nach der Abspaltung eines guten Dutzend Milizen von der FSA dürfte die Bereitschaft der Vereinigten Staaten weiter sinken, mehr Waffen nach Syrien zu liefern. Schon bislang galt die Dominanz islamistischer Verbände als Hindernis für ein stärkeres amerikanisches Engagement in dem Krieg mit seinen mehr als tausend paramilitärischen Gruppen.

          Ein Krieg im Krieg zwischen den Dschihadisten

          Idriss und seine Kämpfer sehen sich derweil einem Zweifrontenkrieg ausgesetzt und müssen sowohl Angriffe des Regimes als auch der extremistischen Gruppen abwehren. Kerrys Versicherung an Dscharba, nach dem Giftgaseinsatz im August könne es keine Zukunft mit Assad geben, ist da kaum ein Trost.

          Die Entscheidung der amerikanischen Regierung, zunächst auf eine Vernichtung der Chemiewaffen zu setzen und Machthaber Assad vorerst nicht für den Giftgasangriff in der Ghouta militärisch zu bestrafen, gilt als Grund für den Kurswechsel der Aufständischen. Aber auch „regionale Kräfte“ könnten hinter den Kulissen ihren Einfluss auf die abtrünnigen Milizenführer ausgeübt haben, sagt Abdah. Dies sei „Teil einer Kampagne“, die darauf abziele, die säkularen Kräfte innerhalb der Opposition zu schwächen. Am Dienstag hatten sechs von Kuweit finanzierte islamistische Milizen dem Golfstaat öffentlich für seine Unterstützung gedankt. Auch der Einfluss Qatars und Saudi-Arabiens auf die Opposition dürfte wachsen, wenn die FSA weiter vergeblich auf Waffenlieferungen aus dem Westen warten muss.

          Dscharba kündigte am Donnerstag in New York an, unverzüglich nach Syrien zu reisen, um die abtrünnigen Verbände zu einer Rückkehr unter das Dach des Hohen Militärrats zu bewegen. Das zeigt, wie ernst die Abspaltung innerhalb der Koalition genommen wird. Viel Zeit bleiben ihm und Idriss nicht: Schon vor dem Giftgasangriff bei Damaskus war der Unmut über mangelnde Unterstützung aus dem Westen gewachsen. Seitdem haben sich die Fronten weiter verhärtet: In den von Rebellen gehaltenen Gebieten im Norden des Landes ist es zu Kämpfen zwischen FSA-Einheiten und islamistischen Milizen gekommen. Zudem lieferten sich Kämpfer des Islamischen Staat im Irak und Syrien (Isis) Gefechte mit der Al-Nusra-Front – ein Krieg im Krieg zwischen den Dschihadisten.

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