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Obama verurteilt Enthauptung : Amerika will Luftangriffe unnachgiebig fortsetzen

  • Aktualisiert am

Obama kündigte eine Fortsetzung der Luftschläge gegen die Terroristen im Irak an Bild: REUTERS

Das Video mit der Enthauptung eines amerikanischen Reporters durch islamistische Terroristen hat Entsetzen ausgelöst. Der amerikanische Präsident Obama verurteilte die Tat scharf und kündigte an, die Luftangriffe auf die Terrorgruppe fortzusetzen. „Wir werden unnachgiebig sein“, sagte er.

          Ein Propagandavideo der Terrorgruppe „Islamischer Staat“, das die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley zeigt, hat auf der ganzen Welt Bestürzung und Empörung hervorgerufen. Das Weiße Haus bestätigte am Mittwoch die Echtheit des Videos.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat die Enthauptung auf schärfste Weise verurteilt. Der Tod von James Foley „schockiert das Bewusstsein der gesamten Welt“, sagte Obama am Mittwoch an seinem Urlaubsort Martha’s Vineyard in Neuengland. Es habe sich um eine feige Tat gehandelt. Die Islamisten hätten „keine Wertschätzung für menschliches Leben“. „Sie entführen Frauen und Kinder und setzen sie der Folter und Vergewaltigung aus“. Dabei machten sie auch vor Muslimen nicht halt. „Sie sprechen für keine Religion. Kein Glaube lehrt die Menschen,  Unschuldige zu massakrieren.“ Für die Terroristen des Islamischen Staates (IS) gebe es „keinen Platz im 21. Jahrhundert“. Die Vereinigten Staaten würden weiterhin alles tun, um ihre Bürger zu beschützen.

          Der Präsident kündigte eine Fortsetzung der Luftschläge gegen die Terroristen im Irak an. „Wir werden wachsam sein. Wir werden unnachgiebig sein“, erklärte Obama. Der Kampf gegen die Miliz müsse von der internationalen Gemeinschaft getragen werden. „Es muss eine gemeinsame Anstrengung geben, den Krebs zu entfernen, damit er sich nicht ausbreitet.“

          Die Geheimdienste hätten das Video untersucht und seien zu dem Schluss gekommen, dass die Aufnahmen authentisch seien, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Caitlin Hayden. Präsident Barack Obama wurde noch auf dem Rückflug in den Urlaub an Bord der Air Force One über das Video informiert.

          James Foley wurde von islamistischen Terroristen getötet, Archivbild aus dem Jahr 2012

          Die Dschihadisten stellen die Ermordung Foleys als Vergeltung für amerikanische Luftangriffe auf ihre Stellungen im Irak dar, die zuletzt Geländegewinne kurdischer Einheiten ermöglicht hatten. Jeder Versuch, Muslimen ihr Recht auf ein „sicheres Leben im ,Islamischen Staat‘“ abzusprechen, werde im „Blutvergießen deinesgleichen“ enden, sagte ein Dschihadist in dem Video an die Adresse Obamas.

          Nach Angaben von Großbritanniens Regierung wird immer wahrscheinlicher, dass der Täter Brite ist. „Wir haben das verantwortliche Individuum nicht identifiziert, aber nach dem, was
          wir gesehen haben, sieht es zunehmend danach aus, dass es ein britischer Staatsbürger ist“, sagte Premierminister David Cameron am Mittwoch in London. In dem Video spricht der vermummte Täter mit Londoner Akzent. Cameron sprach von einer „barbarischen und brutalen Tat“ und einem „Mord ohne jede Rechtfertigung“. Großbritannien müsse noch mehr tun, um zu verhindern, dass Briten nach Syrien oder in den Irak reisen, um sich Extremisten anzuschließen, sagte Cameron. Er hatte am Mittwoch seinen Urlaub in Cornwall abgebrochen.

          Das Video wurde inmitten einer Wüstenlandschaft aufgenommen. Ein in Schwarz gekleideter, maskierter Mann, der sich als Kämpfer der Dschihadistengruppe zu erkennen gibt, bezeichnet seine auf dem Boden kniende Geisel als amerikanischen Bürger, dessen Regierung den „Islamischen Staat“ an vorderster Front bekämpfe. Der Gefangene ist in einen orangefarbenen Overall gekleidet, der wohl an die Gefangenenkleidung im amerikanischen Lager Guantánamo erinnern soll, wo zahlreiche Dschihadisten einsitzen.

          Henker mit britischem Akzent

          Das Video beginnt mit einer Sequenz, in der Präsident Barack Obama seine Entscheidung für die Luftangriffe im Irak darlegt. Der Ermordete äußerte vor seiner Enthauptung – mutmaßlich unter Zwang – scharfe Kritik an den amerikanischen Luftangriffen und einen Appell an Freunde und Familie, sich dieser Politik entgegenzustellen. Die Extremisten drohten mit der Ermordung einer weiteren amerikanischen Geisel, bei der es sich um den Journalisten Steven Sotloff handeln soll.

          Die Mutter des freiberuflich arbeitenden Fotojournalisten und Videoreporters Foley trauerte in einer Mitteilung auf einer Facebook-Seite, welche die Familie nach seiner Entführung eingerichtet hatte, um ihren Sohn, „der sein Leben gegeben hat, um der Welt das Leid der syrischen Bevölkerung zu zeigen“. Der 40 Jahre alte Foley berichtete unter anderem für die Nachrichtenagentur AFP und das Internet-Nachrichtenportal Global Post. Er war bereits 2011 in Libyen von Kräften des zerfallenden Gaddafi-Regimes verschleppt und für mehrere Wochen festgehalten worden.

          Das Video, das seine Ermordung zeigt, reiht sich in eine Vielzahl von aufwendig produzierten Filmen ein, die Bilder von Greueltaten der Dschihadisten im Stil von Actionfilmen und Musikvideos aufbereiten. Die Gruppe „Islamischer Staat“, welche die Grausamkeit ihrer Kämpfer und die Angst, die sie verbreiten, als strategische Waffe nutzt, betreibt eine professionelle und kostspielige Propagandaarbeit. Als das Foley-Video mit dem Aufruf zur Verbreitung ins Internet gestellt wurde, gab es zugleich Aufrufe, die Bilder nicht zu zeigen, um den Extremisten nicht in die Hände zu spielen und sich ihrer Bildsprache zu bedienen.

          Der selbsternannte Kalif des „Islamischen Staates“, Abu Bakr al Bagdadi, erinnert in seiner Inszenierung an den 2006 getöteten jordanischen Dschihadisten Abu Musab al Zarkawi, dessen Kämpfer im irakischen Bürgerkrieg nach dem Sturz Saddam Husseins wüteten. Auch unter seiner Regie wurden Geiseln vor laufender Kamera enthauptet. Es werden noch Dutzende westliche Geiseln in der Hand radikaler Islamisten in der Levante vermutet. In Syrien haben sich kriminelle Banden auf die Entführung von Ausländern spezialisiert. Washington hat europäische Regierungen für Lösegeldzahlungen an dschihadistische Terrorgruppen kritisiert, denen so eine gute Einkommensquelle eröffnet werde.

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