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Obama in Ramallah : Hochstimmung und eine harte Landung

Ist weiter für eine Zwei-Staaten-Lösung: Obama während seiner Rede im International Convention Centre in Jerusalem Bild: AFP

Bei seiner Nahost-Reise nimmt der amerikanische Präsident Barack Obama nur die Israelis für sich ein. Im Ramallah herrscht dagegen weiter Kühle.

          5 Min.

          Im Dämmerlicht beginnt unter der hohen Kuppel die Geschichtsstunde. Benjamin Netanjahu setzt seine Lesebrille auf und tritt einen Schritt näher an das dicht beschriebene Pergament. Auf Hebräisch liest er dem amerikanischen Präsidenten vor, was am Anfang des Buchs Jesaja über eine ideale Welt geschrieben steht, in der es keine Kriege mehr geben wird. Dem israelischen Ministerpräsidenten liegt der Besuch im Jerusalemer „Schrein des Buches“ besonders am Herzen, er wollte Barack Obama auf dessen erster Israel-Reise genau an diesen Ort bringen. Die in den Höhlen von Qumran am Toten Meer gefundenen Schriftrollen zählen zu den ältesten Bibelmanuskripten auf der Welt. Viele halten sie für das vielleicht wichtigste Kulturerbe des Staates Israel.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Statt der ursprünglich angesetzten zehn Minuten beugen sich die beiden Politiker mehr als eine gute Stunde mit Museumsdirektor James Snyder im Halbdunkel über die vergilbten Pergamentstücke. „Obama war sehr interessiert und will mit seiner Frau und den Töchtern wiederkommen“, sagt Museumsdirektor Snyder. Obama und Netanjahu halten an diesem sonnigen Frühlingsmorgen im „Israel Museum“ keine Reden. Schon die Bilder sind für die israelischen Gastgeber die Botschaft.

          Jeder Schritt ein Symbol

          Jeder Schritt des nur gut 50 Stunden dauernden Aufenthalts Obamas in Israel ist genau überlegt und mit reichlich Symbolik aufgeladen. Der Präsident wird nicht nur die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem aufsuchen, wie es Politiker normalerweise tun, sondern auch die Gräber von Theodor Herzl und Itzhak Rabin. Die halbe Stunde im Qumran-Schrein geht noch weiter darüber hinaus, denn die uralten Schriften stehen aus israelischer Sicht dafür, wie eng die Geschichte des jüdischen Volkes mit der Region verbunden ist, die heute der Staat Israel einnimmt. Die Regierung in Jerusalem wollte schon seit längerer Zeit die Geschichtskenntnisse des amerikanischen Präsidenten etwas in ihrem Sinne auffrischen: In seiner Rede in Kairo im Juni 2009 hatte Obama die Vorgeschichte des modernen Israels praktisch nur auf den Holocaust reduziert. „Die Hoffnung auf ein jüdisches Heimatland hat ihre Wurzeln in einer tragischen Geschichte, die niemand leugnen kann“, sagte er damals, um danach auf das Leiden der heimatlosen Palästinenser einzugehen. Diese Worte hatten viele Israelis enttäuscht und empört, die die Gründung ihres Staates als eine Rückkehr in ihre angestammte Heimat verstehen und international anerkannt sehen wollen.

          Empfang in Ramallah: der amerikanische Präsident Obama und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (links)

          Doch Obama hatte die Nachhilfe im Museum gar nicht mehr nötig. Bei seiner Ankunft auf dem Tel Aviver Flughafen hält er sich nicht lange mit den üblichen Komplimenten auf, sondern überrascht schon wenige Minuten nach der Landung seine Gastgeber. Er sei sich bewusst, dass er nun das „historische Heimatland des jüdischen Volkes“ betrete, das dort schon vor mehr als 3000 Jahr zu Gott betete, sagt der Präsident: Heute erfüllten die „Söhne Abrahams und die Töchter Sara den alten Traum, Herren über ihr eigenes Schicksal und ihren souveränen Staates zu sein“.

          Beide Seiten bemühen sich um Wärme

          Bewegt hören nicht nur Netanjahu und Staatspräsident Schimon Peres Obama zu. Von Obamas unkomplizierter Herzlichkeit scheinen mittlerweile immer mehr Israelis angetan zu sein, die ihm vor seiner Ankunft skeptisch gegenüberstanden. „Präsident Obama kam, um die Herzen der Menschen zu gewinnen und genau das gelang ihm auch“, heißt es etwa in der israelischen Zeitung „Maariv“. Die Schlagzeile der Zeitung „Jediot Ahronot“ lautet am Donnerstag: „Eine herzliche Umarmung“.

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