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Krieg im Jemen : Neue Gefechte machen Aden zur Geisterstadt

  • -Aktualisiert am

Auch Kämpfer der südjemenitischen Separatisten sind in die Kämpfe um Aden verwickelt. Bild: AFP

Die Gefechte um das südjemenitische Aden haben die Stadt so weit entvölkert, dass Beobachter schon von einer Geisterstadt sprechen. Erstmals seit zwei Wochen gab es Hilfsgüter für die restliche Bevölkerung.

          Die Kämpfe um die strategisch wichtige südjemenitische Hafenstadt Aden dauern an. Auch am Montag wurden Gefechte gemeldet. Seit Sonntag seien mehr als fünfzig Menschen bei Gefechten zwischen Einheiten des gestürzten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi und schiitischen Houthi-Rebellen getötet worden, berichteten Einwohner. Die mit Hadis Vorgänger Ali Abdullah Salih verbündeten Houthi-Kämpfer hätten versucht, den Hafenbezirk unter ihre Kontrolle zu bringen. Das sei durch Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Anti-Houthi-Koalition erschwert worden, die am Montag Stellungen am Rande der Stadt bombardierte. Auch Kämpfer von Hadis Miliz versuchten, den Vormarsch der Rebellen zu stoppen.

          Das von Saudi-Arabien geführte Bündnis mehrheitlich sunnitischer arabischer Staaten hatte vor zwölf Tagen mit Luftangriffen begonnen, um eine Wiedereinsetzung des nach Riad geflohenen Hadi zu erzwingen. Das aber lehnt Rebellenführer Abd al Malik al Houthi ab. Der UN-Sicherheitsrat wollte am Montagabend über einen russischen Vorschlag beraten, der eine humanitäre Feuerpause in Aden vorsieht, damit die notleidende Bevölkerung versorgt werden kann. Wenige Stunden zuvor war es einem Konvoi des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zum ersten Mal seit Beginn der Luftangriffe vor knapp zwei Wochen gelungen, die südjemenitische Hafenstadt zu erreichen. „Aden ist eine Geisterstadt“, sagte ein IKRK-Sprecher, „und das Ausmaß der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher.“

          Das IKRK hatte Saudi-Arabien zuvor bezichtigt, die Genehmigung für den Lufttransport dringend benötigter Hilfsgüter für die leidende Zivilbevölkerung über Tage hinweg verhindert zu haben. Technische Schwierigkeiten führten zudem dazu, dass sich die Lieferung von 48 Tonnen medizinischer Güter auf dem Luftweg weiter verzögerte.

          Seit Beginn des Luftkriegs gegen die Houthi-Rebellen, die im vergangenen September die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht hatten, sind mehr als 500 Menschen getötet und Tausende vertrieben worden. Auch in Daleh, 120 Kilometer nördlich von Aden, und in der Provinz Abyan kam es am Sonntag und Montag zu Kämpfen zwischen Houthi-Rebellen und Gefolgsleuten Hadis. Über das Osterwochenende gelang es zudem dem Terrornetz Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), verschiedene Viertel Mukallahs in der Provinz Hadramaut im Osten des Landes einzunehmen. Aus dieser Region stammt der 2011 getötete Al-Qaida-Führer Usama Bin Ladin.

          Um ein Ende der Luftangriffe zu erzwingen, haben die Houthi-Rebellen am Sonntag mehr als 120 Mitglieder der sunnitischen Islah-Partei festgenommen, unter ihnen zwei ihrer Führer. Die Gruppe unterstützt das Vorgehen der Anti-Houthi-Allianz, die Iran vorwirft, im Jemen mit Hilfe der Houthi-Rebellen den international anerkannten Präsidenten Hadi gestürzt zu haben, um seinen Einfluss auf der Arabischen Halbinsel auszubauen. Nach seiner Flucht nach Aden hatte der entmachtete Hadi die Hafenstadt im Süden des Landes zur neuen Hauptstadt ausgerufen.

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