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Nahost-Konflikt : Waffenruhe in Israel hält nur Stunden

Nach einer kurzen Waffenruhe griff Israel wieder Ziele im Gazastreifen an Bild: REUTERS

Die am Morgen von Israel ausgerufene Waffenruhe ist nach dem andauernden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen schnell wieder vorbei. Die internationalen Friedensbemühungen sind vorerst gescheitert.

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          Die von Israel einseitig akzeptierte Waffenruhe in Nahost scheint nicht zu halten. Die Armee habe als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss Israels aus dem Gazastreifen ihre Angriffe auf das Palästinensergebiet wieder aufgenommen, bestätigte ein Armeesprecher in Tel Aviv am Dienstag. Die Angriffe seien wieder aufgenommen worden, nachdem die Hamas und andere bewaffnete Gruppen die seit neun Uhr ausgerufene Waffenruhe nicht beachtet und bis zu 50 Raketen auf Israel abgefeuert hatten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Repräsentanten, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe die Armee daraufhin angewiesen, wieder Ziele im Gazastreifen anzugreifen. Es seien „harte Schläge gegen Terrorziele in Gaza“ genehmigt worden.

          Am Morgen hatte die israelische Regierung mit einem einzigen Satz mitgeteilt, eine von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe zu akzeptieren. Die Waffen in Gaza schwiegen jedoch nicht. Denn die radikal-islamische Hamas hatte die Feuerpause abgelehnt. Der bewaffnete Flügel der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation hatte am Dienstagmorgen mitgeteilt: „Unser Kampf mit dem Feind geht weiter.“ Der ägyptische Vorschlag sah eine Feuerpause von neun Uhr (Ortszeit) an vor.

          Steinmeier wirbt für Frieden

          Hamas und Islamischer Dschihad zeigten bis zum Mittag keine Bereitschaft zum Einlenken. Stattdessen verstärkten sie ihre Raketenangriffe und feuerten auch wieder in Richtung der nordisraelischen Stadt Haifa. Auch in Aschdod ging eine Rakete nieder. Nach Angaben einer Polizeisprecherin war dies das erste Geschoss, das in einem Wohngebiet Israels niederging, nachdem die Feuerpause eintreten sollte. „Nach unseren ersten Erkenntnissen ging die Rakete im Stadtgebiet von Aschdod nieder, verletzte aber niemanden“, sagte Polizeisprecherin Luba Samri. Die Essedine-al-Kassam-Brigaden der Hamas übernahmen die Verantwortung für den Angriff und erklärten, sie hätten insgesamt acht Raketen vom Typ Grad auf Aschdod abgefeuert.

          Außenminister Steinmeier wollte bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu für Frieden werben

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte nach einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittag in Tel Aviv. Sollte die Hamas nicht wie Israel die ägyptische Waffenruhe akzeptieren, habe Israel die „volle internationale Legitimität für eine größere Militäroperation“, sagte Netanjahu. „Wenn Hamas die Vorschläge ablehnt und der Raketenbeschuss nicht endet, sind wir darauf vorbereitet, unsere Angriffe fortzusetzen und zu verstärken“, sagte er weiter. Außenminister Steinmeier forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus Gaza. „Die nächsten Stunden könnten entscheidend sein. Jetzt sind jedenfalls die Tore für eine Waffenruhe geöffnet, und ich hoffe, dass es gelingt, auf diesem Wege weitere Schritte zu gehen“, sagte Steinmeier mit Blick auf die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe.

          Auch der amerikanische Außenminister John Kerry hat die Hamas gedrängt, den Waffenstillstand zu akzeptieren. Der Vorschlag aus Kairo zur Feuerpause in Nahost und anschließenden Verhandlungen sei „eine Möglichkeit, die Gewalt zu beenden“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Washington. Darin begrüßte Kerry die Entscheidung des israelischen Sicherheitskabinetts vom Dienstagmorgen, die Initiative anzunehmen.

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