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Nahost-Konflikt : Video soll Entführung des getöteten Palästinensers zeigen

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Zuerst wurden drei israelische Jugendliche entführt und getötet, dann ein palästinensischer. Dessen Familie veröffentlichte nun ein Video, das die Täter zeigen soll.

          Die Familie des entführten und getöteten 16 Jahre alten Palästinensers hat ein Video vorgeführt, das den Moment der Entführung zeigen soll. Die undeutlichen Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen nach ihren Angaben Muhammad abu Khdeir, der am Straßenrand sitzt. Ein Auto fahre zunächst vorbei, kehre dann zurück und halte neben dem Jugendlichen. Dann sei zu sehen, wie zwei Personen ihn in das Auto zerren, das daraufhin davonfährt. Die Aufnahmen sollen belegen, dass Muhammad abu Khdeir zufällig aufgegriffen wurde, und dass die Tat demnach ein Racheakt von Israelis für die Ermordung dreier israelischer Jugendlicher gewesen sei.

          Die Leiche von Muhammad abu Khdeir war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Israelische Medien hatten berichtet, außer einem Racheakt sei auch ein krimineller Hintergrund nicht auszuschließen.

          Aufrufe zum Ende der Gewalt

          Als Folge des Mordes ist es auch am Donnerstagabend zu Krawallen im Ostteil Jerusalems gekommen. Maskierte Palästinenser griffen Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern an. Diese versuchten, die Demonstrationen aufzulösen. Ein Polizist sei verletzt worden, berichtete der israelische Rundfunk.

          Der scheidende israelische Präsident Schimon Peres rief alle Bürger zu einem Ende der Gewalt und der Hetze auf. „Zwei Dinge sind jetzt notwendig: Das Gesetz zu respektieren und die Zunge zu zügeln“, sagte er. Bei Kundgebungen in Jerusalem demonstrierten rund tausend Menschen gegen Gewalt und Rassismus. „Juden und Araber werden in diesem Land zusammenleben müssen“, sagte Oppositionsführer Izchak Herzog. Extremisten beider Seiten versuchten, das Land in eine Spirale der Gewalt zu ziehen. „Aber die Mehrheit der jüdischen und arabischen Gesellschaft will in Frieden leben.“

          Nach den Morden an drei jüdischen Jugendlichen, die diese jüngste Gewaltspirale in Gang gesetzt hatte, setzte Israel die Suche nach den Tätern fort. 13 Menschen wurden im Westjordanland festgenommen, wie eine Armeesprecherin bestätigte.

          Eine Militäroffensive droht im Gazastreifen, der von der Hamas kontrolliert wird. Israel macht die radikale Palästinenserorganisation für die Tat verantwortlich. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte die Hamas vor einem weiteren Beschuss Südisraels mit Raketen. In einer Rede anlässlich eines Empfangs des amerikanischen Botschafters zum Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten erklärte Netanjahu am Donnerstagabend, falls in der Region nicht wieder Ruhe einkehren werde, würden die an den Rand des Gazastreifens verlegten Bodentruppen energisch handeln. „Die Sicherheit unserer Bürger kommt vor allem anderen“, sagte Netanjahu nach Angaben der Zeitung „Jerusalem Post“.

          Proteste im Süden Israels

          Militärsprecher Lerner betonte mehrfach, Israel sei nicht an einer Offensive im Gazastreifen interessiert. Er rief die Hamas auf, den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte zu unterbinden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wir streben eine Deeskalation der Lage an, aber wir müssen trotzdem für alles bereit sein“, sagte Lerner. Binnen 24 Stunden hätten militante Palästinenser mehr als 30 Raketen auf Israel abgefeuert. Drei davon schlugen in Häusern in der Grenzstadt Sderot ein. Auch Hamas-Kämpfer seien an einigen der Angriffe beteiligt gewesen, sagte Lerner.

          Der militärische Arm der im Gazastreifen herrschenden Hamas drohte Israel mit Angriffen auf „neue Ziele“. Die Hamas-Führung hielt angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt eine Dringlichkeitssitzung mit Vertretern anderer Palästinenserfraktionen ab. Auch das israelische Sicherheitskabinett versammelte sich am Donnerstagabend zu Beratungen über das weitere Vorgehen.

          Twitter-Konto der Armee gekapert

          Für Aufsehen sorgte, dass Unbekannte am Donnerstag kurzzeitig den Twitter-Account der israelischen Streitkräfte übernahmen. Sprecher Lerner räumte den Vorfall ein und entschuldigte sich für inkorrekte Tweets. Nach Angaben der Tageszeitung „Haaretz“ steckte hinter der Hacker-Attacke die sogenannte „Syrian Electronic Army“.

          Über den Account der israelischen Streitkräfte verbreiteten die Aktivisten demnach Mitteilungen wie „Lang lebe Palästina“ und „Warnung: Möglicher Austritt von Radioaktivität nach dem Einschlag zweier Raketen in der Nuklearanlage in Dimona“. Die Tweets wurden dem Bericht zufolge binnen Minuten gelöscht.

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