https://www.faz.net/-gq5-7rqqz

Nahost-Konflikt : Israel startet Bodenoffensive in Gaza

Israelische Soldaten in der Nähe des Gazastreifens Bild: AFP

Die israelische Armee hat den Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen bekanntgegeben. Ziel sei es, gegen die „Terrortunnel aus dem Gazastreifen nach Israel“ vorzugehen, teilte das Büro von Ministerpräsident Netanjahu mit.

          2 Min.

          Die israelische Armee hat am späten Donnerstagabend den Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen bekanntgegeben. Ziel sei es, gegen die „Terrortunnel aus dem Gazastreifen nach Israel“ vorzugehen, teilte das Büro von Ministerpräsident Netanjahu in einer ersten Erklärung mit.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Netanjahu und Verteidigungsminister Mosche Jaalon wiesen die Armee demnach an, den Einsatz von Bodentruppen notfalls auszuweiten. Am Morgen hatte die israelische Armee in letzter Minute einen möglicherweise folgenschweren Anschlag vereitelt, nachdem 13 schwer bewaffnete Hamas-Mitglieder bei Sufa durch einen Tunnel nach Israel gelangt waren. Nach Armeeangaben wollten sie ein nahegelegenes Kibbuz stürmen und möglicherweise israelische Geiseln nehmen. Die meisten Angreifer seien getötet worden, hieß es. In Israel vermutet man, dass es unter dem Grenzzaun noch mehrere weitere solcher bisher unentdeckten Angriffstunnel gibt.

          Bisher 20 Palästinenser getötet

          Bei der Bodenoffensive sind nach palästinensischen Angaben bislang etwa 20 Palästinenser getötet worden. Die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive vor elf Tagen stieg nach Angaben der Rettungsbehörden am Freitag auf 258. Insgesamt seien 1980 Menschen bei israelischen Bombardements verletzt worden. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden zwei Soldaten bei Kämpfen im Gazastreifen verletzt.

          Ein Hamas-Sprecher in Gaza zeigte sich unbeeindruckt von der Ankündigung der Bodenoffensive. Man sei auf diese Militäroperation vorbereitet. Israel werde dafür „einen hohen Preis“ zahlen. Am Abend hatte die israelische Artillerie ihre Angriffe verstärkt. Einwohner berichteten, dass in großen Teilen Gazas der Strom ausgefallen sei. Journalisten, die in Hotels in Strandnähe wohnen, wurden aufgefordert, diese sofort zu verlassen.

          Laut unbestätigten Berichten begann die Marine, den Hafen von Gaza zu bombardieren. Wenige Stunden zuvor hatte die israelische Luftwaffe ein weiteres unbemanntes Flugzeug, das aus Gaza auf den Weg geschickt worden war, abgeschossen. Die Hamas griff zudem den Großraum von Tel Aviv mit mehreren Raketen an. Auf den Golan-Höhen schlugen am Abend abermals aus Syrien abgefeuerte Geschosse ein.

          Washington: Bilder von getöteten Kindern „grauenhaft“

          Insgesamt zehn Tage lang hatten die israelische Luftwaffe und die Marine den Gazastreifen vor dem Einmarsch angegriffen. Am Donnerstag hatte es zeitweise noch so ausgesehen, als gelänge es Ägypten im zweiten Anlauf eine Waffenruhe zu vermitteln. Dabei spielte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas eine wichtige Rolle. Tagsüber wurden zudem fünf Stunden lang eine Waffenruhe in Gaza eingehalten. Die israelische Armee und die Hamas hatten der Bitte der Vereinten Nationen um eine Feuerpause aus humanitären Gründen entsprochen.

          Kurz danach setzten jedoch die Raketenangriffe wieder ein. Die amerikanische Regierung hatte Israel vor dem Beginn der Bodenoffensive aufgefordert, die Anstrengungen zum Schutz von Zivilisten „zu verdoppeln“. Es könne mehr getan werden, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington. Es sei „grauenhaft“, Bilder von getöteten Kindern sehen zu müssen.

          Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman und andere Politiker des rechten Lagers verlangten schon seit längerer Zeit, die Hamas durch eine Bodenoffensive aus Gaza zu vertreiben und notfalls das gesamte Gebiet wieder zu besetzen. In Israel fürchtet man jedoch ein politisches Vakuum, in das noch radikalere Dschihadisten stoßen könnten. Zuletzt war die israelische Armee im Januar 2009 in den Gazastreifen einmarschiert. Die Truppen besetzten damals nur Gebiete im Norden und Süden Gazas und vermieden es, länger in die Stadtzentren vorzudringen.

          Topmeldungen

          CDU-Kandidat Röttgen : Ein Redner ohne eigene Truppen

          Geschätzt als Außenpolitiker, gescheitert als Landeschef – Norbert Röttgens Bewerbung für den CDU-Bundesvorsitz kommt unerwartet. Im Wahlkampf setzt er vor allem auf einen: sich selbst.
          Angehörige der uigurischen Minderheit in China demonstrieren 2009 in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina.

          Internierte Muslime in China : Willkür mit System

          Ein internes chinesisches Regierungsdokument zeigt, dass schon ein falscher Mausklick ausreicht, um in Xinjiang im Umerziehungslager zu landen. Auch wer zu viele Kinder hat, macht sich verdächtig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.