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Nahost : Gewalt in Israel schürt Angst vor Eskalation

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Nach dem Tode eines arabischen Israeli, der von Polizisten erschossen wurde, kam es in Kfar Kana bei Nazareth zu Ausschreitungen Bild: AFP

Krisenstimmung in Israel und den Palästinensergebieten: Wie vor dem Gaza-Krieg im Sommer drohen einzelne Todesfälle und Anschläge eine Gewaltspirale in Gang zu setzen. Sie überschatten den zehnten Todestag Jassir Arafats.

          Nach Unruhen und Anschlägen mit Toten auf beiden Seiten wächst im Nahen Osten die Sorge vor einem neuen Palästinenseraufstand oder einem israelischen Militäreinsatz. Am zehnten Todestag von Palästinenserpräsident Jassir Arafat häufen sich beunruhigende Meldungen. Zugleich begannen die Vereinten Nationen mit einer Untersuchung der israelischen Luftangriffe auf den Gaza-Streifen im Sommer.

          Palästinensische Angreifer hatten am Montag bei zwei Messerangriffen zwei Israelis getötet. In Tel Aviv wurde am Vormittag ein Soldat niedergestochen, der danach im Krankenhaus starb. Wenig später starb eine junge Israelin, als ein Palästinenser im südlichen Westjordanland auf Wartende an einer Haltestelle einstach.

          Der erste tödliche Vorfall ereignete sich im Süden der Küstenmetropole. Der nach abweichenden Berichten 17 oder 18 Jahre alte Angreifer stamme aus Nablus im Westjordanland und halte sich illegal in Israel auf, teilte ein Polizeisprecher mit. Der verletzte 20 Jahre alte Soldat war noch in ein Krankenhaus gebracht worden und dort verstorben.

          In Nablus hieß es, der Angreifer sei Hamas-Mitglied. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Organisation bekannte sich jedoch nicht zu dem Anschlag. In einer Hamas-Stellungnahme hieß es nur: „Akte des Widerstandes von Menschen im Westjordanland oder in Ostjerusalem sind eine normale Reaktion auf die Verbrechen Israels“. Der israelische Rundfunk meldete am Dienstag, der Vater und mehrere Brüder des Attentäters seien festgenommen worden.

          Angriff an Bushaltestelle

          Bei dem zweiten Anschlag wurden eine 26 Jahre alte Israelin getötet und zwei israelische Männer verletzt. Ein Polizeisprecher sagte, der palästinensische Angreifer sei aus einem Auto ausgestiegen und habe auf Menschen eingestochen, die an einer Schnellstraße an einer Haltestelle standen. Daraufhin habe der Wachmann einer nahe gelegenen Siedlung auf ihn geschossen und ihn schwer verletzt.

          Zu diesem Anschlag bekannte sich die palästinensische Extremistengruppe Islamischer Dschihad (Heiliger islamischer Krieg), dessen Mitglied der Täter war. Der Vorfall ereignete sich an demselben Ort, an dem im Juni drei israelische Jugendliche entführt und später ermordet worden waren. Das war ein Auslöser für den jüngsten Gaza-Krieg gewesen, der 50 Tage dauerte.

          Die Bewegung erklärte, der Angriff an der Bushaltestelle sei die „Antwort“ auf den Tod eines arabischen Israeli, der am Samstag von Polizisten im Norden Israels erschossen wurde. Dort, in der Ortschaft Kfar Kanna bei Nazareth, warfen dutzende junge Araber am Wochenende mit Steinen auf Sicherheitskräfte, die ihrerseits Wasserwerfer einsetzten.

          Außer in Kfar Kanna gab es auch in Nazareth, Oum al-Fahm, Haifa und Beerscheba Proteste wegen seines gewaltsamen Todes, der vom Vater des Opfers als „kaltblütiger Mord“ eingestuft wurde. Im Zuge der Unruhen in Kafr Kanna wurden 24 Demonstranten in Untersuchungshaft genommen.

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