https://www.faz.net/-gq5-7buyd

Naher Osten : Kampfzone Levante

Kein Ort des Gebets mehr: Eine Moschee im Stadtteils Khalidiya in Homs Bild: dpa

Syrien zerfällt in drei Regionen, innerhalb jeder Region setzt sich die Fragmentierung fort. Die Konflikte greifen auf die Nachbarstaaten über: Syrien, der Irak und der Libanon bilden eine Kampfzone.

          Es wirkt wie ein Widerspruch: Syrien zerfällt, die Levante wird aber immer mehr eins. Während der Staat Syrien in drei weitgehend selbständige Teile zerbricht, bilden die Länder Syrien, der Irak und - zunehmend - auch der Libanon eine Kampfzone. Das ist die Folge des syrischen Bürgerkriegs und seines Übergreifens auf die Nachbarn.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Mit der Eroberung von Homs durch die reguläre syrische Armee in den vergangenen Tagen hat das Assad-Regime sein Herrschaftsgebiet weiter konsolidiert. Es reicht entlang der Achse von Damaskus im Süden bis kurz vor Aleppo im Norden und erstreckt sich entlang der Mittelmeerküste einschließlich des dazwischen liegenden Alawitengebirges.

          Die Rebellen kontrollieren einen breiten Gürtel von der türkischen Grenze über Aleppo den Euphrat entlang bis hinunter an die Grenze zum Irak. Im Nordosten mit den beiden wichtigen Städten al Hassakeh und al Qamischli hat hingegen die kurdische „Partei der demokratischen Union“ (PYD) das Sagen. Sie hat ihr Herrschaftsgebiet von sunnitischen Dschihadisten gesäubert.

          Lokale Milizen in weiten Teilen des Landes

          Der Staat, über den Präsident Baschar al Assad herrscht, wird ebenso wie das Herrschaftsgebiet der Rebellen zunehmend von lokalen Milizen durchzogen. Der schwedische Syrien-Experte Aron Lund schildert in einem Beitrag für die Website „Syria Comment“, wie sich Assad zunehmend auf lokale militärische und paramilitärische Gruppen stützt. Hinzu kommen ausländische Milizen, unter ihnen die Hizbullah, schiitische Brigaden aus dem Irak und sogar türkische Aleviten.

          Einflussreiche Milizenführer kämpfen mit ihren eigenen kleinen Armeen zwar für Assad, verfolgen dabei aber als lokale Größen ihre eigenen politischen Ziele, auf die Assad Rücksicht zu nehmen hat. Assad hat daher den bisherigen Vorsitzenden der Baath-Partei in Aleppo, Hilal Hilal, zum Dank für die Einrichtung kampfstarker Milizen im Raum Aleppo zu seinem Stellvertreter in der syrischen Baath-Partei befördern lassen.

          Die Milizen finanzieren sich durch Schmuggel und Schutzgelder weitgehend selbst. Jeder dieser „Subunternehmer“ herrsche über ein eigenes Territorium, so Lund. Ihre Loyalität gegenüber Assad müsse erst noch getestet werden. Die Bildung der paramilitärischen „Nationalen Verteidigungskräfte“ ist ein Versuch des Regimes, diese lokalen Milizen mit Hilfe iranischer Ausbilder zusammenzuführen.

          Gegen das Regime aber auch gegeneinander

          Im Herrschaftsgebiet der sunnitischen Rebellen kämpfen viele lokale Milizen gegen das Regime, aber auch gegeneinander. In diesem Krieg gibt es längst keine Gemäßigten mehr. Die Radikalisierung hat auch Gruppen der Rebellen erfasst. Die Dschihadisten von Dschabhat al Nusra sind zwar weiter die militärisch wirksamste Rebellengruppe. Die al Qaida nahestehende Gruppe hat sich aber gespalten: Ein Flügel bildet mit der irakischen al Qaida den „Islamischen Staat Irak und al Scham“, wobei „al Scham“ der Name für das historische Groß-Syrien ist.

          Der andere Flügel folgt Scheich Abu Muhammad Dschaulani, der seine Kämpfer von Muadhamiya aus befehligt, einer südwestlich von Damaskus gelegenen Stadt. Die Spaltung von Dschabhat al Nusra hat die Bedeutung der radikalen Salafistengruppe „Ahrar al Scham“, der „Freien Groß-Syriens“, unter Führung von Hassan Aboud wachsen lassen. Sie hat sich auf Autobomben und die Eroberung von Kasernen der regulären Armee spezialisiert.

          Topmeldungen

          EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber

          Streit um EU-Jobs : EVP-Kandidat Weber greift Macron an

          Manfred Weber geht im Ringen um den Job als EU-Kommissionspräsident in die Offensive. Er wirft seinen Gegnern destruktives Verhalten vor und warnt: „Die Frustration von Wählern ist absehbar.“

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.