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Naher Osten : Berichte über israelischen Angriff in Syrien

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu (M.) bei der Kabinettssitzung in Jerusalem an diesem Sonntag Bild: AP

Die israelische Armee soll Anfang Juli ein Raketendepot in der syrischen Küstenstadt Latakia angegriffen haben. Aus Kreisen der Regierung Netanjahu verlautet, die jüngsten amerikanischen Bezichtigungen würden „Israel nicht stärken“.

          Die israelische Armee hat nach westlichen Presseberichten am 5. Juli ein Raketendepot in der syrischen Küstenstadt Latakia angegriffen. Demnach befanden sich dort 50 Boden-See-Raketen vom Typ Yakhont, die Russland kurz zuvor an Syrien geliefert hatte.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der amerikanische Sender CNN zitierte ungenannte amerikanische Regierungsvertreter, die von einem Luftangriff berichteten. Nach Angaben der britischen Zeitung „Sunday Times“ wurde das Raketenlager von einem israelischen U-Boot im Mittelmeer aus beschossen. In der vergangenen Woche hatte ein Sprecher der oppositionellen „Freien Syrischen Armee“ gesagt, hinter der Explosion bei Latakia könne nur eine „ausländische Armee“ stecken.

          Israel verärgert über Washington

          Die israelische Regierung nahm am Sonntag nicht zu den jüngsten Vorwürfen Stellung. Die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ zitierte Regierungskreise in Jerusalem mit den Worten, die jüngsten amerikanischen Bezichtigungen würden „Israel nicht stärken“. Ein Kommentator der Zeitung warf den amerikanischen Verbündeten Unzuverlässigkeit und Geheimnisverrat vor, die Israel gefährdeten.

          Grund für die israelische Verärgerung ist, dass in Washington zum zweiten Mal ein angeblicher israelischer Angriff in Syrien bestätigt wurde. Zuletzt war das Anfang Mai geschehen, als es innerhalb von 48 Stunden in der Nähe von Damaskus zu zwei Luftangriffen auf Raketendepots gekommen war. Das Regime in Damaskus kritisierte daraufhin eine israelische „Kriegserklärung“ und drohte mit Vergeltung, sollte es einen weiteren Angriff geben. Zu dem jüngsten Vorfall in Latakia nahm das Assad-Regime bis zum Wochenende nicht Stellung.

          Israel zog es immer vor, zu Aktionen zu schweigen, die der eigenen Armee zugeschrieben wurden. Dadurch sollte Assad die Chance gegeben werden, sein Gesicht zu wahren und eine militärische Eskalation vermieden werden. Anfang 2013 war ein syrischer Konvoi bombardiert worden, der angeblich Raketen in den Libanon bringen sollte. Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon hatte vor wenigen Tagen bekräftigt, dass Israel nicht in den syrischen Bürgerkrieg eingreifen wolle.

          „Rote Linien“

          Zugleich stellte Jaalon klar, dass die Armee nicht tatenlos zusehen werde, wenn die von der israelischen Führung definierten „roten Linien“ verletzt würden. Damit ist die Weitergabe von moderner Raketentechnik und von Chemiewaffen an die libanesische Hizbullah-Miliz und an andere radikale Gruppen gemeint. Die Yakhont-Raketen, von denen Syrien schon ein kleineres Arsenal besitzt, haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern und können Schiffe sowie Förderplattformen im Mittelmeer präzise treffen.

          Derweil sind im Norden Syriens am Wochenende Kämpfe zwischen rivalisierenden Rebellenmilizen ausgebrochen. Sie folgten auf die Erschießung eines Kommandeurs der Freien Syrischen Armee durch syrische Verbündete der Al Qaida nahestehenden Gruppe Islamischer Staat im Irak in Latakia am Freitag. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

          Die Regimegegner meldeten am Wochenende, die berühmte Kreuzritterburg Crac des Chevaliers in der zentralsyrischen Provinz Homs sei bei einem Luftangriff von Assads Armee beschädigt worden. Die nahe der Grenze zum Libanon gelegene Burg liegt auf der strategisch wichtigen Strecke zwischen Damaskus und der Küstenregion am Mittelmeer, wo die alawitische Minderheit, der Assad angehört, ihr Siedlungsgebiet hat.

          Anfang Juni war es syrischen Truppen mit Hilfe der libanesischen Hizbullah gelungen, die ebenfalls auf dem Korridor zur Küste gelegene Stadt al Qusair zurückzuerobern. Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollen in der Festung verschanzte Regimegegner zuvor ein alawitisches Dorf angegriffen und fünf Menschen getötet haben.

          Der Krieg in Syrien griff am Wochenende abermals auf den Irak über. Bei Kämpfen zwischen irakischen Sicherheitskräften und bewaffneten Männern aus Syrien wurde in der westirakischen Provinz Anbar ein Grenzpolizist getötet

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