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Nach Schussverletzung : ARD-Korrespondent zurück in Deutschland

  • Aktualisiert am

In Syrien verwundet: Jörg Armbruster, Auslandskorrespondent der ARD Bild: dpa

Der ARD-Fernsehkorrespondent für die Arabische Welt, Jörg Armbruster, ist nach einer Behandlung in der Türkei nach Deutschland ausgeflogen worden. Armbruster war am Freitag im syrischen Aleppo angeschossen und schwer verletzt worden.

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          Der in Syrien angeschossene ARD-Reporter Jörg Armbruster ist wieder zurück in Deutschland. Nach SWR-Angaben wurde Armbruster am Montagnachmittag mit einem Flugzeug aus der Türkei nach Stuttgart geflogen, wo er nun weiter medizinisch
          versorgt wird. Der langjährige ARD-Fernsehkorrespondent war am
          Freitag im nordsyrischen Aleppo schwer verletzt worden. Ob er in
          einen Schusswechsel geriet oder gezielt von Heckenschützen beschossen wurde, war zunächst unklar. Er hatte sich mit dem Hörfunkreporter Martin Durm seit Anfang der Woche im Gebiet der Freien Syrischen Armee aufgehalten, um eine Reportage über die Aufständischen zu drehen. Durm, der mit Armbruster zurückkehrte, blieb unverletzt.


          Der 65 Jahre alte aus Tübingen stammende Journalist hatte erst im Januar 2013 die Leitung des Auslandsstudios in Kairo abgegeben, von wo aus er mehrere Jahre lang für die ARD und den SWR über die arabische Welt berichtet hatte. Dabei erlebte er die Umwälzungen im Zuge des Arabischen Frühlings mit und berichtete aus Kairo etwa live über den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak am 11. Januar 2011.

          Die vor allem aus Deserteuren gebildete „Freie Syrische Armee“ führt seit rund zwei Jahren einen bewaffneten Kampf gegen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al Assad. Im Zuge des Bürgerkrieges wurden nach UN-Schätzungen mehr als 70.000 Personen getötet.

          Gefährliche Berichterstattung über den Bürgerkrieg

          In Syrien tobt ein Bürgerkrieg an vielen Fronten - das macht das arabische Land zu einem der gefährlichsten Orte für Journalisten. Nach Angaben der „Reporter ohne Grenzen“ kamen 23 Journalisten seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al Assad im März 2011 ums Leben. Zu den bekanntesten Opfern gehören der französische Fernsehreporter Gilles Jacquier und die amerikanische Kriegsberichterstatterin Marie Colvin. Beide berichteten aus der umkämpften Oppositionshochburg Homs.

          2012 gehörte Syrien der Organisation zufolge neben Somalia zu den „tödlichsten“ Ländern für Journalisten. Die Journalisten-Vereinigung hält in ihrem jüngsten Index der Pressefreiheit fest, dass in dem Land auch ein Informationskrieg tobt: Zwischen dem Regime auf der einen Seite, das bei der Niederschlagung des Aufstandes keine Grenzen kenne. Und oppositionellen Gruppen auf der anderen Seite, unter denen auch einige kritische Berichterstattung nicht duldeten.

          Zwischen den Fronten

          So sehen sich unabhängige syrische Journalisten zunehmend zwischen den Fronten, sie werden von beiden Seiten bedroht. Ausländische Reporter wiederum können sich nicht frei bewegen - wegen der inzwischen landesweiten Kämpfe sowie der Mediensperre des Assad-Regimes.

          Laut Index belegt Syrien Platz 176 von 179. Das International News Safety Institute (INSI) schreibt in einem Medienhinweis, Journalisten sollten Syrien als Kriegsgebiet betrachten. Schießereien und Luftangriffe seien in einigen Gebieten alltäglich. Die größte Gefahr für die eigene Sicherheit sei, dass man sich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalte, heißt es.

          Verschärft wird die Lage noch durch den wachsenden Einfluss dschihadistischer Milizen in dem Land. Deren selbst ernannte Gotteskrieger stehen dem Terrornetz Al Qaida nahe, ihr Gesetz ist die islamische Rechtsprechung, die Scharia, in einer besonders strengen Auslegung. Im Internet finden sich inzwischen zahlreiche Videos, in denen die Dschihadisten mit vermeintlichen Gegnern kurzen Prozess machen und sie enthaupten.

          Dass solche Gruppen jedes internationale Recht missahten, zeigte jüngst die Entführung von UN-Blauhelmsoldaten auf den Golan-Höhen an der syrisch-israelischen Grenze. Verantwortlich zeichnete die Rebellengruppe Märtyrer-von-Jarmuk-Brigade. Erst auf Druck anderer Oppositionskräfte und nach mühsamen Verhandlungsgesprächen wurden die aus den Philippinen stammenden Männer wieder freigelassen.

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