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Nach Probenentnahme : Arafats Grab wieder verschlossen

Das Arafat-Mausoleum am Tag der Exhumierung des früheren Palästinenserpräsidenten Bild: AFP

Die sterblichen Überreste des früheren Palästinenser-Präsidenten Arafat sind nach der Entnahme von Proben wieder beigesetzt worden. Mit der Exhumierung soll untersucht werden, ob Arafat vergiftet wurde.

          Wenige Stunden nach der Exhumierung seiner sterblichen Überreste ist das Grab des früheren palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat am Dienstagvormittag wieder verschlossen worden. Unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen war in den frühen Morgenstunden in Ramallah das Grab geöffnet worden. Laut Angaben von Augenzeugen entnahmen palästinensische Ärzte in Anwesenheit von Fachleuten aus Frankreich, Russland und der Schweiz Proben der sterblichen Überreste. Dabei sei Arafats Körper im Grab geblieben, hieß es. Anhand der Proben wollen die Fachleute herausfinden, ob der am 11. November 2004 in einem französischen Militärkrankenhaus gestorbene PLO-Chef möglicherweise vergiftet worden ist.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Mausoleum auf dem Gelände des Präsidentensitzes in Ramallah war seit Tagen weiträumig abgeriegelt. Blaue Planen versperrten die Sicht auf den würfelartigen Sandsteinkomplex, vor dem sich am Dienstagmorgen zahlreiche Medienvertreter versammelt hatten. Die Palästinenser nahmen von der Exhumierung Arafats indessen kaum sichtbare Notiz. Im Umkreis des Mausoleums bildeten sich keine größeren Menschenansammlungen.

          Einen Monat vor seinem Tod: Jassir Arafat im Oktober 2004 in Ramallah

          Mit Untersuchungsergebnissen wird erst nach Monaten gerechnet. Schweizer Fachleute hatten im Juli Hinweise darauf gefunden, dass der frühere PLO-Chef Jassir Arafat mit Polonium 210 vergiftet worden sein könnte. Mit der radioaktiven Substanz wurde nach Ansicht der britischen Polizei in London im Jahr 2006 auch der frühere russische Agent Aleksandr Litwinenko getötet. Der qatarische Fernsehsender Al Dschazira hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben.

          Nur wenige Stunden nach der Ausstrahlung des Beitrags hatte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas der Forderung von Arafats Witwe Suha zugestimmt, die sterblichen Überreste ihres Mannes exhumieren zu lassen, um den endgültigen Nachweis zu erbringen, dass es sich wirklich um Polonium handelt. Andere Angehörige, wie Arafats Neffe Nasser al Kidwa, lehnten jedoch bis zuletzt die Exhumierung ab. Aber auch er geht davon aus, dass Arafat keines natürlichen Todes gestorben ist.

          Offen ist, ob die Arbeit der Wissenschaftler den Giftmordverdacht schlussendlich klären können, das Polonium 210 rasch zerfällt und die entnommen Proben für eine Untersuchung zu gering sein könnten.

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