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Nach Mord an Palästinenser : Gewaltsame Proteste in Israel weiten sich aus

Zusammenstöße: Israelische Sicherheitskräfte am Freitag im vorwiegend von Arabern bewohnten Shuafat im Osten Jerusalems Bild: REUTERS

Ein vorläufiger Autopsiebericht lässt weitere Spannungen erwarten: Der ermordete 16 Jahre alte Palästinenser Abu Khdeir soll bei lebendigem Leibe verbrannt sein. Wütende Araber demonstrieren in mehreren Städten.

          Die gewaltsamen Ausschreitungen nach dem Tod eines jungen Palästinensers in Ostjerusalem haben nun auch den Norden Israels erfasst. Dort leben mehrheitlich Araber, die die israelische Staatsangehörigkeit besitzen. In der arabischen Stadt Qalansawe stoppten Demonstranten jüdische Autofahrer und setzten einen Wagen in Brand. Nach gewaltsamen Protesten, zu den es auch in den arabischen Orten Taibe, Tira und Baqa al Gharbijje kam, nahm die israelische Polizei 12 Personen fest.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Jerusalem dauerten in der dritten Nacht in Folge die gewaltsamen Proteste an. Nach der Beerdigung des am Mittwoch ermordet aufgefundenen Mohmammed abu Khdeir weiteten sie sich auf die arabischen Stadtteile aus, in denen es bisher ruhig geblieben war. Polizisten nahmen 20 Demonstranten fest; nach Angaben von Rettungskräften wurden 50 Personen verletzt.

          Erschütternder Obduktionsbericht

          Der Samstag begann mit gespannter Ruhe. Doch eine Mitteilung der palästinensischen Generalstaatsanwaltschaft könnte bald neue Proteste hervorrufen. Erste Ergebnisse der Obduktion hätten demnach ergeben, dass der 16 Jahre alte Palästinenser lebendig verbrannt sei, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die Angehörigen und viele Palästinenser sind überzeugt davon, dass Muhammad abu Khdeir von extremistischen Juden entführt und ermordet wurde, um den Tod der drei entführten Religionsstudenten zu rächen. Die israelische Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen und  schließt weiterhin einen kriminellen oder familiären Hintergrund nicht aus.

          Im Süden Israels schlugen weitere Raketen aus Gaza ein. Am Freitag waren aus dem Gasastreifen insgesamt 18 Raketen abgefeuert. Die israelische Luftwaffe bombardierte in der Nacht mehrere Ziele, hielt sich aber im Vergleich zu den Tagen davor merklich zurück. Laut Presseberichten hat die israelische Regierung Ägypten bis in die Nacht zum Sonntag Zeit gegeben, um eine Waffenruhe zu vermitteln. Die Hamas hatte demnach signalisiert, sie sei an keiner weiteren Eskalation interessiert. Aus Gaza wurden zwar keine weiter reichenden Raketen auf Großstädte abgefeuert, aber der Beschuss ging weiter.

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