https://www.faz.net/-gq5-7b3ee

Nach Massaker in Kairo : Muslimbrüder rufen zum Widerstand auf

  • Aktualisiert am

Nach Anschlag auf demonstrierende Muslimbrüder: Soldaten in Kairo versuchen, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Bild: dpa

Nach dem Massaker an mehr als 50 Anhängern der Muslimbruderschaft in Kairo gerät die politische Lage in Ägypten immer weiter außer Kontrolle. Die salafistische Hizb al Nur kündigte an, sich aus dem politischen Übergangsprozess zurückzuziehen.

          2 Min.

          Nach dem Massaker an mehr als 50 Anhängern der Muslimbruderschaft in Kairo gerät die politische Lage in Ägypten immer weiter außer Kontrolle. Während die Muslimbrüder ihre Anhänger zum Widerstand aufriefen, verstärkte die Armee am Montag ihre Kontrollen rund um die Hauptstadt.

          Der politische Arm der islamistischen Muslimbruderschaft, die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP), rief das Volk zum Widerstand gegen diejenigen auf, „die ihm mit Panzern seine Revolution stehlen wollen“. Die Partei warnte dabei vor einem „weiteren Syrien in der arabischen Welt“.  Während des Morgengebets war es vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garden, in dem der vergangene Woche gestürzte islamistische Präsident Muhammad Mursi vermutet wird, zu Schießereien gekommen, bei denen nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums mindestens 51 Personen getötet und 435 verletzt wurden. Die Armee teilte mit, ein Soldat sei bei den Unruhen getötet und 40 seien verletzt worden. Die Armeeführung machte „bewaffneten Terroristen“ für die Gewalt verantwortlich.

          „Abscheuliches Verbrechen“

          Die Muslimbruderschaft erklärte hingegen, dass ihre Unterstützer bei einer Protestveranstaltung während des Morgengebets angegriffen worden seien. Polizei und Armee hätten versucht, einen Sitzstreik gewaltsam aufzulösen. In einer Erklärung der Islamisten hieß es, das ägyptische Volk wolle nicht wieder unter einer Militärdiktatur leben und werde den Kampf dagegen fortsetzen. Dieses „abscheuliche Verbrechen“ sei ein weiterer Beleg für die Brutalität der Armeeführung. 

          Um die Schuldigen für den mutmaßlichen Angriff auf die Kaserne der Republikanischen Garden zu finden, führten die Streitkräfte am Montag Straßenkontrollen in Kairo durch. Sicherheitskräfte schlossen auch das Hauptquartier der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, der Mursi bis zu seinem Amtsantritt angehört hatte. Es seien dort Waffen gefunden, hieß worden, hieß es zur Begründung.


          Die salafistische Hizb al Nur („Partei des Lichts“) kündigte nach dem Blutbad an, sich aus dem politischen Übergangsprozess zurückzuziehen, den Armeechef Abd al Fattah al Sisi vergangene Woche verkündet angekündigt hatte. Schon am Wochenende hatten Vorbehalte der Nur-Partei zu Verzögerungen bei der Ernennungen eines Interimsregierungschefs geführt:

          Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei, der schon als neuer Übergangsministerpräsident angekündigt worden war, war von der Führung der Islamisten abgelehnt worden. Als Vertreter der von Linken und Liberalen gebildeten oppositionellen Nationalen Rettungsfront sei er nicht in der Lage, das gespaltene Land zu einen. 

          Die Nationale Rettungsfront, in der Gegner Mursis seit Ende vorigen Jahres versammelt sind, bedauerte in einer Stellungnahme „die blutigen Vorfälle“ vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garden. Eine „gerechte Untersuchung“ müsse umgehend stattfinden. „Alle Akte von Gewalt“ seien zu verurteilen, teilte das von El Baradei, Sozialistenführer Hamdin Sabahi und dem früheren Generalsekretär der Arabischen Liga Amr Musa geführte Bündnis mit. Auch Angriffe auf Armeeeinrichtungen und Soldaten lehnte die Rettungsfront ab.

          Armee kündigt Aufklärung an

          Die Armee kündigte eine Aufklärung des Vorfalls an. Die Türkei und die palästinensische Hamas, die gegen den Sturz Mursis protestiert hatten, kritisierten das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu verurteilte die Gewalt „im Namen der fundamentalen Werte der Menschlichkeit“ und sagte dem ägyptischen Volk seine Solidarität zu.

          Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangte ein Ende der Diskriminierung der Muslimbrüder und ihrer Medien durch die neuen Machthaber. Seit dem Machtantritt Mansurs seien Mursi und mindestens zehn seiner Berater unrechtmäßig festgesetzt; Mitarbeitern der Medieneinrichtungen der Muslimbruderschaft müsste erlaubt werden, wieder an ihre Arbeit zurückzukehren

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Brexit-Deal im Parlament : Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Selbst wenn Boris Johnson bei der Abstimmung über seinen Brexit-Deal siegen würde, bedeutet das noch keinen Durchbruch. Auch das Oberhaus hat nahezu grenzenlose Möglichkeiten, die Beratungen in die Länge zu ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.