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Nach Genfer Gesprächen : Weltmächte begrüßen Syrien-Plan

  • Aktualisiert am

Gemeinsame Ziele, aber noch kein Fahrplan: John Kerry und Sergej Lawrow am Samstag in Genf Bild: AFP

Die Genfer Vereinbarung zur Zerstörung zwischen Amerika und Russland zur Zerstörung syrischer Chemiewaffen ist von führenden Staaten begrüßt worden. Doch es bleiben viele Fragen offen.

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          Die amerikanisch-russische Vereinbarung zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen ist von den Weltmächten begrüßt worden, auch wenn der Plan viele Fragen offen lässt. Selbst in amerikanischen Kreisen wurde am Wochenende eingeräumt, dass der aufgestellte Zeitplan ehrgeizig sei. Zwischen den Vereinigten Staaten und Russland bestand weder Einigkeit darüber, wie viele syrische Anlagen untersucht werden müssen, noch was für Strafen der Regierung in Damaskus drohen, wenn sie die Vorgaben nicht einhält. Die für eine Vernichtung zuständige Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat noch nie Giftgas über Staatsgrenzen transportiert oder gar in einem Kriegsgebiet gearbeitet. Die amerikanische Regierung teilte mit, ein Militärschlag im Alleingang sei noch nicht vom Tisch.

          Amerikas Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten am Samstag in Genf nach dreitägigen Verhandlungen einen Zeitplan vereinbart. Dieser sieht unter anderem vor, dass Syrien binnen einer Woche eine umfassende Auflistung über Zahl und Art seiner Giftgas-Waffen vorlegen muss. Ziel ist die Zerstörung aller syrischen Chemiewaffen bis Mitte 2014. Während Kerry erklärte, die Vereinten Nationen müssten bei einem Verstoß gegen die Auflagen Konsequenzen nach Artikel 7 der UN-Charta ziehen, wies Lawrow darauf hin, dass dies nur als Möglichkeit vereinbart worden sei. Artikel 7 behandelt Sanktionen und Militäraktionen. Die UN gaben bekannt, dass Syrien im kommenden Monat in die Internationale Chemiewaffen-Konvention aufgenommen werde.

          Rebellenchef: „Zur Hölle mit dem Plan“

          Aus amerikanischen Kreisen verlautete, die Aufgabe der Inspektoren sei „gelinde gesagt gewaltig“. Ein anderer amerikanischer Regierungsvertreter bemerkte, es gebe in der Vereinbarung „Ziele, aber keine Fristen“. Zwar seien sich die Vereinigten Staaten und Russland einig, dass Syrien wohl über etwa 1000 Tonnen Kampfstoff und Vorläufer-Substanzen verfüge, sagten Mitarbeiter von Kerry. Uneinig sei man sich jedoch bei der Frage, wie viele Anlagen untersucht werden müssten. Die Vereinigten Staaten gehen den Kreisen zufolge von 45 aus.

          Unklar blieb zudem, wie die Kontrollen in einem Kriegsgebiet erfolgen sollen. Einige Rebellen machten umgehend klar, dass sie nicht an eine Kooperation denken. „Zur Hölle mit dem Kerry-Lawrow-Plan“, sagte Kassim Saadeddine vom Obersten Militärrat der Nachrichtenagentur Reuters in Istanbul. „Wir lehnen ihn ab und werden nicht die Inspektoren schützen oder sie nach Syrien hineinlassen.“ Die amerikanische Regierung geht Insidern zufolge davon aus, dass sich die Chemiewaffen in Gebieten befinden, die von den Truppen von Präsident Baschar al Assad kontrolliert werden.

          Andere Anführer der Rebellen erklärten dagegen, sie würden die Inspektoren ins Land lassen. Allerdings zeigten auch sie sich enttäuscht. „Es wurde ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen“, sagte der Chef des Militärrats, General Selim Idris. Trotzdem sei nun keine Rede davon, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen. Die syrische Armee habe in den vergangen Tagen ohnehin damit begonnen, einige der Chemiewaffen in den Libanon und Irak zu bringen. Syriens Luftwaffe griff am Wochenende wieder Stellungen der Aufständischen in Damaskus an.

          Merkel: Worten müssen Taten folgen

          Außerhalb Syriens stieß der Kerry-Lawrow-Plan fast einhellig auf Zustimmung. Die Regierungen der drei übrigen Veto-Mächte Großbritannien, Frankreich und China begrüßten sie. Bundeskanzlerin Merkel sagte, jetzt müssten den Worten Taten folgen. Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani nannte die Vereinbarung ein Anzeichen für die Vernunft der Vereinigten Staaten. Israel zeigte sich zurückhaltend. Scharfe Kritik kam aus dem amerikanischen Kongress. Die republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham sprachen von „einer diplomatischen Sackgasse“, in die Assad und der russische Präsident Wladimir Putin die Regierung von Barack Obama geführt hätten.

          Obama selbst begrüßte die Einigung. „Bei einem Scheitern der Diplomatie sind die Vereinigten Staaten nach wie vor bereit zu handeln“, warnte er jedoch. Das amerikanische Militär teilte mit, man sei weiterhin zu einem Angriff bereit. Die Vereinigten Staaten machen Assad für einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf Zivilisten am 21. August bei Damaskus verantwortlich, bei dem rund 1400 Menschen getötet worden sein sollen. Am Montag wird ein Bericht von UN-Experten zu dem Angriff erwartet.

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