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Nach den Freitagsgebeten : Washington erwartet weitere Gewalt gegen seine Botschaften

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Protest auf einer Straße in Kairo zwischen dem Tahrir-Platz und der amerikanischen Botschaft. Nach den Freitagsgebeten könnte die Situation weiter eskalieren. Bild: REUTERS

In Folge des umstrittenen islamfeindlichen Films fürchten die Vereinigten Staaten weitere Gewalt gegen ihre diplomatischen Vertretungen in der arabischen Welt. Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Film als „widerlich und verwerflich“. Diese Provokation rechtfertige aber nicht die Gewalt gegen Amerikaner.

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          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat sich „tief besorgt“ über die gewaltsamen Proteste in Libyen und weiteren arabischen Ländern gegen ein islamfeindliches Schmähvideo gezeigt. Nichts rechtfertige solche Tötungen und Angriffe, erklärte Ban nach Angaben seines Sprechers am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York. Zugleich verurteilte Ban den „hasserfüllten Film, der offensichtlich ganz bewusst angefertigt wurde, um Fanatismus und Blutvergießen zu säen.“ Er rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Angesichts zunehmender Spannungen brauche es Dialog, gegenseitigen Respekt und Verständnis, so Ban.

          Bei Angriffen auf das amerikanische Konsulat im libyschen Benghasi waren in der Nacht zum Mittwoch vier Amerikaner getötet worden. Darunter waren der amerikanische Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter, auch libysche Sicherheitskräfte wurden getötet. Im Jemen kamen am Donnerstag vier Personen bei Angriffen auf die amerikanische Botschaft ums Leben. Die gewalttätigen Demonstranten wurden mutmaßlich durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet.

          In Folge des umstrittenen islamfeindlichen Films fürchten die Vereinigten Staaten weitere Gewalt in der arabischen Welt nach dem Freitagsgebet. „Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau, die zu weiteren Protesten führen könnten“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington am Donnerstag (Ortszeit). Der Freitag sei „traditionell ein Tag von Protesten in der muslimischen Welt“.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte während eines Wahlkampfauftritts in Colorado, er habe seine Regierung angewiesen, alles zu unternehmen, was zum Schutz amerikanischer Bürger im Ausland nötig sei. Am Donnerstagabend telefonierte Obama mit dem jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Beide hätten bekräftigt, dass zusätzlicher Schutz für das amerikanische Botschaftspersonal notwendig sei, teilte das Weiße Haus mit. Hadi habe Obama versichert, „alles, was möglich ist,“ zu tun, um Amerikaner im Jemen zu beschützen.

          Hillary Clinton: „Geschmacklos und verwerflich“

          Die mächtige Muslimbruderschaft in Ägypten rief zu landesweiten Protesten nach dem Abendgebet am Freitag auf. Auch in Jordanien forderten salafistische Prediger die Gläubigen auf, vor die amerikanische Botschaft zu ziehen. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton verurteilte bei einem Treffen mit dem marokkanischen Außenminister Saadeddine Othmani das Video. Die Macher des Films hätten keinerlei Verbindungen zum Staat: „Lassen Sie mich sehr deutlich sagen - und ich hoffe, das ist klar -, dass die Regierung der Vereinigten Staaten absolut nichts mit diesem Video zu tun hat. „ Der Film sei „widerlich und verwerflich“. Es habe augenscheinlich nur „das zynische Ziel, eine große Religion zu verunglimpfen und Wut zu provozieren.“

          In Kairo wurden bei weiteren Ausschreitungen am Donnerstag mehr als 200 Menschen verletzt. Weitere Proteste gab es unter anderem in Iran und im Irak, in Israel, dem Gazastreifen, Jordanien, Sudan und Tunesien. 

          Der amerikanische Justizminister Eric Holder brach eine Nahostreise ab, um persönlich die Untersuchung zum Tod der Diplomaten in Lbyen zu leiten. Die Entscheidung wurde bekannt gegeben, nachdem Holder am Donnerstag in Doha mitgeteilt hatte, die Bundespolizei FBI habe Ermittlungen in der Sache aufgenommen. Washington sei entschlossen, zur Aufklärung des Vorfalls mit den libyschen Behörden zusammenzuarbeiten, sagte Holder, der außer in Qatar auch noch in Saudi-Arabien und der Türkei erwartet wurde.

          Das Weiße Haus erklärte, es sei auf weitere Proteste vorbereitet. Gewalt sei jedoch nicht gerechtfertigt. Amerikanische Botschaften gaben weltweit Warnungen an amerikanische Staatsbürger vor Demonstrationen aus, die in Gewalt umschlagen könnten. Seit Mittwoch hätten mehr als 50 Botschaften und Konsulate solche Warnungen veröffentlicht, erklärte das Außenministerium.

          Festnahmen in Libyen

          Der am Mittwoch gewählte libysche Regierungschef Abu Schagur erklärte,  es habe Festnahmen gegeben und weitere würden folgen. Angaben zur Zahl der Festnahmen und zum politischen Hintergrund wollte er nicht machen, „bis wir alle Fakten kennen“. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Ermittlungen seien „sehr kompliziert“, weil in der Menge vor dem amerikansichen Konsulat sowohl Extremisten als auch gewöhnliche Bürger gewesen seien.

          Der mutmaßliche Produzent des islamfeindlichen Films steht  in den Vereinigten Staaten derweil unter Polizeischutz. „Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind die Garanten der öffentlichen Sicherheit“, sagte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles am Donnerstag. Er machte weder Angaben dazu, wer die Behörden um Hilfe gebeten habe, noch zur genauen Art des Polizeischutzes.

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