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Nach den Freitagsgebeten : Proteste in der arabischen Welt

Auf dem Tahrir-Platz in Bagdad kamen Tausende Iraker zusammen Bild: REUTERS

Auch in Tunesien, Ägypten, Jemen, Bahrain, Irak und Jordanien gingen am Freitag Hunderttausende Menschen nach den Freitagsgebeten auf die Straße, um für politischen Wandel zu demonstrieren.

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          Einen Monat nach dem Beginn der Proteste in Ägypten, die zum Sturz Husni Mubaraks führten, forderten auf dem Tahrir-Platz mehrere hunderttausend Demonstranten den Rücktritt der Übergangsregierung, die Beschleunigung der politischen Reformen und die Aufnahme eines Prozesses gegen Mubarak. Der Hohe Militärrat solle einen verbindlichen Zeitplan für die nächsten Schritte festlegen. An diesem Samstag wird ein Verfassungsausschuss Vorschläge für eine Revision der Verfassung vorlegen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Tunesien

          In Tunesien protestierten laut Polizei mehr als 100.000 Demonstranten gegen die Übergangsregierung von Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi. Nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond war es der größte Protest seit dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali Mitte Januar.

          Bahrain

          Mehr als 100.000 Menschen gedachten am Freitag in der bahrainischen Hauptstadt Manama auf einem Protestmarsch der sieben Personen, die seit dem Beginn der Demonstrationen am 14. Februar getötet worden sind. Zu der Kundgebung, die im Anschluss an das Freitagsgebet begann, riefen sieben Oppositionsparteien und die schiitischen Geistlichen auf. Mit der Demonstration der Stärke will die Opposition in einen Dialog mit dem bahrainischen Staat eintreten.

          Zunächst müsse die Regierung zurücktreten, die für das Massaker Verantwortlichen müssten verfolgt werden und für den Dialog sei ein Rahmen festzulegen, erklärte Abduldschalil Chalil, der Vorsitzende der Parlamentsfraktion der größten Oppositionspartei Wifaq, deren Mitglieder ihre Mandate niedergelegt haben. Verständigt hätten sich die jugendlichen Demonstranten und die Parteien auf zwei Ziele: die Wahl künftiger Regierungen und die Schaffung eines Parlaments mit mehr Kompetenzen. Die Opposition ist zunehmend organisiert, die Regierung hofft aber auf einen Verschleiß der Protestbewegung.

          Der amerikanische Generalstabschef Mike Mullen ist zu Gesprächen mit der Königsfamilie in Bahrain eingetroffen, wo sich das Hauptquartier der 5. Flotte der Amerikaner befindet.

          Jemen

          In den jemenitischen Städten Sanaa, Taizz, Ibb Saada und Hudaida haben am Freitag mehr als 100.000 Menschen für und gegen Staatspräsident Ali Abdullah Saleh demonstriert. In der Hauptstadt Sanaa versammelten sich mehrere zehntausend Menschen auf dem Platz vor der Universität und forderten bei der anschließenden Kundgebung den Rücktritt von Saleh. Präsident Saleh beauftragte den Ministerpräsidenten Ali Megawar, mit den Demonstranten zu sprechen.

          Irak

          In vielen irakischen Städten haben sich mehrere zehntausend Menschen an dem erstmals ausgerufenen „Tag des Zorns“ beteiligt. Sie protestierten gegen die Korruption und das Fehlen von staatlichen Dienstleistungen. In Mossul wurden fünf Demonstranten von der Polizei getötet und zehn weitere verletzt. In Bagdad fand eine friedliche Kundgebung unter starkem Polizeiaufgebot und bei einem Fahrverbot für die ganze Stadt auf dem Tahrir-Platz statt. Weitere Demonstrationen gab es in Kirkuk, Basra, Hawidscha, wo mindestens zwei Menschen getötet wurden, sowie in zahlreichen anderen Städten. Ministerpräsident Nuri al Maliki hatte am Freitag das Recht auf friedliche Proteste bekräftigt.

          Jordanien

          Nach dem Freitagsgebet haben in der jordanischen Hauptstadt Amman mehrere Tausend Demonstranten für politische Reformen und eine Verbesserung der Lebensbedingungen demonstriert. Die Regierung hatte zuvor 3.000 Polizisten in Aufstellung gebracht. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern der Regierung und Oppositionellen. König Abdullah II. sprach sich für „schnelle und wirksame“ Reformen, mehr Mitspracherechte für die Bürger und eine Bekämpfung der Korruption aus.

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