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Nach Brandanschlag : Israel will härter gegen jüdische Terroristen vorgehen

Wütend: Israelische Sicherheitskräfte halten Palästinenser nahe des Tempelbergs zurück, die nach dem Tod des Kleinkindes demonstrieren am Sonntag demonstrieren. Bild: AFP

Nach dem Tod eines Kindes beim Anschlag auf eine palästinensische Familie wird Kritik an den israelischen Sicherheitskräften laut: Terrorismus von Juden müsse ebenso effektiv bekämpft werden wie der von Palästinensern.

          Nach dem jüngsten Ausbruch der Gewalt greift die israelische Regierung härter gegen potentielle jüdische Terroristen durch. Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete am Sonntag an, Israelis, die Anschläge planten, in sogenannte Administrativhaft zu nehmen. Bisher wurde diese Art des Gewahrsams nur gegen Palästinenser verhängt. Sie dürfen ohne ordentliches Gerichtsverfahren sowie Zugang zu Anwalt und Besuchsrecht monatelang festgehalten werden. In Israel war nach dem Brandanschlag am Freitag, bei dem im Westjordanland ein 18 Monate alter Junge umgekommen war, Kritik an den Sicherheitskräften laut geworden. Die Regierung habe es versäumt, den Inlandsgeheimdienst Schinbeth mit ausreichenden Kompetenzen auszustatten, um jüdischen Terrorismus ähnlich schnell und effizient zu bekämpfen, wie das bei Palästinensern der Fall sei, kritisierte die Zeitung „Jediot Ahronot“ am Sonntag. Das Attentat am Freitag zeige, dass „wir nicht besser sind als sie“, heißt es in einem Kommentar der Zeitung, der Israelis und Palästinenser vergleicht.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Samstagabend demonstrierten in Jerusalem, Tel Aviv und Haifa tausende Israelis gegen Gewalt und Terror. In Jerusalem forderte Staatspräsident Reuven Rivlin dazu auf, die jüngste Welle der Gewalt, die am Donnerstag mit einer Messerattacke eines strenggläubigen Juden auf sechs Teilnehmer der Jerusalemer „Gay Pride Parade“ begonnen hatte, als einen „Weckruf“ zu verstehen. Israel werde jedoch nicht in Anarchie versinken. Um die Flammen zu löschen, müsse man entschiedener vorgehen, in den Schulen, bei den Sicherheitskräften und in der Führung des Landes. „Wir müssen die Flamme und die Hetze ersticken, bevor sie uns alle zerstören“, sagte der Staatspräsident.

          Oppositionsführer Jitzhak Herzog äußerte sich erschüttert und bat um Vergebung. Israel strecke seine Hand den Palästinensern entgegen. Die Vorsitzende der linksliberalen Meretz-Partei Zahava Galon sagte, „das ist jüdischer Terrorismus, das ist der jüdische IS“. Oberrabbiner David Lau telefonierte mit dem palästinensischen Gouverneur von Nablus Akram Rajub und verurteilte den Anschlag vom Freitag als „abscheulichen Mord“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Sonntag vor der Kabinettssitzung an, es werde „keinerlei Toleranz“ angesichts der verabscheuungswürdigen Verbrechen zeigen. Trotz einer Großfahndung wurde seit Freitag jedoch noch keine Tatverdächtige festgenommen. Die Eltern und ein Bruder des getöteten palästinensischen Kleinkinds wurden am Wochenende weiterhin mit schweren Verbrennungen in israelischen Krankenhäusern behandelt. Die Mutter und der vier Jahre alte Bruder hatten lebensgefährliche Verletzungen erlitten.

          In den Palästinensergebieten und in Jerusalem kam es auch am Wochenende zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen protestierenden Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Sie erfassten am Sonntagmorgen zeitweise den Tempelberg und das Areal rund um die Al-Aqsa-Moschee. Im Norden des Westjordanlands gab es am Samstag Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Palästinensern, die sich mit Steinen bewarfen. Die Armee erklärte das Gebiet daraufhin zur militärischen Sperrzone. Seit Freitagabend kamen zwei Palästinenser ums Leben. Nach Armeeangaben schossen Soldaten bei Ramallah auf einen Palästinenser, der einen Brandsatz geworfen habe. Im Norden des Gazastreifens tötete die Armee einen Palästinenser, der sich dem Grenzzaun genähert hatte.

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