https://www.faz.net/-gq5-z71i

Nach Bin Ladins Tod : Die „Filialen“ des Terrors

  • -Aktualisiert am

Ende einer Epoche - oder Beginn einer Generation? Bild: dapd

Eine neue Generation steht bereit, die längst nicht mehr auf die Befehle aus der Zentrale hört. Das macht die Dschihadisten auf der Arabischen Halbinsel, im Irak und im Maghreb gefährlich und unberechenbar.

          „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ gilt amerikanischen Antiterrorkämpfern als die gefährlichste Terrororganisation nach den Dschihadistengruppen in Afghanistan und Pakistan. John Brennan, Antiterrorberater von Präsident Barack Obama hat sie als aktivste Al-Qaida-Filiale bezeichnet. Es sei gut möglich, dass sie nach dem Tod Bin Ladins noch an Gewicht gewinne, sagen Fachleute. Die Organisation operiert vom Jemen aus, wo sich die Dschihadisten unter dem Schutz einiger Stämme bewegen können und der Arm der Regierung in Sanaa nicht weit ins Hinterland reicht.

          Dagegen reichen die Aktivitäten der Dschihadisten aus dem Jemen weit über die Grenzen des Landes. Der vereitelte Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug im Landeanflug auf Detroit vom 25. Dezember 2009 geht auf ihr Konto, zuvor hatte ein Attentäter der Gruppe versucht, den für den Antiterrorkampf zuständigen stellvertretenden saudischen Innenminister Muhammad Bin Nayef Al Saud zu töten. Auch die im Herbst abgefangenen Paketbomben waren aus dem Jemen verschickt worden. Die neue Garde von Dschihadisten im Jemen gilt als extrem radikal und aggressiv.

          Die derzeitige Stärke, die Zahl ihrer Kämpfer wird auf mehrere Hundert geschätzt, verdankt Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel nicht zuletzt ihrem Führer Nassir al Wahaishi. Als dieser im Februar 2006 mit knapp zwei Dutzend weiteren Qaida-Kämpfern, unter ihnen weitere wichtige Führer, aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Sanaa floh, galt die Terrororganisation dort schon als besiegt. Wahaishi gelang es, im Untergrund al Qaida im Jemen zu reorganisieren, den Führer der rivalisierenden Organisation „Kataeb Dschund al Yemen“ (Brigade der Soldaten des Jemen) auszuschalten und dessen Leute hinter sich zu bringen. Bin Ladins Stellvertreter Ayman al Zawahiri ernannt ihn zum „Emir von Al Qaida“. Im Januar schlossen sich der jemenitische und der saudische Ableger des Terrornetzes zu „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ zusammen. Der Jemenit Wahaishi erhielt einen saudischen Stellvertreter. Schon vorher hatten saudische Dschihadisten im Nachbarland Schutz vor Verfolgung durch saudische Behörden gesucht, die den Terroristen mit großer Härte entgegentraten.

          Der Machtkampf als Unbekannte

          Die Führung um Wahaishi ist erfahren. Der Emir hatte wie auch sein Militärchef Qassim al Raimi in Afghanistan an der Seite bin Ladins gekämpft, er war Sekretär des Al-Qaida-Führers. Auch der prominente Prediger Anwar al Awlaki soll sich unter dem Schutz seines Stammes im Jemen aufhalten.

          Eine Unbekannte ist in indes der Machtkampf zwischen Präsident Salih und der Opposition. Mit den demokratischen Umstürzen in der Region hat sich Al Qaida bisher schwer getan. Doch es ist fraglich, ob die Stämme unter einer neuen Regierung ihre eigenen Interessen dem Kampf gegen den Terrorismus unterordnen. Die Bewegungsfreiheit der Dschihadisten dürften die derzeitigen Unruhen eher vergrößern. Die Führung unter Salih hat stets ein doppeltes Spiel betrieben, hat von Saudis und Amerikanern Hilfe für den gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus gefordert, zugleich aber auch Kontakte zu den Dschihadisten gepflegt. Generalmajor Muhsin al Ahmar, der sich Ende März hinter die Protestbewegung gestellt hatte galt als Verbindungsmann des Regimes zu Al Qaida.

          Al Qaida im Irak

          „Die Welt ist das größte Symbol des Bösen losgeworden, einen Mann, der den Hass gegen die Mitmenschen verkörpert hat“, heißt es in dem Brief, den der irakische Präsident Talabani an Barack Obama geschrieben hat. Die Gegner Al Qaidas im Irak sind überzeugt, dass die Dschihadisten es jetzt noch schwerer haben. Der Tod Usama bin Ladins bedeute für die dortigen Extremisten den Verlust einer wichtigen Symbolfigur, sagen Führer der „Erweckungsräte“ zu denen sich von 2006 an Sunniten formiert hatten, um Al Qaida zu bekämpfen. Die Extremisten würden es fortan noch schwerer haben, Geld und Freiwillige aufzutreiben. Zuletzt war im Februar der Militärchef der Organisation von irakischen Sicherheitskräften erschossen worden.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.