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Mubarak klammert sich an die Macht : „Wenn ich jetzt gehe, bricht Chaos aus“

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Fromme Regierungsgegner mit einem Plakat, das Mubarak für dessen Nähe zu Israel diffamiert. Bild: Foto - F.A.Z. Helumt Fricke

Trotz aller Proteste: Staatspräsident Mubarak will nicht sofort zurücktreten, sein Vize sucht den Dialog mit den Muslimbrüdern. Für Journalisten wird die Arbeit immer gefährlicher. Und die Bundesregierung gibt eine Reisewarnung aus.

          Vor neuen Protesten nach dem Freitagsgebet hat in der Nacht in Kairo eine „angespannte Atmosphäre“ geherrscht. Die Lage sei ruhig, berichtete eine Korrespondentin des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschazira weiter. Sporadisch seien Schüsse zu hören gewesen. Zu den neuen Protesten würden Hunderttausende erwartet.

          Die Ausgangssperre missachtend verharrten in der Nacht auf dem zentralen Tahrir-Platz in der Hauptstadt Tausende von Gegnern von Präsident Husni Mubarak. Eine Demonstrantin sagte Al-Dschazira am frühen Morgen, die Regierungsgegner auf den Platz seien im Alarmzustand. Aber viele seien zuversichtlich, dass sie am Freitag mit neuen Massenprotesten ihr Ziel erreichen könnten: den Rücktritt Mubarak.

          „Chaos wird ausbrechen“

          Neun Tage massive Proteste und blutige Schlachten zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Husni Mubarak haben dessen Regime zwar zum Wanken, aber dennoch nicht zum Einsturz gebracht. Am Abend wiederholte Mubarak im amerikanischen Sender ABC seine grundsätzliche Bereitschaft zum Rücktritt, prophezeite aber: „Wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen“. Nach Angaben des Senders hält sich Mubarak mit seiner Familie im schwer bewachten Präsidentenpalast in Kairo auf.

          Die Demonstranten haben genug von ihrem Präsidenten

          Mubaraks Vize Omar Suleiman bot der Opposition einschließlich der Muslimbruderschaft umfassende Verhandlungen an. Das Militär stellte sich am Donnerstag schützend vor Demonstranten, die auch an diesem Freitag massenweise auf die Straße gehen wollen. der amerikanische Präsident Barack Obama betet nach eigenen Angaben für Frieden in Ägypten. Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte von der ägyptischen Regierung, die Angriffe auf friedliche Demonstranten in Kairo unverzüglich zu unterbinden.

          Der neue ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen für die nächtlichen Angriffe auf Regimegegner und eine Untersuchung der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz in Kairo an. Dabei wurden nach Angaben es Gesundheitsministeriums in den vergangenen Tagen 13 Menschen getötet. Die ägyptische Justiz untersagte führenden Vertretern des Regimes die Ausreise.

          Die deutsche Bundesregierung warnt angesichts der gewaltsamen Unruhen vor Reisen in die ägyptische Hauptstadt Kairo sowie nach Alexandria und Suez. Das Auswärtige Amt gab am Donnerstagabend eine sogenannte „Teilreisewarnung“ für die drei Städte aus. Von Reisen in die übrigen Landesteilen einschließlich der Urlaubsgebiete am Roten Meer wird demnach weiterhin „dringend abgeraten“.

          Suleiman: „Es gibt keinen Staat ohne Kopf“

          Vizepräsident Suleiman schloss einen Rücktritt Mubaraks vor Ablauf seiner Amtszeit im September kategorisch aus. „Die Forderung nach Rücktritt des Präsidenten ist ein Aufruf zum Chaos“, erklärte er am Donnerstag in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen in Kairo. „Es gibt keinen Staat ohne Kopf.“ Mubarak selbst sagte am Abend zu den blutigen Ausschreitungen, ihm täten die Gewaltexzesse leid. „Ich war sehr unglücklich darüber, was gestern (Mittwoch) geschehen ist. Ich möchte nicht, dass Ägypter gegen Ägypter kämpfen“, sagte Mubarak.

          Suleiman lud erstmals die verbotene islamistische Muslimbruderschaft zu Gesprächen ein. „Ich habe sie kontaktiert, ich habe sie eingeladen, aber sie zögerten noch, in einen Dialog einzutreten“, sagte er. Wenige Stunden zuvor hatte sich der Vizepräsident mit Vertretern mehrerer kleinerer Oppositionsgruppen getroffen. Die Muslimbruderschaft gilt als die größte Oppositionsbewegung in Ägypten. An den Protesten gegen das Regime auf dem Tahrir-Platz nehmen ihre Mitglieder teil, als Organisation zeigt sie aber dort nicht Flagge.

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