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Mubarak klammert sich an die Macht : „Wenn ich jetzt gehe, bricht Chaos aus“

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Die Opposition verlangt Mubaraks sofortigen Rücktritt

Führende Oppositionelle, darunter der Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei und der ehemalige liberale Präsidentschaftskandidat Eiman Nur, verlangen als Bedingung für einen Dialog Mubaraks sofortigen Rücktritt. Suleiman drängte hingegen die Opposition zur Vorbereitung der Wahl eines Nachfolgers Mubaraks im August oder September. „Die Zeit drängt“, sagte Suleiman in dem Fernseh-Interview. „Wir brauchen 70 Tage allein um die Verfassung zu modifizieren.“

Er erwähnte jene Verfassungsartikel, die derzeit eine freie Präsidentenwahl unmöglich machen. Die von der Opposition verlangte Auflösung des Parlaments lehnte er ab. Die Volksvertretung werde benötigt, um die Verfassungsänderungen auf den Weg zu bringen.

Soldaten gingen zwischen den Fronten in Stellung

Die Armee stellte sich am Donnerstag zwischen die verfeindeten Gruppen. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa beobachtete, gingen Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren zwischen den Fronten in Stellung. Auf dem Platz befanden sich mehrere tausend regierungsfeindliche Demonstranten. Ihnen standen hunderte Mubarak-Anhänger gegenüber. Immer wieder gab es Zusammenstöße.

Das Militär sperrte die Zufahrtsstraßen zum Tahrir-Platz weiträumig ab. Auf dem Platz errichteten Demonstranten weitere Barrikaden. Neu ankommende Demonstranten verteilten Lebensmittel und Trinkwasser. Die Geschütztürme der Panzer, deren Rohre zunächst auf die Platzmitte gerichtet waren, wurden nach Augenzeugenberichten in die Gegenrichtung gedreht.

Für ausländische Reporter wird die Arbeit immer gefährlicher

Für eine Stabilisierung Ägyptens spielt das Militär eine zentrale Rolle. „Das Militär ist der Schiedsrichter“, sagte der Nahost-Experte Asiem El Difraoui von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Eine Übergangsregierung mit einem General als Interimspräsidenten sei deshalb denkbar. „Aber es muss ein General sein, den das Volk tolerieren kann.“

Für ausländische Reporter wird die Arbeit immer gefährlicher. Einige wurden verletzt und mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Die Situation werde dramatischer, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey der dpa. Die Bedrohungen nähmen zu, den Kollegen werde Ausrüstung abgenommen, Kassetten würden entwendet. Dem Fernsehteam des Senders n-tv wurde ebenfalls zeitweise die Ausrüstung weggenommen. Eine auch für das ZDF arbeitende Journalistin kam in Kairo nach 20 Stunden wieder frei.

Berichterstatter wurden geschlagen und beraubt

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) beklagte, bei den Übergriffen seien auch mehrere Berichterstatter geschlagen und ihrer Ausrüstung beraubt worden. Betroffen seien Mitarbeiter von Sendern wie BBC, Al-Dschasira, CNN, Al-Arabija und ABC News. Ein epa-Fotograf wurde am Kopf verletzt und von Armeesoldaten gerettet. Ein CNN-Reporter wurde mit seinem Team während laufender Kamera von Straßenkämpfern angegriffen.

Ein ägyptischer Generalstaatsanwalt untersagte bisherigen ranghohen Vertretern des Regimes die Ausreise. Die Anordnung betreffe Wirtschaftsleute und frühere Minister, berichteten ägyptische Staatsmedien. Außerdem seien Bankkonten eingefroren worden. Von der Anordnung sind ranghohe Vertreter von Mubaraks Nationaldemokratischer Partei (NDP) wie der Stahlmagnat Ahmed Ezz betroffen. Auch der frühere Innenminister Habib al-Adli wurde genannt.

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