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Mossul-Offensive gegen IS : Vormarsch an vier Fronten

Victory-Zeichen: Das irakische Militär gibt sich vor der Schlacht um Mossul siegessicher. Bild: AFP

Die irakische Armee und ihre Verbündeten haben mit dem Sturm auf die IS-Hochburg Mossul begonnen. Bis zur Eroberung dürfte es aber dauern. Es wird ein blutiger Häuserkampf befürchtet.

          Eigentlich wollte der „Islamische Staat“ (IS) in Dabiq, nördlich von Aleppo, die Armeen der Ungläubigen in einem eschatologischen Endkampf herausfordern und damit das Jüngste Gericht einleiten. Am Sonntag aber wurden die Dschihadisten aus Dabiq vertrieben. Am Morgengrauen des Montags kam es für den IS noch schlimmer: Der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi kündigte in einer Fernsehansprache die Rückeroberung von Mossul an, den Sitz des „Kalifats“ also.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Denn am 4. Juli 2014 hatte Abu Bakr al Bagdadi dort in der Nouri-Moschee die Predigt gehalten, in der er sich als der „Kalif“ vorstellte. Nun aber steht der Fall seines Reichs bevor. Damit droht dem IS nicht nur eine militärische Niederlage, sondern auch eine ideologische.

          Seit Montag bewegt sich eine Streitmacht von 40.000 irakischen Soldaten, unterstützt durch die internationale Anti-IS-Koalition, auf Mossul zu. Die Schätzungen der Zahl der IS-Dschihadisten, die sich in der Stadt verschanzt haben, reichen von 4000 bis 8000. Am 10. Juni 2014 hatten dem IS noch tausend schwarz gewandete Kämpfer genügt, um Mossul nahezu widerstandslos zu erobern. Die Einheiten der irakischen Armee machten sich damals feige und rasch aus dem Staub. Mehr als 60.000 Soldaten und Polizisten setzten sich nach Süden ab, ihre Waffenarsenale fielen in die Hände des IS.

          Das wird sich nicht wiederholen. Seither hat sich das Blatt gewendet: Die irakische Armee wurde professionalisiert; die kurdischen Peschmerga erhalten Waffen, auch von Deutschland; die Vereinigten Staaten haben die Zahl ihrer Soldaten und militärischen Berater im Irak auf mehr als 5000 aufgestockt; schiitische Milizen wurden unter dem Namen „Volksmobilisierung“ (Haschd schaabi) gegründet. Sie hatten entscheidenden Anteil an der Vertreibung des IS aus anderen Städten.

          Sturm auf Mossul: lange angekündigt, nun erst begonnen

          Nach jeder Rückeroberung einer Stadt hatte die irakische Regierung angekündigt, dass Mossul das nächste Ziel sei: nach Tikrit im März 2015, nach Ramadi im Dezember 2015 und nach Falludscha um Juni. Der Startschuss blieb jeweils aus. Denn die irakische Armee war noch nicht so weit, und die schiitischen Haschd-Milizen mit ihren einflussreichen Führern bestanden darauf, auch an der Einnahme von Mossul beteiligt zu sein. Das hat ihnen Ministerpräsident Abadi in den vergangenen Wochen ausgeredet. Denn diese schiitischen Milizen waren in der Vergangenheit in den eroberten Städten grausam gegen Sunniten, denen sie pauschal Sympathie für den IS unterstellten, vorgegangen. Die Regierung in Bagdad will den Einwohnern von Mossul nun aber das Gefühl geben, dass sie von der irakischen Armee befreit und nicht von schiitischen Milizen besiegt werden.

          Der britische Sender BBC zitierte Verteidigungsminister Michael Fallon mit den Worten, die militärischen Abkommen für die Eroberung von Mossul seien am 23. September finalisiert worden, in den kommenden Wochen werde die Operation beginnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte mit dem 19. Oktober sogar ein konkretes Datum.

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