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Naher Osten : „Mossad und CIA töteten Mugnijeh“

Der Anschlag im Zentrum von Damaskus führte 2008 zu einem Zerwürfnis zwischen Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah und Syriens Präsident Baschar al Assad Bild: AP

Laut Medienberichten soll der frühere Hizbullah-Militärkommandeur Imad Mugnijeh vor sechs Jahren in einer gemeinsamen Operation der CIA und des Mossad ermordet worden sein. Warum wird dies ausgerechnet jetzt publik?

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          Der frühere Hizbullah-Militärkommandeur Imad Mugnijeh soll in einer gemeinsamen Operation  des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA und des israelischen  Auslandsgeheimdienstes Mossad ermordet worden sein. Das berichtete am  Wochenende die Tageszeitung „Washington Post“ und das Nachrichtenmagazin  „Newsweek“. Amerikanische Agenten hatten demnach den Libanesen im Februar 2008 vor einem Restaurant in der syrischen Hauptstadt Damaskus aufgespürt. Israelische Geheimdienstler zündeten dann von Tel Aviv aus eine an seinem Wagen angebrachte Bombe, die in Amerika hergestellt worden war.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die amerikanische Regierung unter Präsident George W. Bush und der amerikanische  Generalstaatsanwalt hätten die Operation zuvor mit der Begründung genehmigt,  dass Mugnijeh von Syrien aus an der Ausbildung und Ausrüstung schiitischer Milizen im Irak mitgewirkt habe, die dort amerikanische Soldaten angriffen. Der Anschlag im Zentrum von Damaskus führte zu einem Zerwürfnis zwischen Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah und Syriens Präsident Baschar al Assad, der zu dem Zeitpunkt indirekte Friedensgespräche mit Israel führte. Westliche Staaten, darunter Deutschland und Amerika, hatten damals  vergeblich daran gearbeitet, Assad dazu zu bewegen, seine Zusammenarbeit mit  der Hizbullah und Iran aufzugeben.

          Netanjahu verärgert Weißes Haus

          In Israel wurde am Sonntag darüber spekuliert, warum die amerikanische  Beteiligung jetzt bekannt wurde. Weder die israelische noch die amerikanische  Regierung hatten sich bisher der Urheberschaft bezichtigt; die Quelle für die Presseberichte waren dieses Mal mehrere ungenannte frühere Geheimdienstmitarbeiter. Die israelische Zeitung „Maariv“ vermutet, dass damit  Israel deutlich gemacht werden soll, wie wichtig eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsdiensten beider Staaten sei, von der in diesen Tagen nicht mehr die Rede sein könne: Im Weißen Haus ist man verärgert über die Iran-Rede, die Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im März vor dem Kongress in Washington halten wird, die nicht mit Präsident Barack Obama abgesprochen war.

          In Israel wird aber auch für möglich gehalten, dass die  Zeitungsberichte primär dazu dienten, auf die Verdienste der CIA hinzuweisen,  der wegen seiner Verhörmethoden zuletzt in Amerika in die Kritik geraten  sei. Israelische Geheimdienstkenner weisen einhellig den Eindruck zurück, der  Mossad sei bei der Aktion nur der „Juniorpartner“ gewesen.

          Die Liste der Vorwürfe gegen Mughnijeh reicht noch viel weiter zurück. So soll er im Jahr 1983 auch an dem Bombenanschlag auf eine amerikanische Kaserne in Beirut  beteiligt gewesen sein, bei dem 241 Soldaten getötet wurden. Zudem soll er 1985  in die Entführung eines TWA-Flugzeugs verwickelt gewesen sein. Mughnijeh wird  außerdem verdächtigt, den Anschlag auf die israelische Botschaft in Argentinien 1992 organisiert zu haben, bei 29 Menschen umkamen.

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