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Mohammed-Video : Pakistanischer Minister ruft zum Mord an Filmemacher auf

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Kopfgeld auf den Regisseur ausgesetzt: Pakistans Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour Bild: REUTERS

Ein pakistanischer Minister hat ein Kopfgeld auf den Produzenten des islamfeindlichen Films aus den Vereinigten Staaten ausgesetzt. Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour versprach demjenigen, der „diesen Gotteslästerer“ töte, 100.000 Dollar.

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          Nach heftigen Protesten gegen das islamfeindliche Schmähvideo „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime) in Pakistan hat Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Balor ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Dollar auf den Filmemacher ausgesetzt. Er rief am Samstag die Kämpfer der radikalislamischen Taliban und des Terrornetzwerks Al Qaida dazu auf, „ihre heilige Pflicht“ zu erfüllen und den Produzenten des Videos ausfindig zu machen und zu töten.

          Bei Ausschreitungen am sogenannten „Tag der Liebe zum Propheten“ kamen am Freitag in Pakistan über 20 Menschen ums Leben. In Bangladesch protestierten am Sonntag islamistische Gruppen mit einem Generalstreik gegen den Film. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen und der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen. Tausende Sicherheitskräfte patrouillierten in der Hauptstadt Dhaka. Am Samstag war es bei Protesten gegen das Video in Dhaka zu schweren Auseinandersetzungen zwischen aufgebrachten Muslimen und der Polizei gekommen. Die Demonstranten setzten mehrere Autos in Brand, darunter ein Polizeifahrzeug. Dutzende Menschen wurden festgenommen und zahlreiche weitere verletzt. Auch im muslimisch geprägten Norden Nigerias protestierten am Samstag Tausende Menschen gegen den Film.

          Begonnen hatte die Demonstration in der Stadt Kano zunächst in einer Moschee. Von dort lief die stetig anwachsende Menge dann zum Palast des Emirs von Kano, dem geistlichen Führer der Muslime in der Region. Trotz wütender Parolen über den Schmähfilm blieben die Demonstranten friedlich.

          Vier Tote bei Sturm auf Milizen-Lager in Libyen

          In Libyen hingegen kamen nach Medienberichten vier Menschen ums Leben, als eine protestierende Menge am Samstagmorgen die Stützpunkte radikalislamischer Milizen in der Stadt Bengasi stürmte. Mindestens 70 weitere seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur. Die Demonstration war eine Reaktion auf den Tod des amerikanischen Botschafters in der vergangenen Woche. Dieser sowie drei weitere Amerikaner waren bei Protesten gegen den Film ums Leben gekommen. Eine der Milizen gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung des amerikanischen Konsulats.

          Bei der Demonstration brachten einige Teilnehmer ihre Trauer um den Botschafter und seine Mitarbeiter zum Ausdruck. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift: „Der Botschafter war Libyens Freund“ und „Libyen hat einen Freund verloren“. Im französischen La Rochelle nahm die Polizei am Samstag einen Mann fest, der im Internet Morddrohungen gegen den Chefredakteur der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ verbreitet hatte. Die Nachrichtenagentur Sipa meldete, gegen den Mann seien Ermittlungen aufgenommen worden. „Charlie Hebdo“ hatte am Mittwoch Karikaturen über den Propheten Mohammed veröffentlicht. In Frankreich wurde danach befürchtet, dass es zu Protesten ähnlich denen wie gegen den in den Vereinigten Staaten produzierten Mohammed-Schmähfilm kommen könnte.

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