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Mehr als 50 Männer hingerichtet : Bericht über weiteres Massaker in Syrien

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Bei Aleppo wurden nach Angaben der Opposition mindestens 56 Tote gefunden. Die Männer seien hingerichtet worden. Unterdessen stieg die Zahl der syrischen Flüchtlinge auf 700.000. Die EU will 100 Millionen Euro Hilfsgelder bereitstellen.

          In der nordsyrischen Stadt Aleppo haben Aktivisten an einem Fluss mindestens 56 Leichen entdeckt. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag in London erklärte, wurden die Männer offenbar durch Kopfschüsse hingerichtet. Die Opfer seien alle im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gewesen. Die Aktivisten stellten einen Film ins Internet, in dem die Toten zu sehen sind, zum Teil mit auf den Rücken gefesselten Händen. Von unabhängiger Seite konnte die Meldung zunächst nicht überprüft werden. Über die Täter und Hintergründe gab es keine Informationen. Sowohl den Regierungstruppen als auch den Rebellen wurden in dem seit 22 Monaten anhaltenden Bürgerkrieg Massenhinrichtungen vorgeworfen. In der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo befinden sich Aufständische und Regierungstruppen in einem Stellungskrieg.

          Die EU stellt unterdessen weitere 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Syrien bereit. Mit dem Geld solle den vier Millionen notleidenden Menschen in Syrien und den 700000 Flüchtlingen in den Nachbarländern geholfen werden, erklärte die zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva am Dienstag in Brüssel. Insgesamt belaufe sich die von der EU bereitgestellte Finanzhilfe für Syrien nunmehr auf 200 Millionen Euro. „Die Menschen in Syrien frieren, hungern und haben Angst“, so Georgieva vor ihrer Abreise nach Kuweit zur internationalen Geberkonferenz für Syrien, die an diesem Mittwoch beginnt. „Diejenigen, denen es gelungen ist, über die Grenzen zu flüchten, haben oft nicht mehr als die Kleidung auf ihrem Leib“. Sie forderte die syrischen Behörden auf, mehr internationale humanitäre Helfer ins Land zu lassen.

          Löning: Syrer in Deutschland aufnehmen

          Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hat an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) appelliert, syrische Bürgerkriegsflüchtlinge, die in Deutschland Verwandte haben, aufzunehmen. In einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, heißt es, der Druck werde größer, auch das UN-Flüchtlingshilfswerk bitte Berlin, Flüchtlinge aufzunehmen. Löning schlägt Friedrich und den Innenministern der Länder vor, im Zuge der „Gruppenaufnahme“ Verwandte einreisen zu lassen.

          Zurzeit werden Flüchtlinge, welche sich etwa in der deutschen Botschaft in Beirut um ein Visum bemühten, abgelehnt, weil die Konsularabteilung ihnen umständehalber keine Rückkehrwilligkeit attestieren kann. Die Innenministerkonferenz könnte indes den Beschluss fassen, für die Gruppe der Angehörigen eine Ausnahme zu machen. Der scheidende Vorsitzende der Konferenz, der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU), verwies Löning gegenüber auf einen einstimmigen Beschluss der Innenministerkonferenz, eine europäische Lösung abzuwarten.

          Löning plädiert indes dafür, dass Deutschland als Beispiel vorangeht, und verweist darauf, dass Abgeordnete verschiedener Fraktionen ihm Unterstützung signalisiert hätten. Zudem lägen viele Anfragen von Deutsch-Syrern vor, die anböten, für Unterkunft und Unterhalt ihrer Angehörigen aufzukommen. Löning schreibt schließlich, es sei wichtig, nicht in einen Streit über die Zahl der Aufzunehmenden zu verfallen, sondern „schnell mit der Aufnahme zu beginnen“ und die Zahl je nach Lage gegebenenfalls anzupassen. Die Mehrheit der rund 700000 Kriegsflüchtlinge aus Syrien befinden sich nach Informationen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen im Libanon, in Jordanien und in der Türkei.

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