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Massengrab in Syrien entdeckt : Massaker für Öl und Land

  • -Aktualisiert am

Zerstörungswerk: Junge Männer transportieren einen Verletzten nach einem Angriff der Luftwaffe Baschar al Assads auf Maaret al Numan. Bild: Reuters

Im Osten Syriens wurde ein Massengrab mit Zivilisten des Scheitat-Stammes entdeckt. Sie gehen auf das Konto des IS. Im Nordwesten gewinnt indes die Nusra-Front an Macht und setzt Assad weiter unter Druck.

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          Die Zahlen dürften noch steigen. Mehr als 230 Menschen sind am Mittwoch in einem Massengrab im Osten Syriens gefunden worden, die meisten von ihnen Mitglieder des Stammes der al Scheitat. Tausend Menschen werden von Familienangehörigen noch vermisst, seitdem der „Islamische Staat“ (IS) im August in mehreren Gemeinden in der Provinz Deir al Zor Massaker verübte. Weil sich die Scheitat geweigert haben sollen, IS-Führer Abu Bakr al Bagdadi die Treue zu schwören, ermordeten die Dschihadisten 700 Menschen. Überlebende berichteten später von Massenhinrichtungen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Donnerstag mit, die Toten seien „in großer Mehrheit Zivilisten“ gewesen.

          Zur Entdeckung des Massengrabes konnte es kommen, weil Bagdadi geflohenen Stammesführern im November die Rückkehr in ihre Siedlungsgebiete erlaubt haben soll. Allerdings mussten sie sich dazu verpflichten, keine Versammlungen abzuhalten und vermeintliche Apostaten der Gruppe zu melden. In der ölreichen, an den Irak angrenzenden Provinz Deir al Zor übt der „Islamische Staat“ weitgehend die Kontrolle aus. Zu den Massakern an den Angehörigen des Scheitat-Stammes soll es auch deshalb gekommen sein, weil diese sich geweigert hatten, den IS-Kämpfern von ihnen kontrollierte Ölfelder zu überlassen. Trotz Dutzender Militärschläge durch die gegen den IS gerichtete Luftallianz ist es der Gruppe gelungen, ihr Gebiet im Osten Syriens weitgehend zu halten.

          Hoher Blutzoll auf Regierungsseiten

          Im Nordwesten Syriens wiederum setzt sich der Aufstieg der Nusra-Front zur bestimmenden militärischen Gruppe fort. In den vergangenen Tagen gelang es ihr, zwei Stützpunkte des Regimes in der Provinz Idlib einzunehmen. Bei Angriffen der syrischen Luftwaffe auf die Gemeinden Kafranbel und Maaret al Numan am Dienstag wurden mehr als zwanzig Menschen getötet. Nach der Vertreibung der gemäßigten Revolutionären Front aus der an die Türkei angrenzenden Provinz im Oktober hat der syrische Ableger des Terrornetzes Al Qaida seine Gebiete in Idlib damit weiter konsolidiert. Noch zu Jahresbeginn hatte die Freie Syrische Armee (FSA) hier eine ihrer Hochburgen. Nun kontrolliert der politische Arm des oppositionellen Exilbündnisses Nationale Koalition nur noch kleine Gebiete zwischen Damaskus und der jordanischen Grenze.

          Für die Verhandlungen um einen Waffenstillstand in Aleppo, wie sie seit einigen Wochen der Sondergesandte der Vereinten Nationen für Syrien, Staffan de Mistura, führt, sind das schlechte Voraussetzungen. Regierungseinheiten sind in den vergangenen Tagen näher an den letzten Nachschubweg herangerückt, der die Aufständischen in Aleppo mit der Außenwelt verbindet. Der Vorsitzende der Koalition, Hadi al Bahra, fordert deshalb eine „umfassende politische Lösung“ für den Konflikt, nicht ein Einfrieren der Kämpfe in Aleppo allein. Weiter umstritten zwischen Regierungs- und Oppositionsvertretern ist zudem, ob die Waffen nur in der Stadt oder in der ganzen, gleichnamigen Provinz schweigen sollen.

          Angesichts steigender Opferzahlen könnte der Druck auf Bahra jedoch wachsen, einem lokal begrenzten Abkommen zuzustimmen. Dringend benötigte Lebensmitteltransporte, Decken und Medizin könnten so zur Bevölkerung Aleppos gelangen. Aber auch den Verbündeten von Präsident Baschar al Assad, Iran und Russland, käme eine Rückkehr an den Verhandlungstisch nicht ungelegen: Seit dem Sommer versucht Moskau, gemäßigte Oppositionsvertreter und Regimerepräsentanten für die Abhaltung einer Konferenz zu gewinnen. Der Blutzoll auf Regierungsseiten spricht dafür: Allein 5600 Soldaten seien seit der Wiederwahl Assads im Juli getötet worden, darüber hinaus 4500 Mitglieder regierungstreuer Milizen, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 800 Gefallene stammten aus Iran und verbündeten arabischen Staaten oder gehörten der libanesischen Hizbullah an.

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