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Massaker in Syrien : UN-Bericht bringt keine Gewissheit

Zeugenaussagen eine Woche nach dem Massaker: UN-Beobachter protokollieren, was ihnen Überlebende berichten Bild: AFP

Der neue UN-Bericht über das Massaker in Hula klärt die offenen Fragen nicht. Die Aussagen von Augenzeugen bleiben widersprüchlich, Satellitenbilder wenig aussagekräftig. Über die Täter ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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          Das letzte Wort zum Massaker von Hula wird der Bericht der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für Syrien nicht gewesen sein. Der 102 Seiten umfangreiche Bericht, unter der Leitung von Paulo Sergio Pinheiro erstellt, widmet sich der Lage der Menschenrechte in Syrien. Er stellt eine Zunahme der Übergriffe fest, wirft sowohl dem Regime als auch der Opposition Kriegsverbrechen vor, letzterer aber in geringerem Ausmaß. Auf fünf Seiten fasst der Bericht Erkenntnisse zum Massaker von Hula zusammen, bei dem am 25. Mai 108 Menschen getötet worden waren, unter ihnen 49 Kinder und 34 Frauen. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, es gebe eine „begründete Grundlage zu glauben“, dass sich die Täter aus dem Regime rekrutiert hätten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Was war an jenem 25. Mai geschehen? Am frühen Nachmittag hatten Einheiten der regulären Streitkräfte und der Rebellen um die Straßenkontrollpunkte im Süden von Taldu, dem Zentrum von Hula, gekämpft. Die Armee beschoss Taldu mit Artillerie und Granaten. Das Massaker wurde erst nach 17 Uhr verübt. Die Opfer starben durch Hieb- und Stichwaffen sowie durch Schüsse, die aus nächster Nähe abgegeben worden sind.

          Präzedenzfall im Kosovo

          Wenige Stunden nach dem Massaker meldete der oppositionelle Syrische Nationalrat, die regimenahen Schabiha-Milizen hätten das Massaker begangen. Alle großen internationalen Medien machten sich diese Sicht zu eigen. Der Syrische Nationalrat wiederholte seine Forderung nach einer internationalen militärischen Intervention, die bisher ergebnislos verhallt war. Als Präzedenzfall hätte das Massaker von Račak vom 15. Januar 1999 dienen können. Damals wurden 45 Kosovo-Albaner getötet. Das Massaker führte zur Entscheidung der Nato, militärisch gegen den serbischen Diktator Milošević vorzugehen. Anders als in Hula haben in Račak finnische Forensiker zwei Monate nach dem Massaker und dann nochmals Ende 1999 die Leichen untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass unbewaffnete Zivilisten getötet worden und serbische Truppen die Täter gewesen seien.

          In Hula waren forensische Untersuchungen nicht möglich. Dabei würden ihre Ergebnisse Hinweise auf die Täter geben. Als UN-Beobachter am Morgen des 26. Mai in Taldu eintrafen, konnten sie nicht mehr tun, als nur die Orte der Verbrechen in Augenschein zu nehmen. Am 29. Juni antwortete die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linkspartei, die vorliegenden Augenzeugenberichte zu den Vorgängen in Hula seien widersprüchlich. Die Täterschaft lasse sich nicht eindeutig klären, belastbare Hinweise auf eine Beteiligung regimenaher Milizen lägen nicht vor.

          Satellitenbilder wenig aufschlussreich

          Der jüngste Bericht der Pinheiro-Kommission stützt sich auf Interviews mit Augenzeugen und die Auswertung von Satellitenbildern. Ein gesichertes Urteil auf dieser Basis zu fällen, die schmal ist, würde den meisten Richtern schwer fallen. Denn beide Quellen haben ihre Schwächen. Die Kommission befragte Augenzeugen per Skype und telefonisch in Hula sowie persönlich im Ausland. Es ist indessen lebensfremd anzunehmen, dass in dem von den Rebellen beherrschten Hula Einwohner den Mut haben sollten, die Rebellen der Bluttat zu beschuldigen. Gleiches gilt für jene, die unter dem Schutz der Rebellen ins Ausland geflohen sind. Human Rights Watch hat ebenfalls Berichte von Augenzeugen veröffentlicht. Dabei sprechen Überlebende davon, dass die Täter Uniformen getragen hätten und vermummt gewesen seien. Uniformen tragen in diesem Konflikt aber nahezu alle, die an den Kämpfen beteiligt sind.

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