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Massaker in Daraa : Syrien erklärt Demonstranten den Krieg

  • -Aktualisiert am

Regierungskritische Demonstranten passieren eine Barrikade aus brennenden reifen in der Stadt Daraa. Bild: dapd

Syrische Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Opposition mindestens 100 Demonstranten getötet. Uniformierte hatten bei Protesten in Daraa in die Menge geschossen. Tausende versammelten sich in Daraa zur Beisetzung der Opfer.

          Im südsyrischen Daraa sollen Sicherheitskräfte am Mittwoch mehr als hundert Menschen getötet haben, Hunderte seien verletzt worden. Das berichten Nachrichtenagenturen und Menschenrechtsaktivisten unter Berufung auf Bewohner der Stadt. Zunächst war von 15 Menschen die Rede, die bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten durch die Sicherheitskräfte ums Leben gekommen seien.

          Am Donnerstag strömten Tausende ins Zentrum der Stadt, deren Bewohner seit vergangenem Freitag täglich gegen die syrischen Behörden demonstrieren. “Es sind mit Sicherheit mehr als hundert Tote, und die Stadt wird eine Woche brauchen, um all ihre Märtyrer zu begraben“, sagte der Menschenrechtsaktivist Ayman al Asswad der Nachrichtenagentur AFP per Telefon aus Daraa.

          Augenzeugenberichten zufolge eröffneten staatliche Kräfte am Mittwoch das Feuer auf Hunderte Jugendliche, die mit einem Marsch gegen das harte Vorgehen der staatlichen Einheiten protestierten. In der Nacht zuvor hatten Sicherheitskräfte nach Angaben von Anwohnern die al Omri-Moschee im Zentrum der Stadt gestürmt. Die Regierung erklärte dazu, die Sicherheitskräfte hätten auf Mitglieder einer „bewaffneten Bande“ geschossen: „Äußere Kräfte“ würden die Situation in Daraa bewusst falsch darstellen, um Unruhe in Syrien zu stiften. Der von 1970 bis 2000 regierende Vater des heutigen Präsidenten, Hafiz al Assad, hatte die Doktrin „Stabilität und Sicherheit“ etabliert und die Opposition brutal unterdrückt.

          Die syrische Führung erklärte den Regimegegnern unterdessen den Krieg. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung „Al-Watan“ schrieb am Donnerstag: „Was momentan hier im Land geschieht, das ist eine Schlacht gegen eine ausländische Macht, die Millionen von Dollar ausgibt, mit dem Ziel, die Sicherheit und Stabilität Syriens zu erschüttern.“ Alle Syrer müssten deshalb jetzt bereit sein, das Vaterland zu verteidigen. Vor allem die Prediger seien aufgerufen, den Gläubigen zu erklären, dass sie nicht auf die von ausländischen Medien fabrizierten Lügen hereinfallen dürften.

          „Ich habe wirklich Angst vor einem Massaker“

          Am vergangenen Freitag waren in der Stadt an der Grenze zu Jordanien Proteste ausgebrochen, weil die Behörden mehrere Schulkinder verhaftet hatten. Die sieben bis elf Jahre alten Kinder hatten freiheitliche Parolen an Häuserwände gesprüht. Der Versuch, die Demonstrationen gewaltsam zu beenden, trieb jedoch täglich mehr Leute auf die Straße. Nach Angaben des Damascus Centers for Human Rights Studies waren allein bis Mittwoch in Daraa 36 Menschen getötet worden.

          In einer Protesterklärung führt die Menschenrechtsorganisation die bislang bekannten Opfer namentlich auf. In der Nacht auf Mittwoch verschärften die Sicherheitskräfte demnach ihr Vorgehen. Auf ihrer Webpage zitiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Bewohner der Stadt, der von kriegsähnlichen Zuständen spricht: „Ich habe wirklich Angst vor einem Massaker.“ Auf dem Videokanal Youtube finden sich zudem zahlreiche Filme, die Opfer mit Schusswunden zeigen.

          Syriens Präsident Baschar al Assad hatte sich im Januar in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ noch gerühmt, die Lage in Syrien anders als die Führungen in Tunesien oder Ägypten im Griff zu haben. Zugleich räumte er ein: „Wenn es einen Riss gibt zwischen offizieller Politik und den Überzeugungen und Interessen des Volkes, entsteht jenes Vakuum, das Unruhen erzeugt.“ Dieses Vakuum ist in der armen Provinz an der Grenze zu Jordanien nun offenbar entstanden.

          Proteste richten sich gegen die Zustände selbst

          Aus Solidarität mit den Opfern kam es auch in anderen Gemeinden in der von Wassernot geplagten Gegen in den vergangenen Tagen zu Protesten. An diesem Freitag wollen Syrer landesweit auf die Straße gehen. Inwieweit sie sich von dem mutmaßlichen Massaker in Daraa abschrecken lassen, ist offen. 1982 hatte Assads Vater Hafiz einen Aufstand der Muslimbruderschaft im westsyrischen Hama brutal niedergeschlagen, Tausende kamen dabei um.

          Bereits seit Ende Januar ist es in Damaskus und anderen Städten immer wieder zu kleineren Solidaritätskundgebungen mit den Aufständischen in Tunesien, Bahrain, Jemen und Ägypten gekommen. Seit vergangener Woche richten sich die Proteste jedoch gegen die Zustände in Syrien selbst. Unter anderem fordern die Demonstranten ein Ende des seit 1963 herrschenden Ausnahmezustands, einen Bruch mit der Einparteienherrschaft des „Baath“-Regimes und Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Am Donnerstag waren in Daraa Augenzeugen zufolge bereits 20.000 Menschen auf der Straße.

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