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Marokko : Nicht mehr der coole King

  • -Aktualisiert am

König Mohammed VI. Bild: AFP

Noch sieht sich Marokko als stabile Oase im Maghreb. Doch auch hier werden Forderungen laut, die den König in Bedrängnis bringen könnten. Die Frage ist, ob er bereit ist, über seinen Schatten eines absoluten Monarchen zu springen.

          Die meisten Marokkaner, auch die jungen, sprechen gut über ihren König. „M 6“, wie sie Mohammed VI. nennen, ist im zwölften Jahr nach seiner Thronbesteigung zwar nicht mehr der „cool king“ auf dem Jetski, der seinen autoritären Vater Hassan II. ablöste. Er hat auch etwas von dem Glanz des experimentierfreudigen „Reformkönigs“ der ersten Phase eingebüßt. Aber wenn er zu seinen Untertanen spricht - in der Doppelrolle als Monarch und „Beherrscher der Gläubigen“ -, tut er es mit der Verheißung von mehr Modernisierung und wirtschaftlichem Aufschwung.

          Doch auch in Marokko hatten in fast allen Großstädten arbeitslose jugendliche Akademiker über das Internetportal Facebook am vergangenen Sonntag zu Kundgebungen für mehr Demokratie, weniger Korruption, mehr Jobs und eine Verfassungsreform nach dem „spanischen Vorbild“ einer funktionierenden konstitutionellen Monarchie aufgerufen. Sie verliefen zunächst friedlich, bis sich in den Abendstunden, wie es offiziell heißt, sporadisch „kriminelle Elemente“ einmischten, Geschäfte plünderten, Drogen und Alkohol aus einer Zollstation raubten und unter den Augen einer zu strikter Zurückhaltung veranlassten Polizei als Straßenvandalen marodierten. In Tanger waren es Hooligans aus dem Fußballstadion, die sich nach einem Spiel der Menge anschlossen. In Al Hoceima wurden nach einem Brandanschlag auf eine Bankfiliale fünf noch nicht identifizierte verkohlte Leichname gefunden. Waren es Angestellte oder Bankräuber? Das verdüsterte das Bild eines „Tages der Würde“, der Marokko eigentlich von seiner liberalen Seite zeigen sollte.

          Tausende Jugendlicher tauschten ihr Profilfoto gegen ein Bild von M 6 aus

          Es waren keine massenhaften Aufmärsche, auch wenn sich die verbotene, aber weitgehend tolerierte islamistische Bewegung „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ mit niedrigem Profil und ohne alle religiöse Symbolik angeschlossen hatte. Mögen Facebook-Revolutionäre anderswo in Nordafrika schon bei dem Sturz von Potentaten behilflich gewesen sein, so gab es hier in Marokko ein unvermitteltes Kontrastprogramm. Tausende Jugendlicher tauschten ihr Profilfoto gegen ein Bild von „M 6“ aus und verbreiteten auf diesem Weg Loyalitätsbekenntnisse.

          Die Frage ist, ob und wieweit Mohammed VI. bereit ist, über seinen langen Schatten eines absoluten Monarchen zu springen und die Macht mittelfristig mit einer reformierten Verfassung zu teilen. Zwar atmet es sich in Marokko leichter als überall sonst im Maghreb, weil es ein breites Spektrum (gelenkter) politischer Parteien und in Grenzen auch eine bemerkenswerte Pressefreiheit gibt. Aber es gibt auch drei Tabuthemen: die Monarchie, die Religion und die Staatssicherheit. Die Letztgenannte reicht vom Kampf gegen islamistischen Extremismus à la Al Qaida bis zur ehernen Beherrschung der Westsahara. Hier endet die Debatte und beginnt der „Patriotismus“.

          Von Amnesty International bis zu Human Rights Watch wurden deshalb sogleich ausgewählte Stimmen publiziert, die den „ruhigen Verlauf“ und die „Toleranz“ der Sicherheitsbehörden lobten. Wer immer sich mit einem Kompliment meldete, wie zum Beispiel der spanische Nachbar und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, bekam in den Zeitungen eine Spalte und ein Gegenlob des Regierungssprechers.

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