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Luftangriffe auf Libyen : Gaddafi droht mit „langem Krieg“

  • Aktualisiert am

Beschuss von Regierungstruppen nahe Benghasi Bild: REUTERS

In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist in der Nacht zum Montag offenbar auch die Residenz von Machthaber Gaddafi getroffen worden. Berichte über zivile Opfer empören die Arabische Liga. Gaddafi ließ eine Waffenruhe verkünden, erklärt aber zugleich, er sei „zu einem langen Krieg bereit“.

          In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ein Gebäude in der Residenz von Machthaber Muammar al Gaddafi bei einem Angriff zerstört worden. Es soll sich um ein Verwaltungsgebäude in dem Komplex handelen, der in Bab al Asisija im Süden von Tripolis liegt.

          Es wurde nach Angaben eines Regierungssprechers von einer Rakete getroffen und vollständig zerstört. Das Gebäude liegt demnach rund 50 Meter von dem Zelt entfernt, in dem Gaddafi häufig seine Besucher empfängt. Schon zuvor waren in der Nacht zum Sonntag in Tripolis schwere Explosionen zu hören gewesen. Der nationale Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Barack Obama sagte unterdessen, der am Sonntagabend von der libyschen Regierung abermals verkündete Waffenstillstand sei „eine Lüge oder er wurde unmittelbar gebrochen“. Tom Donilon äußerte sich in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro, wo sich Obama zu einem Besuch aufhielt. Die libysche Regierung hatte am Sonntagabend eine Waffenruhe verkündet.

          Die amerikanisch geführten Streitkräfte haben ihre ersten Luftangriffe auf militärische Ziele in Libyen als Erfolg gewertet. Sämtliche Flugzeuge der alliierten Kräfte seien sicher zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi seien „isoliert und durcheinander“, teilte das Pentagon mit. Zudem gebe es keine Belege für zivile Opfer.

          Der amerikanische Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Admiral Michael Mullen, sagte dem Sender CNN, es sei gelungen, den größten Teil der libyschen Flugabwehr auszuschalten; auch viele Start-und-Lande-Bahnen seien zerstört worden. Eine Flugverbotszone sei nun „wirksam eingerichtet“, sagte Mullen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die libysche Luftwaffe aktiv sei oder Gaddafi einen Einsatz chemischer Waffen vorbereite.

          Die internationale Koalition plane nun, die Nachschublinien der Truppen Gaddafis anzugreifen. Mullen bekräftigte, es sei nicht das Ziel des Militäreinsatzes, einen Regimewechsel herbeizuführen. Es sei möglich, dass die Konfrontation in Libyen eine Pattsituation hervorbringe, in der Gaddafi an der Macht bleibe, sagte er.

          Gaddafis Truppen vor Benghasi im Visier

          Nach ersten Angriffen mit Marschflugkörpern von britischen und amerikanischen Schiffen am Samstagabend hatten am Sonntag Kampfjets und Langstreckenbomber der amerikanischen Streitkräfte libysche Bodentruppen und die Luftabwehr beschossen.

          Amerikanische, britische und französischen Kampfjets beschossen den Angaben zufolge zudem Einheiten der Streitkräfte Gaddafis in einem Gebiet rund 15 Kilometer südlich der Rebellenhochburg Benghasi. Es ist der größte Angriff westlicher Streitkräfte auf ein arabisches Land seit der Irak-Invasion von Amerikanern und Briten.

          Gaddafi: „Langer Krieg gegen die Kreuzritter“

          Der seit 41 Jahren herrschende Gaddafi verurteilte den internationalen Militäreinsatz als terroristisch und sprach von einem „kolonialen Feind“. Der libysche Diktator kündigte an, er werde einen „langen Krieg“ gegen die „Kreuzritter“ und „neuen Nazis“ führen: „Wir werden unser Land nicht verlassen und wir werden es befreien“. Das „ganze Mittelmeer werde zum Schlachtfeld“,

          In einem Telefongespräch, das im Staatsrundfunk ausgestrahlt wurde, sagte er, seine Truppen würden um jeden Quadratmeter erbittert kämpfen, die Bevölkerung stehe hinter ihm.

          Das Staatsfernsehen meldete, es würden Waffen an eine Million Libyer verteilt. Tausende von Zivilisten folgten dem Aufruf Gaddafis und bildeten um sein Hauptquartier sowie wichtige Einrichtungen wie den Flughafen von Tripolis menschliche Schutzschilde. Arabische TV-Sender meldeten, über dem Stützpunkt Bab al-Asisija in Tripolis sei am Abend Rauch aufgestiegen. Dort lebt Gaddafi mit seiner Familie.

          Am Abend verkündeten die libyschen Streitkräfte dann überraschend abermals eine Waffenruhe. Man folge damit einem Aufruf der Arabischen Liga. Allerdings hatte Libyen bereits am Freitag eine Waffenruhe verkündet, dann aber selbst nicht befolgt. Gaddafis Truppen setzten am Sonntag ihre Angriffe auf die Regimegegner fort. Nach Berichten von Aufständischen und Anwohnern drangen Soldaten und Panzer in das Zentrum der Stadt Misrata im Westen des Landes ein. Bei den Kämpfen habe es viele Opfer gegeben, hieß es.

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