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Libyen : Prügeleien und Schüsse in Tripolis

  • Aktualisiert am

Anti-Gaddafi-Proteste nach dem Freitagsgebet in Benghasi Bild: REUTERS

In der libyschen Hauptstadt ist es nach dem Freitagsgebet zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern von Machthaber Gaddafi gekommen. Unterdessen rollt internationale Hilfe für die vielen in Tunesien festsitzenden Flüchtlinge an.

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          In Tripolis sind Gegner und Anhänger von Staatschef Gaddafi aneinandergeraten. Vor einer Moschee in der Innenstadt der libyschen Hauptstadt gingen nach dem Freitagsgebet mehr als tausend Regimegegner und Gaddafi-Anhänger mit Fäusten aufeinander los. Die eine Seite rief: „Das Volk will den Sturz des Oberst (Gaddafi).“ Die andere Seite rief: „Das Volk will Muammar, den Oberst.“

          Gaddafi-treue Milizionäre, die grüne Armbinden trugen, schossen nach Angaben von Augenzeugen in die Luft, um die Regimegegner zu vertreiben. Die Stadtteile Tadschura und Souk al-Jumaa, in denen es ebenfalls größere Anti-Regime-Proteste gab, wurden nach Berichten von Augenzeugen inzwischen von Gaddafi-Truppen mit Panzern umstellt.

          Bereits seit Tagen kommt es in Tripolis regelmäßig zu Verhaftungen. Die Leichen von Menschen, die plötzlich verschwunden waren, wurden häufig später auf offener Straße abgeladen. Videoaufnahmen zeigen, dass Milizen auch nachts mit Geländewagen durch die Stadtviertel fahren und Oppositionelle aus ihren Häusern verschleppen. „Während wir hier sprechen, sind überall um uns herum Agenten, die uns genau beobachten“, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AP.

          Die Auffanglager in Tunesien platzen aus allen Nähten

          Bei Kämpfen zwischen der Protestbewegung und loyal zu Gaddafi stehenden Truppen in der Stadt Zawija sind nach Angaben eines Augenzeugen am Freitag mindestens 18 Menschen getötet worden. 120 Menschen seien verletzt worden. Regimetreue Truppen hätten Sawija von zwei Seiten aus angegriffen, erklärte der Gewährsmann, der sich in einem Krankenhaus aufhielt. Die Stadt werde aber weiter von der Protestbewegung gehalten. Das rund 50 Kilometer westlich von Tripolis gelegene Sawija war in den vergangenen Tagen immer wieder Ziel von Angriffen Gaddafis.

          Bei einer Explosion in einem Munitionsdepot nahe der von Regierungsgegnern gehaltenen libyschen Stadt Bengasi sind nach Krankenhausangaben am Freitag mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Die Wucht der Detonation habe Häuser in der Nachbarschaft getroffen, die Zahl der Todesopfer könne daher noch steigen, erklärten Ärzte. Der Mediziner Habib Al Obeidi erklärte, offenbar sei das Lager explodiert, als sich Menschen dort Waffen besorgten. Andere machten loyal zu Machthaber Muammar al Gaddafi stehende Kämpfer verantwortlich.

          Die Polizeiorganisation Interpol hat derweil einen Warnhinweis gegen Machthaber Gaddafi und 15 Personen aus dessen engstem Umfeld ausgegeben. Mit der sogenannten „Orange Notice“, die Informationen über die Betroffenen enthalte, solle es den Grenzpolizeien erleichtert werden, die Einhaltung der gegen Gaddafi vom UN-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen zu überwachen. Dabei geht es um Einreiseverbote und das Einfrieren von Vermögen. Warnhinweise sind keine Haftbefehle. Sie werden ausgegeben, um es Ländern zu ermöglichen, Schwarzgelder oder Menschen ausfindig zu machen, die zur Ausweisung ausgeschrieben sind.

          Deutsche Schiffe nach Djerba

          Unterdessen läuft die internationale Hilfe für die tausenden Flüchtlinge an. Die Bundeswehr beteiligt sich mit drei Schiffen an einem internationalen Hilfseinsatz für in Tunesien festsitzende Libyen-Flüchtlinge. Die Flotte wird im Laufe des Freitags vor der Küste bei der Ferieninsel Djerba erwartet. Für die Fahrt nach Ägypten brauchen die Schiffe laut Bundesverteidigungsministerium zwei bis drei Tage. Die Bundesregierung stellt zudem Geld bereit, damit Flüchtlinge mit Chartermaschinen in ihre Heimat geflogen werden können.

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