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Libyen : Neue Führung: Mindestens 30.000 Tote

  • Aktualisiert am

Kämpfer der neuen libyschen Führung am Checkpoint kurz vor Bani Walid Bild: dapd

Während des Aufstands gegen Gaddafi sind nach Angaben des neuen Gesundheitsministeriums 30.000 Menschen getötet worden. Etwa 50.000 weitere Menschen seien verletzt worden.

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          In Libyen sind nach Angaben des neuen Gesundheitsministeriums in den vergangenen sechs Monaten mindestens 30.000 Menschen getötet worden. Der Gesundheitsminister der Übergangsregierung, Nadschi Barakat, sagte am Donnerstag dem Sender Libya TV, es seien während des Aufstands gegen Gaddafi etwa 50.000 weitere Menschen verletzt worden, mindestens 4000 würden noch vermisst.

          Der gestürzte Diktator bestritt am Donnerstag in einer Audio-Botschaft, das Land verlassen zu haben. Nach Angaben des neuen Zentralbankchefs Qassim Azzouz hat Gaddafi während seiner Herrschaft etwa 20 Prozent der libyschen Goldreserven verkauft, um damit Gehälter zu bezahlen. Während des Aufstands seien aber keine Vermögenswerte aus dem libyschen Staatsvermögen verschwunden.

          Unterdessen sind nach Medienberichten große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen aus libyschen Waffenlagern verschwunden. Noch sei unklar, ob Al Qaida oder andere Terrorgruppen an die verschwundenen Waffen gekommen seien, zitierte die Zeitung „New York Times“ einen amerikanischen Offizier; Geheimdienste gingen aber davon aus.

          Al Rai TV: Gaddafis neuer Medienpartner

          Wieder einmal hat sich Muammar al Gaddafi mit einer altbekannten Botschaft zu Wort gemeldet. Der untergetauchte libysche Diktator rief seine „geliebten Libyer“ auf, ihr Land gegen die Verräter, Hunde, Ratten und Bazillen zu verteidigen. „Lügen und psychologische Kriegsführung“ seien die Berichte, nach denen er sich schon nach Niger abgesetzt habe, wetterte Gaddafi. Er befinde sich weiter in Libyen. Dass libysche Konvois ins Nachbarland führen, sei doch keine ungewöhnliche Angelegenheit.

          Das neue Sprachrohr Gaddafis hat seinen Sitz allerdings im Ausland - in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Zuletzt äußerten sich der gestürzte Machthaber, sein Sprecher Mussa Ibrahim oder sein Sohn Saif al Islam im syrischen Sender Al Rai. Weil im alten Verkündungsorgan, dem libyschen Staatsrundfunk, inzwischen Revolutionslieder erklingen, muss das alte Regime auf seinen Kontakt zu Mishan al Dschuburi zurückgreifen.

          Gaddafis neuer Medienpartner kommt aus dem Irak - genauer aus der Gegend von Tikrit, aus der auch Saddam Hussein stammte. Er, Dschuburi, sei zwar gegen „sämtliche Diktaturen“, sagte dieser der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Sein Sender habe aber zugleich zum Ziel, „gegen Besatzungen“ von Ländern zu kämpfen, „sei es die im Irak, in Palästina oder heute in Libyen“. Zuletzt hatte sich Al Rai nach Angaben des amerikanisch-israelischen Medien- und Übersetzungsdienstes Memri darauf verlegt, Bilder von Anschlägen sunnitischer Extremisten auf amerikanische Soldaten im Irak oder irakische Sicherheitskräfte auszustrahlen. Der frühere Dschuburi-Sender Al Zawraa zeigte rund um die Uhr Anschlagsbilder aus dem Irak, bezeichnete die radikalen Islamisten als „Freiheitskämpfer“ und wurde 2007 aus dem Netz genommen.

          Gaddafi verkörpert nach den Worten des zwielichtigen früheren irakischen Politikers den „Widerstand des libyschen Volkes gegen die Aggression der Nato“. Deshalb unterstütze er ihn, sagte Dschuburi. „Wenn ich ihn sprechen muss, schicke ich ihm eine SMS, oder er ruft mich an, wenn er eine Botschaft verbreiten möchte“, sagte der 54 Jahre alte Dschuburi, dem Saddam Hussein, bevor es 1990 wegen eines geplanten Putsches zum Bruch kam und Dschuburi sich nach Syrien absetzte, einen Arbeitsplatz bei einer Zeitung der Baath-Partei verschafft hatte. Er habe zuletzt vor „sehr kurzer Zeit“ mit Gaddafi gesprochen, sagte Dschuburi am Donnerstag der Nachrichtenagentur. Dieser halte sich weiterhin in Libyen auf, und sei in „sehr guter Verfassung“. Dass er sich stark fühle, und dass er hoffe, „im Kampf gegen die Besatzer zu sterben“, habe Gaddafi ihm gesagt. (cheh.)

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