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Libyen : Italien beteiligt sich an Angriffen

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Italien möchte mit seinem Einsatz den Zivilisten helfen, ihre Meinung frei zu äußern Bild: dpa

Wegen der Lage in der libyschen Stadt Misrata hat nun auch Italien beschlossen, sich aktiv am Einsatz in Libyen zu beteiligen. Der britische Außenminister William Hague rechnet mit einem langwierigen Einsatz.

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          Die italienische Regierung hat sich dazu entschlossen, doch „vollständig am Nato-Einsatz teilzunehmen“, um den Zivilisten in Libyen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung frei zu äußern. Das sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Abschluss des Treffens mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag in Rom. Die Entscheidung war am Vorabend des Treffens bekannt gegeben worden. Zunächst hatte Berlusconi die Entscheidung „für gezielte Einsätze gegen Militärobjekte auf libyschem Gebiet, um die Zivilbevölkerung zu schützen“, dem amerikanischen Präsidenten Obama mitgeteilt. Der Gesinnungswandel wurde mit der „entsetzlichen Lage“ in der umkämpften Stadt Misrata begründet.

          Frankreich und die anderen Länder, die sich wie die Vereinigten Staaten aktiv am Einsatz in Libyen beteiligen, hatten seit dem Treffen der Alliierten in Berlin am 14. April den Druck auf Italien erhöht, nicht nur seine Basen zur Verfügung zu stellen und mit seiner Luftwaffe das Radarsystem des Machthabers Gaddafi zu stören. Doch Italien hatte ein weiteres Engagement offiziell mit Hinweis auf seine Kolonialgeschichte in Libyen und inoffiziell mit Hinweis auf seine bisher engen Bande zu Gaddafi abgelehnt. Die italienische Opposition trägt die Entscheidung mit. Staatspräsident Napolitano sagte, weil dieser Schritt ein folgerichtiges Ergebnis der bisherigen Haltung Italiens sei, könne sich die Regierung auf die gesamte Nation stützen. Der Minister zum Abbau der Bürokratie, Roberto Calderoli vom Koalitionspartner „Lega Nord“, hatte die Entscheidung zunächst kritisiert. Berlusconi sagte, er habe mit den drei Lega-Ministern im Kabinett, Umberto Bossi, Roberto Maroni und Calderoli telefoniert, um sie zu überzeugen.

          Angriff von Gaddafis Truppen auf Misrata

          Der britische Außenminister William Hague äußerte derweil, er rechne mit einem langwierigen Einsatz in Libyen. Großbritannien und seine Verbündeten sollten sich auf eine „Langstrecke“ einstellen, sagte Hague nach Angaben einer Sprecherin von Premierminister Cameron vor dem Kabinett. Der britische Verteidigungsminister Fox traf in Washington zu Gesprächen über Libyen mit seinem amerikanischen Kollegen Gates und mit dem amerikanischen Generalstabschef Mullen zusammen. Fox hat – an Gaddafi gerichtet – mitgeteilt, der Staatschef und weitere Personen könnten mittlerweile als legitime Ziele von Luftangriffen gelten.

          In Libyen haben Regierungstruppen unterdessen den Hafen von Misrata angegriffen. Die Truppen von Gaddafi rückten gegen den zwölf Kilometer östlich von Misrata gelegenen Hafen vor, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Bei dem Angriff seien mehrere afrikanische Flüchtlinge verletzt worden, die auf ein Schiff warteten, das sie in Sicherheit bringen sollte.Unterdessen soll die Nato in Libyen einen Konvoi der Truppen Gaddafis angegriffen haben. Unterstützer der Rebellen meldeten, der Militärkonvoi, zu dem Söldner gehört hätten, sei auf dem Weg in die Stadt Nalut südwestlich von Tripolis gewesen. Gaddafis Truppen hätten nach der Attacke mehrere verbrannte Leichname in den nahe gelegenen Militärstützpunkt Tidschi gebracht. Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtete dagegen, die Allianz habe von Kriegsschiffen aus angegriffen und ein Telefonkabel zerstört; anschließend seien die Verbindungen zwischen Sirte, Ras Lanuf und Brega gekappt gewesen. Der arabische Nachrichtensender Al- Dschazira meldete, auch drei Aufständische seien bei Gefechten rund um Nalut getötet worden.

          In Tripolis verschlechterte sich unterdessen die Versorgungslage. Ein Bewohner der Hauptstadt sagte, Benzin und einige Nahrungsmittel seien knapp geworden. Die Lebensmittelpreise seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Die Rebellen meldeten weitere Raketenangriffe und vereinzelte Gefechte in den Vororten der westlichen Stadt Misrata.

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